Wie nahe stand Holger G. der NPD?
Der mutmaßliche Terrorhelfer in einer Reihe mit NPDlern: Dem NDR liegt ein Foto vor, das eine engere Verbindung zwischen Holger G. und der Partei nahelegt, als bisher angenommen. mehr
Holger G. sitzt immer noch in Karlsruhe in Untersuchungshaft. (Archiv)
Am 13. November wurde Holger G. aus Lauenau (Landkreis Schaumburg) verhaftet und hat offenbar noch umfangreicher ausgesagt als bislang bekannt. Wie der "Spiegel" in seiner Online-Ausgabe berichtet, soll G. gestanden haben, das Zwickauer Neonazi-Trio noch 2011 unterstützt zu haben.
Im Mai 2011 sei es um einen neuen Reisepass für einen der Männer des Trios gegangen, so die Aussage des Lauenauers laut "Spiegel". Als G. gezögert habe, hätte ihm das Trio, zu dem auch die inhaftierte Beate Zschäpe gehört, klar gemacht, dass ein Aussteigen für ihn nicht möglich sei. G. habe erneut geholfen. Zuvor hatte er das Trio mit einem Führerschein, Krankenkassenkarten und einer ADAC-Karte versorgt.
Den Kontakt zwischen Holger G. und der Zwickauer Zelle soll der ehemalige NPD-Mann Ralf Wohlleben hergestellt haben. Bereits kurz nach dem Abtauchen der drei Neonazis 1998 habe Wohlleben ihn um Geld für die Flüchtigen gebeten, soll G. ausgesagt haben. 2000 oder 2001 habe er in Wohllebens Auftrag den ersten Reisepass für einen der mutmaßlichen Terroristen erstellt.
Wohlleben befindet sich seit mehreren Wochen in Haft. Holger G. hatte angegeben, von ihm eine Waffe für das Terror-Trio erhalten zu haben. In der Pressemitteilung des Generalbundesanwaltes hieß es dazu: "Der Beschuldigte ist dringend verdächtig, dem 'NSU' ('Nationalsozialistischer Untergrund', Anm. d. Red.) 2001 oder 2002 eine Schusswaffe nebst Munition verschafft zu haben. Er soll Waffe und Munition einem Kurier übergeben haben, der sie in seinem Auftrag zu den 'NSU'-Mitgliedern nach Zwickau brachte." Ob es sich bei der Waffe um eine der Tatwaffen handelt, ist noch unklar.
Ralf Wohlleben war bis vor zwei Jahren stellvertretender Vorsitzender der NPD in Thüringen. Zuvor war er als Beisitzer Mitglied des NPD-Landesvorstandes. Die Frage seiner mutmaßlichen Tatbeteiligung spielt eine wesentliche Rolle bei der neu entbrannten Frage eines NPD-Verbotes.
Das Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen prüft derzeit nach Angaben eines Srechers der Staatsanwaltschaft, ob noch weitere Gewalttaten auf das Konto des Terror-Trios gehen. Am Sonnabend war bekannt geworden, dass ein türkischer Gastwirt in Duisburg im Jahr 2003 mit einer vergleichbaren Waffe angeschossen worden war, wie sie im Haus der Verdächtigen Beate Zschäpe gefunden wurde. Bislang wird die rechtextreme Terror-Zelle für neun Morde, zwei Sprengstoff-Anschläge und mindestens drei Banküberfälle verantwortlich gemacht.