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Übermüdete Piloten geben Notsignal

von Peter Stein und Peter Hornung, NDR Info

Ein Cockpit des Airbus A380 © ddp Fotograf: Thomas Lohnes Detailansicht des Bildes Lange Schichten im Cockpit: Die Piloten-Gewerkschaft kritisiert die Flugdienstzeit-Regelungen. Schon seit Langem laufen Piloten Sturm gegen ihre Arbeitsbedingungen. Bis zu 15 Stunden lange Schichtdienste, der Wechsel zwischen verschiedenen Zeitzonen und Nachtflüge zehren an ihren Kräften - und können zum Risiko für die Sicherheit der Passagiere werden. Das macht ein bisher unbekannter Zwischenfall aus dem vergangenen Monat deutlich.

Funkspruch "Pan, Pan" an den Tower

5. Mai 2012, 10 Uhr 15, ein Airbus der Air Berlin ist im Anflug auf den Münchner Flughafen Franz Josef Strauß. Etwas an Bord scheint nicht in Ordnung. "Pan, Pan" funken die Piloten, ein internationaler Funkruf: Sie wollen dringend den Tower sprechen. Erschöpft seien sie und bitten deshalb darum, bevorzugt landen zu dürfen. Die Deutsche Flugsicherung (DFS) bestätigte den Vorfall auf Anfrage von NDR Info. DFS-Sprecher Axel Raab teilte mit "Dieser Bitte wurde stattgegeben, und die Maschine landete zwölf Minuten später um 10.27 Uhr in München ohne Probleme."

Ungewöhnliches und alarmierendes Ereignis

Es sei das erste Mal, dass man einen solchen Zwischenfall registriert habe, sagte DFS-Sprecher Raab. Jedenfalls könne man sich an keinen ähnlichen Fall erinnern. Ein ungewöhnliches und gleichzeitig alarmierendes Ereignis, sagt Flugkapitän Ilja Schulz, Präsident der Pilotenvereinigung Cockpit: "Es ist für mich derzeit der einzige Fall, den ich kenne, was die Dramatik dieses Vorfalls zeigt. Ein Pilot wird nur dann eine solche Gefahrenmeldung absetzen, wenn er weiß, dass er anders die Sicherheit des Fluges nicht mehr gewährleisten kann. Die Fluglotsen machen den Weg frei, man kann als erster landen, man wird besonders langsam angesprochen, um alles zu verstehen."

Air Berlin verweigert Stellungnahme

Eine Gefahr für die Sicherheit der Passagiere? Die betroffene Fluggesellschaft Air Berlin verweigerte NDR Info jegliche Stellungnahme. "Leider war mit Ihrer Redaktion in der Vergangenheit keine professionelle Zusammenarbeit möglich", sagte eine Sprecherin der Fluglinie: "Daher sehen wir von einem Statement ab." NDR Info hatte in der Vergangenheit bereits mehrmals kritisch über Air Berlin berichtet.

Interne Dokumente zeigen jedenfalls: Die Crew trat ihren Dienst kurz nach Mitternacht an, musste zunächst mit dem Bus von München nach Nürnberg, flog dann nach Mallorca und schließlich nach München. Zehn Stunden im Dienst, vom Gesetz her ist das in Ordnung. Trotzdem sei das keineswegs beruhigend, sagt Ilja Schulz von Cockpit: "Dieser Fall zeigt sehr deutlich, dass die heutigen Flugdienstzeit-Regelungen nicht reichen, um die Besatzung vor Übermüdung zu schützen. Es ist ein deutliches Beispiel dafür, dass hier etwas getan werden muss."

Proteste von Piloten

Offenbar gab es schon vor dem Zwischenfall Proteste von Air-Berlin-Piloten gegen solche Flugplanungen, die die Crews an den Rand ihrer Leistungsfähigkeit bringen. In einer internen Information der Personalvertretung der Fluglinie heißt es: "Die Planung solcher Einsätze ist in Hinsicht auf Sicherheit und Fürsorgepflicht des Arbeitgebers ein unhaltbarer Zustand (…) Muss erst Schlimmeres passieren, damit die Verantwortlichen endlich einlenken?". Auch dazu gab es keinen Kommentar von Air Berlin.

Dass sich die Situation durch gesetzliche Regelungen bald verbessern wird, ist nicht zu erwarten. Die Europäische Luftsicherheitsagentur EASA will die Nachtflugzeiten zwar verkürzen, aber bislang lediglich um 45 Minuten auf elf Stunden. Den von der europäischen Agentur selbst beauftragten Wissenschaftlern will man nicht folgen. Die empfehlen für Nachtflüge eine Begrenzung auf höchstens zehn Stunden – genau die Zeit, die die Air Berlin-Piloten unterwegs waren.

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