Hildesheims Dächer liefern künftig Strom
Die Stadt will verstärkt Photovoltaik-Anlagen auf öffentliche Gebäude bringen. (20.09.2011) mehr
Der Solarpark Ammerland ist das größte Sonnenkraftwerk in Niedersachsen.
Dass in Niedersachsen genug Wind weht, um eine Menge Strom zu erzeugen, ist längst klar. Mit Solarenergie hat sich das Land dagegen bisher keinen Namen gemacht - das könnte sich bald ändern. In Wiefelstede hat Ministerpräsident David McAllister (CDU) heute Niedersachsens größtes Sonnenkraftwerk eröffnet: den Solarpark Ammerland.
Statt Fluglärm nun Öko-Strom: Auf einer Fläche von fast 60 Hektar ziehen sich die Reihen mit den Solar-Modulen über die frühere Landebahn. Sie erzeugen so viel Energie, dass damit 6.000 Vier-Personen-Haushalte versorgt werden können. Die Anlage wurde innerhalb von nur vier Monaten aufgebaut, sagte Ove Petersen, Geschäftsführer des Betreibers GP Joule.
Ove Petersen (links), Geschäftsführer von GP Joule, und Wiefelstedes Bürgermeister Helmut Völkers eröffnen symbolisch den Solarpark.
45 Millionen Euro sind in den Solarpark investiert worden. Widerstände gab es keine, so Helmut Völkers, Bürgermeister der Gemeinde Wiefelstede. Er setzt darauf, dass die Kommune auch in finanzieller Hinsicht von dem Projekt profitieren wird. Wenige Meter entfernt will auch die Stadt Oldenburg einen Solarpark bauen, der schon im Dezember fertig werden soll.
Der Solarpark soll dazu beitragen, dass Niedersachsen in Sachen Solarstrom weiter aufholt. Ministerpräsident McAllister würdigte die Anlage als Beitrag zum Klimaschutz und bezeichnete sie als "konkretes und gutes Beispiel dafür, wie Kommunen vom Ausbau der erneuerbaren Energien profitieren können."
Kritik kam dagegen aus dem Umweltministerium: Photovoltaik-Kapazitäten in Niedersachsen seien ausgebaut worden, obwohl die Sonne nicht so oft scheine, ließ Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) verlauten. Es könne nicht sein, dass durch falsche Förderungen die Belastungen für Stromkunden weiter anstiegen.
Zwar liegt Süddeutschland nach wie vor an der Spitze, was neu installierte Solaranlagen angeht, aber der Norden holt auf. Nach einer Studie des Bundesverbandes Solarwirtschaft belegt Niedersachsen im Ländervergleich den vierten Platz - hinter Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen. Im vergangenen Jahr haben Solarzellen in Niedersachsen gut 900 Gigawattstunden Strom produziert und damit rein rechnerisch rund 260.000 Haushalte versorgt.
Noch erzeugt Windenergie in Niedersachsen zehnmal mehr Strom als Solaranlagen.
Im Vergleich zur Windenergie sieht die Solarenergie allerdings schwach aus. Laut Bundesverband Windenergie haben Windräder in Niedersachsen im gleichen Zeitraum mehr als das Zehnfache an Strom produziert. Die Solarbranche ist aber überzeugt, dass Niedersachsen in Sachen Sonnenenergie noch viel Potenzial hat. Die Fachleute gehen zum Beispiel davon aus, dass bisher nur sieben Prozent der möglichen Dachflächen im Land tatsächlich für Solaranlagen genutzt werden.