Brennelemente in Grohnde angekommen
Nachdem in Nordenham und Grohnde gegen den Einsatz von MOX-Brennelementen aus Großbritannien protestiert wurde, kehrt nun rund um das Atomkraftwerk wieder Ruhe ein.
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Die Brennelemente vom zweiten MOX-Transport werden am AKW Grohnde verladen.
Der zweite Transport von plutoniumhaltigen Mischoxid-Brennelementen (MOX) über Nordenham (Landkreis Wesermarsch) zum Atomkraftwerk Grohnde (Landkreis Hameln-Pyrmont) ist abgeschlossen. Die Proteste des vergangenen Wochenendes haben deutlich gemacht, dass Umweltschützer diese Art der Transporte kritisch sehen. Das Risiko einer Kernschmelze sei deutlich höher als bei denen aus Uran, warnte ein Sprecher der Umweltorganisation Greenpeace. Zudem werde die Bevölkerung nicht richtig informiert und geschützt. Nach Angaben einer Sprecherin des Energie-Unternehmens E.ON sollen in den nächsten Jahren noch weitere 60 Brennelemente in die Atomkraftwerke des Unternehmens geliefert werden. Allerdings nicht mehr nach Grohnde und nicht über Nordenham, so die Sprecherin.
Die weiteren 60 MOX-Brennelemente sollen nach Angaben der Sprecherin auf dem Landwege in die AKW des Unternehmens gebracht werden. Das heißt: In Nordenham werden keine MOX-Brennelemente mehr umgeschlagen. Trotzdem befürchten Atomkraftgegner, dass der Hafen für Atomtransporte zunehmend an Bedeutung gewinnen könnte. Viele glauben, dass auch abgebrannte Elemente aus Sellafield, sogenannte Castoren, über Nordenham den Weg nach Gorleben finden könnten. Das schließt auch die E.ON-Sprecherin nicht aus. Auch die Landtagsabgeordnete der Grünen, Ina Korter, fürchtet, weil Nordenham ein privater Hafen ist, könnten dort noch mehr Atomtransporte ankommen.
Die Atomkraftgegner fordern deshalb mehr Transparenz und eine offensivere Aufklärung der Bevölkerung. Der Vorsitzende der Bürgerinitiative Lüchow Dannenberg, Martin Donat, sagte, dass mit den Transporten fahrlässig umgegangen werde. Es gebe keinen Plan B, die Verantwortlichen gingen einfach davon aus, dass alles klappt.
Zum Schutz der Bevölkerung und des Begleitpersonals wurde nach Angaben des niedersächsischen Umweltministeriums die Strahlung an den beladenen Transportern gemessen. Die Grenzwerte nach dem Gefahrgut-Recht seien weit unterschritten gewesen. Laut Polizei ist auch der Katastrophenschutz auf derartige Einsätze vorbereitet: In regelmäßigen Abständen würden solche Großereignisse geübt, so eine Polizeisprecherin. Und die Entscheidung über die Genehmigung eines MOX-Transportes treffe allein das Bundesamt für Strahlenschutz.
Gegen 24 Uhr in der Nacht zu Montag hatten zwei mit MOX-Brennelementen beladene Speziallastwagen das Tor zum AKW Grohnde passiert. Die Lkw hatten am Sonntagabend den Hafen von Nordenham verlassen. Dort war der Frachter "Atlantic Osprey", der die acht Brennelemente aus der britischen Wiederaufarbeitungsanlage Sellafield nach Deutschland transportierte, am Nachmittag angekommen.
Bis zum Schluss wurde der Transport von Protesten begleitet. Am AKW Grohnde lieferten sich Atomkraftgegner ein stundenlanges Katz- und Maus-Spiel mit der Polizei. Einige der rund 300 Aktivisten kletterten auf Bäume und spannten Seile über die Transportstrecke. Andere versammelten sich zu Sitzblockaden. Zwei junge Frauen aus Bayern und Hessen ketteten sich an ein 400 Kilogramm schweres Betonfass, das sie an einen der neuralgischen Punkte gelegt hatten. Ein anderer Aktivist hatte sich nach Angaben der Polizei an einen der Speziallaster gekettet.
Zudem blockierten Traktoren zwei Zufahrten zum AKW. Einige der rund 100 Trecker waren so ineinander verkeilt, dass die Polizei größere Räummaschinen anfordern musste. Die Landwirte waren unter anderem aus dem Wendland, aus Nordrhein-Westfalen und Hessen nach Grohnde gekommen. Die Unterstützung in der Bevölkerung sei riesig gewesen, sagte Bernd Schlinkmann vom Anti-Atom-Plenum Weserbergland. Umweltschützer hatten am Sonnabend ein Protestcamp aus Zelten und Wohnwagen eingerichtet.
Auch die Polizei, die in Grohnde mit rund 1.400 Beamten im Einsatz war, zeigte sich zufrieden - obwohl es etwa eineinhalb Stunden dauerte, die Zufahrt zum AKW zu räumen. "Alles in allem war es ein Einsatz, bei dem es keine Gewaltaktionen gegeben hat", sagte Polizeisprecher Klaus Dirnberger NDR 1 Niedersachsen. Aus Sicht der Demonstranten ging die Polizei jedoch teilweise zu brutal bei der Räumung von Blockaden vor. "Völlig unverständlicherweise kam gegen angekettete Aktivisten auch Pfefferspray zum Einsatz", so Tobias Darge von "Grohnde abschalten".
Proteste gegen den Atom-Transport gab es auch in Nordenham, wo der Frachter "Atlantic Osprey" am Sonntagnachmittag anlegte. Aktivisten der Umweltorganisation Greenpeace hatten die Ankunft auf dem Wasser begleitet. Greenpeace forderte Ministerpräsident David McAllister (CDU) mit Bannern dazu auf, den vorgesehenen Einsatz der Brennelemente in Grohnde zu verhindern. Zudem protestierten am Hafen etwa 50 Atomkraftgegner gegen den MOX-Transport. Ihnen machte besonders der Zustand des Frachters Sorgen: Bereits vor sechs Jahren seien daran erhebliche Mängel festgestellt worden, so habe die Besatzung von der Brücke aus nicht die Temperatur in den Laderäumen beobachten können.
Der 90 Meter lange und 20 Meter breite Frachter ist Baujahr 1986. Verschiedene Reedereien benutzten ihn als Roll-on/Roll-off-Fähre (RoRo-Fähre) unter anderem in britischen Städten sowie zwischen Bremen und Bremerhaven. Seit 2005 gehört die "Atlantic Osprey" zur International Nuclear Services und dient zum Transport von Nuklearmaterial wie Brennelementen. Umweltverbände kritisieren den Frachter immer wieder als veraltet. Das Bauprinzip mit nur einer Maschine, einem Ruder und einer Rumpfhülle sei überholt. Die Besitzer verweisen auf Nachrüstungen im Jahr 2001 mit einer fest installierten Wasserlöschanlage und einem CO2-Löschsystem sowie zusätzlichen Schotts. Nach Angaben von Greenpeace konnte ein Brand 2002 nicht mit bordeigenen Einrichtungen gelöscht werden.
Unterdessen wurde am Freitag bekannt, dass der Landrat der Wesermarsch, Michael Höbrink (SPD), wegen übler Nachrede Strafantrag gegen Innenminister Uwe Schünemann (CDU) und den CDU-Fraktionsvorsitzenden im Landtag, Björn Thümler, gestellt hat. Schünemann und Thümler hatten dem Landrat vorgeworfen, er habe Informationen über den letzten Transport an Journalisten weitergegeben und damit Geheimnisse preisgegeben. Diese Behauptungen sind laut Höbrinks Anwalt wahrheitswidrig. Zudem hätten die beiden Politiker gegen die Unschuldsvermutung verstoßen, erklärte der Anwalt. Er forderte, die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen sofort einzustellen. Ein Sprecher von Schünemann sagte in einer ersten Reaktion, der Minister sehe dem Strafantrag gelassen entgegen.
Mischoxid-Brennelemente, kurz MOX-Elemente, enthalten anders als Brennelemente aus reinem Urandioxid noch ein weiteres Oxid - meistens Plutoniumdioxid. Wegen seiner stärkeren Radioaktivität ist Plutonium allerdings deutlich gefährlicher als Uran. Nach Angaben des Bundesamtes für Strahlenschutz geben MOX-Elemente "im Vergleich zu abgebrannten Brennelementen nur eine vergleichsweise geringe Strahlung ab". Das in ihnen enthaltene Plutonium dürfe aber "keinesfalls in die Umwelt gelangen, da das Einatmen schon kleinster Mengen Lungenkrebs hervorrufen kann". Atomkraftgegner kritisieren, dass zur Herstellung und Auslieferung der MOX-Brennstäbe Plutonium oft über weite Strecken transportiert werden muss, was das Unfallrisiko erhöhe. Zudem warnen sie davor, dass bei MOX-Elementen die Kettenreaktion leichter außer Kontrolle geraten kann und ein Atomkraftwerk schlechter zu kontrollieren sei.
böse demonstranten, arme polizei????????????
GEGENFRAGE: BEKOMMST DU EINEN TALER EXTRA WENN DU FÜR ATOMKRAFT BIST ODER BELANGE DER INDUSTRIE IN SCHUTZ NIMMST? NEIN? UND WIE WÜRDEST DU AUS DER SICHT EINES FUKUSHIMA ANWOHNERS DENKEN? GENAUSO... [mehr]
plutonium-transporte
wer bezahlt solche gefährlichen transporte? natürlch wie so oft ,wir steuerzahler ! diese hohen kosten bei solchen transporten ,werden sich versteckt auch immer wieder bei den hohen stromkosten... [mehr]
Faschos sind andere
Ein Gast diskriminiert hier doch tatsächlich die Mehrheit der Bundesbürger, die ja nachweislich gegen Stopp der Atomenergie und gegen die weitere Produktion von atomaren Mülls sind als auch deren... [mehr]
Änderung
Wie lange protestieren die Bürger schon gegen Atomwaffen, Atomkraft, Atomtransporte? 60 Jahre? Hier zeigen sich alle Grundübel der Politik, daß sie weder Willens ist noch in der Lage, den Bürgern ein... [mehr]
gibt es kein Facebook mehr
jetzt nutzen diese Ökofaschos schon die Kommentarfunktion beim NDR, um sich abzustimmen. Schade um die schönen Steuergelder, die wieder verbrannt wurden. Hoffe, das keinem Polizisten etwas passiert... [mehr]