Am Sonntag bargen speziell ausgebildete Taucher die Leichen der vermissten Niederländer.
Es war offenbar ein tragisches Unglück: Zwei Taucher sind am Wochenende im Kreidesee in Hemmoor im Landkreis Cuxhaven ums Leben gekommen. Unter welchen Umständen wissen die Ermittler nicht genau. Aber dass ein Dritter Schuld an dem Tod der Niederländer trägt, das schließt der Stader Staatsanwalt Kai Thomas Breas aus. Er lässt nicht weiter ermitteln. So werden auch die Leichen nicht obduziert. "Die Männer sind ertrunken, entweder nach einem technischen Defekt oder wegen Selbstüberschätzung", sagte Breas am Dienstag.
Die beiden Taucher waren am Sonnabend zusammen mit einer sechsköpfigen Gruppe in den See gestiegen. Bei dem Tauchgang war es offenbar zu Komplikationen gekommen, zwei weitere Männer wurden beim Notaufstieg schwer verletzt. Nach Angaben eines Sprechers der Cuxhavener Polizei sind diese Männer mittlerweile außer Lebensgefahr. Zwei weiteren Tauchern war ein normaler Aufstieg gelungen. Die beiden Niederländer galten zunächst als vermisst und wurden von speziell ausgebildeten Tauchern gesucht. Am Sonntag konnten sie aber nur noch tot aus einer Tiefe von etwa 50 Metern geborgen werden.
Der rund 60 Meter tiefe Kreidesee in Hemmoor gehört zu den beliebtesten Tauchrevieren im Norden.
Der See ist 500 Meter breit und 1,3 Kilometer lang. In Terrassen geht es bis auf 60 Meter hinab in die Tiefe. Schon bei geringeren Tiefen kann es zu einer Unterversorgung mit Atemluft kommen, wenn der sogenannte Atemregler wegen der niedrigen Temperaturen vereist. Diese Vereisungen waren schon Ursache von Tauchunfällen im Kreidesee. Daher müssen alle Taucher dort zwei separate Atemregler mit sich führen.
Der Kreidesee liegt rund 50 Kilometer südöstlich von Cuxhaven. Bis in die 70er-Jahre wurde dort Kreide für die Zementherstellung abgebaut. Im See befinden sich noch Überbleibsel des Tagebaus wie Gebäude, Brücken oder Treppen. Zudem wurden neue Tauchobjekte wie Autos, Bootswracks und auch Flugzeuge versenkt. Der Kreidesee zählt wegen dieser Kulisse zu den beliebtesten Tauchrevieren in Norddeutschland. Im letzten Jahr starben dort zwei Taucher bei Unfällen, in den vergangenen zehn Jahren kamen zehn Taucher im Kreidesee ums Leben.
Die Krankheit kann entstehen, wenn ein Taucher zu schnell aus der Tiefe wieder aufsteigt. Verursacht wird sie durch Stickstoff, der sich unter hohem Druck im Körper eines Menschen anreichert. Das überschüssige Gas kann normalerweise über die Lunge langsam wieder abgegeben werden. Steigt der Taucher aber zu schnell wieder auf, wird er den Stickstoff nicht mehr rechtzeitig los. Es bilden sich Blasen im Blut, die wie Kohlensäure in einer Sprudelflasche "aufschäumen". Diese Gasblasen können zu inneren Verletzungen führen und sogar lokal die Blutversorgung unterbrechen. Nach dem Auftauchen spüren die Betroffenen ein Kribbeln; die Haut rötet sich, die Gelenke schmerzen. Bei schweren Verläufen kann es aber auch zu Sehstörungen, Lähmungen oder Atemstillstand kommen.