"Auf einmal war der ganze Wald weg"
Adolf Wilder war einst Forstwirt im Revier Sandkrug. Als Augenzeuge berichtet er von den katastrophalen Ausmaßen des Orkans "Quimburga".
Video starten (01:21 min)Schon nach wenigen Stunden herrschte flächendeckende Verwüstung: Am 13. November 1972 zog einer der schlimmsten Orkane des 20. Jahrhunderts über Mitteleuropa und kostete bundesweit mindestens 73 Menschen das Leben. Allein in Niedersachsen starben 21 Menschen. Der Orkan "Quimburga" war zunächst unterschätzt worden. Bereits in der Nacht von Sonntag auf Montag hatte es in Großbritannien die ersten Toten gegeben, in Norddeutschland aber blieb die Bevölkerung weitestgehend unbeeindruckt von den amtlichen Unwetterwarnungen. Viele wurden ungeschützt im Freien von den schweren Orkanböen überrascht. "Quimburga" deckte Dächer ab, ließ Kirchtürme einstürzen und knickte Bäume wie Streichhölzer um.
Auf der Linie Oldenburg - Hannover - Oberharz wütete der Orkan besonders heftig. In Niedersachsen fielen dem Sturm laut Angaben der Niedersächsischen Landesforsten etwa zehn Prozent des gesamten Waldbestandes zum Opfer, knapp 50 Millionen Bäume wurden umgeworfen. Auf dem Brocken im Oberharz erreichten Böen Geschwindigkeiten von fast 245 Stundenkilometern. Der Orkan richtete einen Schaden in Höhe von 1,34 Milliarden DM an. Vier Stunden haben laut Landesforsten genügt, um auf unvorstellbar großen Waldflächen die forstliche Aufbauarbeit von mehr als einem Jahrhundert zu vernichten.
40 Jahre sind seit dem tödlichen Jahrhundert-Orkan "Quimburga" vergangen. Vier pensionierte Feuerwehrmänner schildern ihre Eindrücke aus der Zeit der Katastrophe.
Bei den Aufräumarbeiten nach "Quimburga" verunglückten in Niedersachsen weitere 22 Menschen bei etwa 700 Unfällen. Mit ein Grund für die hohen Schäden waren nach Angaben der Landesforsten die Monokulturen mit Nadelbäumen in den niedersächsischen Wäldern. Die Flächen, auf denen "Quimburga" gewütet hatte, wurden in den Jahren ab 1974 unter teilweise schwierigen Umständen weitgehend wieder aufgeforstet. Dabei achteten die Förster darauf, dass der Anteil von Eichen und Buchen erhöht wurde. Insbesondere Trockenheit und Wildverbiss machten den jungen Pflanzen auf den sandigen Böden des niedersächsischen Flachlandes jedoch zu schaffen. Erst 1979 war die Walderneuerung so gut wie abgeschlossen.