"Ich will Ministerpräsident werden!"

Nach SPD-Landeschef Olaf Lies hat auch Hannovers Oberbürgermeister Stephan Weil offiziell seinen Hut in den Ring geworfen. Er will SPD-Spitzenkandidat für die Landtagswahl 2013 werden. "Ich habe mich selbst sehr kritisch und sehr intensiv geprüft und bin zu einem klaren Ergebnis gekommen: Ich bin bereit, Verantwortung zu übernehmen, ich will niedersächsischer Ministerpräsident werden", sagte Weil bei einer Pressekonferenz am Sonntag in Hannover.

"Ich bin bereit, Verantwortung zu übernehmen"

- Autor/in: Celia Born

Hannovers Oberbürgermeister Stephan Weil möchte Niedersachsens Ministerpräsident werden. Bei einer Pressekonferenz am Sonntag zeigte sich der SPD-Kandidat sehr motiviert.

Parteibasis entscheidet am 27. November

Am Tag zuvor war Stephan Weil vom Vorstand des SPD-Bezirks Hannover einstimmig nominiert worden. Bereits am Freitagabend hatte SPD-Landesschef Olaf Lies seine Kandidatur erklärt. Gleichzeitig hatte der Landesvorstand beschlossen, die Frage der Spitzenkandidatur durch eine Mitgliederbefragung entscheiden zu lassen. Diese Urwahl soll am 27. November stattfinden. Bis zum kommenden Freitag können mögliche weitere Bewerber ihre Ambitionen anmelden.

Weil setzt auf Wechsel - auch für Berlin

Eigentlich fühle er sich pudelwohl im Rathaus von Hannover, sagte Weil am Sonntag. Ein enormer Zuspruch aus den eigenen Parteireihen, den Gewerkschaften und der Wirtschaft habe ihn aber überzeugt, zu kandidieren. Als SPD-Spitzenkandidat strebe er den Politikwechsel in Niedersachsen an. Und von der Landtagswahl 2013 erhoffe er sich ein starkes Signal für die Bundespolitik, sprich: auch dort soll Schwarz-Gelb abgewählt werden. Mit seiner Kandidatur verknüpft Weil allerdings auch ein hohes persönliches Risiko. "Wenn ich von den Mitgliedern der niedersächsischen SPD das Mandat erhalte, für meine Partei in den Landtagswahlkampf zu ziehen, werde ich mich aus dem hannoverschen Rathaus verabschieden." Wer ihn kenne, wisse, wie schwer ihm das falle. Er wolle seine Sache aber "ganz oder gar nicht machen".

Auch Olaf Lies scheut kein Risiko: Er hat seine Zukunft als Landeschef direkt an das Ergebnis des Mitgliedervotums geknüpft. Im Falle seiner Niederlage will er auch diesen Posten an den gewählten Spitzenkandidaten übergeben. "Der Landesvorsitz und die Spitzenkandidatur müssen in einer Hand liegen", so Lies. Er stellt also die Machtfrage innerhalb der Niedersachsen-SPD. Bei der Parteibasis genießt der Landeschef Vertrauen und Ansehen. In der Parteispitze soll es dagegen Versuche gegeben haben, Lies zum Verzicht auf eine Kandidatur zu bewegen. Bundesparteichef Sigmar Gabriel soll sich auch schon für Weil ausgesprochen haben. Und auch Hubertus Heil, der zunächst selbst als möglicher Kandidat gehandelt worden war, gilt als Weil-Unterstützer.

Ein Zweikampf starker Persönlichkeiten

Die Kandidaten
Stephan Weil steht vor dem SPD-Schild. © dpa/Wolfgang Kumm Fotograf: Wolfgang Kumm
 

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Reaktionen aus den Landtagsfraktionen

Ob Lies oder Weil, keiner kommt an gegen CDU-Ministerpräsident David McAllister, findet CDU-Fraktionschef Björn Thümler. "Ich finde, dass weder gegen Herrn Lies etwas spricht noch für ihn, noch für Herrn Weil oder gegen Herrn Weil", sagte Thümler NDR 1 Niedersachsen. "Wir haben keinen Angstgegner, uns ist jeder recht." Leidenschaftslos sieht auch FDP-Fraktionschef Christian Dürr die SPD-Personalie. Er wundert sich vielmehr über das Hick-Hack um den sozialdemokratischen Spitzenkandidaten. "Die Situation hat die SPD selbst zu verantworten. Sie hat in ihrer Führung nie für Klarheit gesorgt." Das spüre man auch im Landtag, so Dürr. "Die SPD ist als führende Oppositionspartei vergleichsweise handlungsunfähig, das fällt schon auf."

Grünen-Fraktionschef Stefan Wenzel dagegen kann nachvollziehen, wie die SPD um ein Ergebnis gerungen haben muss. Schließlich müsse sie die Satzung achten, damit am Ende eine einmütige Entscheidung steht. Welcher SPD-Kandidat sein Favorit ist, lässt Wenzel lieber offen. "Die Entscheidung müssen ganz allein die SPD-Mitglieder treffen." Er könne sich aber mit beiden Kandidaten eine gute Zusammenarbeit vorstellen.

Jetzt müssen die rund 65.000 SPD-Mitglieder entscheiden. Bei vier bis sechs Regionalkonferenzen können sie sich in den kommenden Wochen ein Bild von den Bewerbern machen.

 

  • "Goslar" schreibt:

    Lies und Weil sind sehr verschieden, aber beides offensichtlich gute Leute. Nur die SPD-Spindoktoren drum herum versauen es! Ein fairer Mitgliederentscheid ist bessere Werbung als Gerüchte.

  • "Hann"schreibt:

    Ich freue mich, wenn Weil Spitzenkandidat und dann Ministerpräsident wird. Er ist ein guter OB, erfahren und menschlich.

  • "Landtag" schreibt:

    Das ist die typische alte Kungelei. Es soll im Hinterzimmer entschieden werden, wer es macht, ohne die Mitglieder einzubeziehen - wider den Absprachen auf Parteitagen und in der Öffentlichkeit. Es geht nicht darum, dass Olaf Lies es nicht kann, es geht um die Macht einiger weniger in der SPD. Sigmar Gabriel mag den Herrn Lies auch nicht und versucht alles, um ihn zu verhindern.

  • "Helmut" schreibt:

    Undemokratischer gehts nicht! Strippenziehen im Dunkeln. Demokratie sieht anders aus, liebe SPD. So wird das nichts mit der Regierungsübernahme.

  • "Bundesebene" schreibt:

    Was passiert denn bitte in Niedersachsen? Die Parteireform sollte der SPD helfen, wieder auf die Beine zu kommen und Menschen zu begeistern. Einige Funktionäre und Journalisten scheinen sich aber lieber am guten alten Strippenziehen zu ergötzen. Wie arm.

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