Enttäuschte Anhänger sind stolz auf Olaf Lies
In seiner Heimatregion hat Olaf Lies bei der Urwahl 85 Prozent der Stimmen bekommen. Die SPD-Mitglieder im Nordwesten sind enttäuscht vom Ergebnis, aber stolz auf ihren Kandidaten. mehr
Spitzenkandidat Stephan Weil soll auch den Parteivorsitz von Olaf Lies übernehmen. (Archiv)
Der neue Spitzenkandidat der SPD, Stephan Weil, soll künftig auch den Landesvorsitz der Partei übernehmen. Der bisherige Parteichef Olaf Lies kündigte heute seinen Rücktritt an. Es gehe jetzt darum, die Kräfte zu bündeln, begründete er seinen Schritt. Der Wechsel soll auf einem vorgezogenen Landesparteitag der Sozialdemokraten voraussichtlich im Januar vollzogen werden. Lies war gegen Weil in einer Urwahl zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahl 2013 angetreten und verlor gegen Hannovers Oberbürgermeister. Schon im Vorfeld der Abstimmung hatte der Landeschef angekündigt, von seinem Posten zurückzutreten, sollte er bei der Urwahl nicht gewinnen.
Für Stephan Weil ist offenbar klar, dass sein ehemaliger Konkurrent Olaf Lies weiter eine Rolle in der SPD spielen soll. Der Spitzenkandidat ließ einen Tag nach der Urwahl durchblicken, dass er den derzeitigen Landeschef möglicherweise in sein Schattenkabinett holen will. Zeitgleich äußerte er sich zu seinem künftigen Wahlkampf: "Ich werde in das Zentrum meiner Ansprache die gesellschaftliche Mitte stellen." Er wolle die Menschen erreichen, die arbeiten und Leistungen erbringen. Diese seien in allen Teilen der Gesellschaft zu finden, "auch zum Beispiel bei CDU-Wählern".
Nach der Urwahl am Sonntagabend hatte Stephan Weil die Partei zur Geschlossenheit aufgerufen und sich kampfbereit für die Landtagwahl gezeigt. Er rechnet sich offenbar gute Chancen aus, bei der Wahl in 14 Monaten den amtierenden Ministerpräsidenten McAllister und damit die schwarz-gelbe Landesregierung abzulösen. Der CDU-Mann hatte das Amt im Juni 2010 von seinem Parteifreund Christian Wulff übernommen, als dieser Bundespräsident wurde. Sowohl Weil als auch McAllister treten somit erstmals als Spitzenkandidaten bei einer Landtagswahl an.
Trotz des bevorstehenden landesweiten Wahlkampfes will sich der neue Spitzenkandidat Weil weiterhin "voller Freude" in der Landeshauptstadt engagieren. Das Jahr 2012 werde aber anstrengend. Weil will viel in Niedersachsen unterwegs sein. Er sei jedoch guten Mutes, dass die Hannoveraner zwar traurig sein werden, aber vielleicht auch stolz den nächsten Ministerpräsidenten aus dem Rathaus in den Landtag geschickt zu haben.
SPD-Chef Sigmar Gabriel sagte nach der Wahl von Weil zum Spitzenkandidaten der niedersächsischen Sozialdemokraten: "Mit seiner politischen Erfahrung, seinem klaren Wertefundament und seiner Nähe zu den Menschen wird Stephan Weil einen fulminanten Wahlkampf führen." Durch die Urwahl habe die SPD in Niedersachsen in einem "überzeugenden Verfahren die Weichen für eine Ablösung der ausgelaugten CDU-FDP-Landesregierung" gestellt.
Olaf Lies soll laut Spitzenkandidat Weil weiter eine Rolle in der SPD spielen.
Olaf Lies zeigte sich am Sonntagabend enttäuscht über den Wahlausgang: "Ich gebe natürlich zu, dass ich gerne gewonnen hätte", erklärte er. Aber er werde dafür kämpfen, dass Weil der nächste Ministerpräsident wird. Die SPD habe einen guten Spitzenkandidaten, mit dem 2013 die Wahl gewonnen werden könne.
Wahlleiter Dieter Möhrmann zeigte sich mit der Wahlbeteiligung zufrieden.
Zu der Urwahl waren 39,6 Prozent der rund 65.000 Partei-Mitglieder gekommen. Der Vorsitzende des Wahlausschusses, Dieter Möhrmann, zeigte sich zufrieden mit diesem Ergebnis. Beobachter hatten mit einer geringeren Beteiligung gerechnet. Erwartungsgemäß punkteten beide Kandidaten in ihren Heimatregionen. Im Nordwesten erhielt SPD-Chef Olaf Lies bis zu 84 Prozent der Stimmen. Weil war vor allem im Bezirk Hannover stark und kam hier teilweise auf bis zu 75 Prozent. Insgesamt konnte er 53,3 Prozent der abgegebenen Stimmen auf sich vereinen. Sein Konkurrent Lies kam auf 46,1 Prozent der Stimmen.
Dass ein Landesverband von der Größe der Niedersachsen-SPD über seinen Spitzenkandidaten zur Landtagswahl abstimmte, war eine Premiere. Die Entscheidung der Parteimitglieder ist bindend und muss nicht mehr von einem Parteitag bestätigt werden.