SPD-Chef fordert "Task Force" für die Asse
Beim Besuch des Atommüll-Lagers Asse hat SPD-Chef Gabriel den Bundesumweltminister angegriffen. Er warf Röttgen ein "falsches Spiel" vor und forderte ein klares Bekenntnis zur Räumung. mehr
Vor der Asse versammelten sich rund 400 Menschen.
2011 war das Jahr von Fukushima, das Jahr des Ausstiegs aus der Atomenergie und das Jahr des längsten und teuersten Castor-Transports aller Zeiten. Atomkraft und Atompolitik haben eine zentrale Rolle in Politik und Gesellschaft gespielt. Im Fokus standen dabei auch die niedersächsischen Atommüll-Lager Gorleben und Asse - und das bis zum letzten Tag im Jahr 2011. Denn sowohl im Wendland als auch im Landkreis Wolfenbüttel riefen Bürgerinitiativen zu Silvesterpartys an den Atommüll-Standorten auf.
"Silvester am Schacht - wir lassen es krachen" lautete das Motto der Asse-Party, zu der etwa 400 Menschen kamen. "Wir sehen es als alternativlos an, den Müll herauszuholen", sagte Mitorganisator Udo Dettmann vom Asse-Koordinationskreis. Aktivisten der Umweltschutzorganisation Robin Wood besetzten vorübergehend das Fördergerüst über dem Schacht des ehemaligen Salzbergwerks. Sie entrollten ein großes Transparent mit der Aufschrift: "Auslaufmodell Asse - Rückholung sofort - Raus kommt es so oder so"
Auch vor dem Bergwerk Asse versammeln sich Atomkraftgegner am letzten Tag des Jahres.
Grund für den Protest am Silvesternachmittag war eine interne Notiz aus dem Bundesamt für Strahlenschutz (BfS), die über Weihnachten an die Öffentlichkeit gelangte. Ein Mitarbeiter hatte darin die Rückholung des Atommülls aus der Asse infrage gestellt, woraufhin auch der niedersächsische Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) einer Bergung des Mülls plötzlich skeptisch gegenüberstand. Anwohner, Atomkraftgegner und Umweltschützer fürchten, dass eine Rückholung der Tonnen mit dem strahlenden Inhalt politisch und wirtschaftlich gar nicht gewollt ist. Sie fürchten gar, dass die Asse geflutet werden könnte. Mit ihrer Silvesterparty wollten die Atomkraftgegner ihrer Forderung Nachdruck verleihen, den Atommüll aus der Asse zur bergen.
In Gorleben beginnt das neue Jahr gleich mit einem Neujahrsprotest.
Auch vor dem Erkundungsbergewerk in Gorleben versammelten sich am Neujahrstag etwa 100 Demonstranten. Sie fordern einen Verzicht auf den Standort Gorleben als Endlager für Atommüll. Der Salzstock wird seit Jahrzehnten als bisher einziger Ort in Deutschland auf seine Eignung als Endlager für hoch radioaktiven Müll untersucht. In unmittelbarer Nähe steht das Zwischenlager – eine oberirdische Halle, in der inzwischen über 100 Castor-Behälter mit Müll aus deutschen Kraftwerken untergebracht sind.
In die Erkundung des Salzstocks Gorleben wurden seit 1977 bereits knapp 1,6 Millionen Euro investiert. Wie aus einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsin3stituts YouGov für die Nachrichtenagentur dpa hervorgeht, würden ein Viertel der 1.053 Befragten den Standort als Endlager favorisieren. Rund 55 Prozent begrüßen allerdings den Neustart der Endlager-Suche. Doch ein Endlager in der Nähe des eigenen Wohnorts würden die wenigsten Bürger (17 Prozent) akzeptieren. Jeder Dritte würde sich nach eigenem Bekunden an Protesten dagegen beteiligen. Jeder Sechste würde demnach sogar die Region verlassen und wegziehen.
Einer großen Mehrheit der Befragten bereitet der unklare Verbleib des Atommülls Sorgen. So fürchten 81 Prozent die von dem strahlenden Müll ausgehenden Gefahren "sehr" (45 Prozent) oder "ein wenig" (36 Prozent). Nur einer kleiner Teil von fünf Prozent hegt keinerlei Sorgen. Für die Endlagersuche brauche die Politik Vertrauen, sagte die die rheinland-pfälzische Wirtschafts- und Energieministerin Eveline Lemke (Grüne), die in den Verhandlungen mit Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) die von SPD und Grünen regierten Bundesländer koordiniert. "Vertrauen stellen wir durch Transparenz, Ehrlichkeit, Verbindlichkeit und Ergebnisoffenheit her." 35 Jahre Gorleben sprechen laut Lemke jedoch eine andere Sprache. "Deshalb braucht es dort einen Erkundungsstopp, um das verlorene Vertrauen aus diesem Prozess nicht auf einen Neustart der Suche zu übertragen."