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Rösler eröffnet Offshore-Windpark Bard 1

Nach mehr als drei Jahren Bauzeit hat am Montag der erste kommerzielle Windpark in der Nordsee, der an das Stromnetz angeschlossen ist, offiziell seinen Betrieb aufgenommen. Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) eröffnete Bard Offshore 1 mit einem symbolischen Knopfdruck. Vor gut zwei Wochen war bereits der Windpark "Riffgat" eröffnet worden. Der liefert allerdings noch keinen Strom, weil die Anbindung an das Stromnetz noch fehlt - bezeichnend für die gesamte Krise der Offshore-Industrie.

Vermeintliche Boom-Industrie Offshore

Es sollte die Zukunftsbranche werden und Zehntausende Arbeitsplätze schaffen. Viele Küstenstädte in Norddeutschland setzten ihre Hoffnungen auf die vermeintliche Boom-Industrie Offshore. Doch bei der Windkraft auf hoher See kriselt es. Weil der Netzanschluss an Land wie im Fall "Riffgat" stockt, zögern viele Investoren oder ziehen sich sogar ganz von Windpark-Projekten zurück. Bei regionalen Politikern, Stadtspitzen und Unternehmen schrillen die Alarmglocken. Es muss was passieren und zwar schnell, so die einhellige Meinung. In Cuxhaven haben sie am Montag einen Appell an die Bundesregierung unterzeichnet, der eine rasche Umsetzung der Energiewende einfordert.

Offshore ist "Eckpfeiler der Energiewende"

Die Unterzeichner verlangen unter anderem mehr Planungs- und Bestandssicherheit für den Bau von Windparks auf hoher See. Neben den Wirtschafts- und Energieministern und -senatoren der norddeutschen Bundesländer unterschrieben auch Bürgermeister und Unternehmen sowie die IG Metall. "Offshore ist der Eckpfeiler der Energiewende", sagte Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD).

Die Forderungen des "Cuxhavener Appells":

- Bestandssicherheit für die Offshore-Windenergie-Projekte, die sich derzeit im Bau befinden
- Planungssicherheit bezogen auf die geltende EEG-Regelung für die Offshore-Projekte auf dem Ausbaupfad bis 2020
- eine verlässliche Fixierung der steuerbaren, investitionsrelevanten Rahmenbedingungen zwischen Genehmigungszeitpunkt und Inbetriebnahme
- die Realisierung von Anlagen mit 6 bis 7 Gigawatt installierter Leistung in Nord- und Ostsee bis 2020, damit die bestehende Industrie erhalten bleibt und Folgeprojekte realisieren kann
- planungsverlässliche gesetzliche Grundlagen noch in 2013, damit die notwendigen Investitionen in 2014 und 2015 ausgelöst werden können. Ansonsten ist mit Arbeitsplatzabbau entlang der gesamten Wertschöpfungskette der Offshore-Windindustrie zu rechnen.

Lage bei Bard zeigt die Krise

Bard mit Sitz in Emden ist ein gutes Beispiel für die Krise in der Branche. Trotz der Jubelmeldung von "Bard 1", dem ersten Hochsee-Windpark, der tatsächlich läuft: Erst vor einer Woche hat das Unternehmen Entlassungen angekündigt. Weil Investoren für weitere Aufträge fehlen, müssen noch im August 120 Mitarbeiter gehen. Die übrigen 540 müssen ebenso zittern. Bard stellte weitere Kündigungen in größerer Zahl in Aussicht. Wegen schlechter Auftragslage kam im Juni die Herstellung von Maschinenhäusern für Offshore-Windkraftanlagen in Emden zum Erliegen. Bereits 2012 wurde dort die Rotorblattfertigung eingestellt. In Cuxhaven wurde zudem die Produktion von Stahlkonstruktionen für Offshore-Windparks geschlossen.

Berliner Ideen zur Energiewende

In Berlin soll man also handeln, wünscht sich der Norden. Eine Antwort auf den "Cuxhavener Appell" wäre auf jeden Fall interessant, denn bislang halten sich die Regierungsparteien zum Thema eher bedeckt. Im Regierungsprogramm der Union etwa findet sich kein Extrapunkt Offshore, immerhin wird Planungssicherheit versprochen. Wie diese konkret erreicht werden soll, verraten CDU und CSU nicht. Etwas mehr erfährt der Wähler bei SPD und Grünen: Sie planen im Falle eines Wahlsieges Ende September ein eigenes Energieministerium, das weitere Verzögerungen bei der Energiewende verhindern soll. Außerdem soll eine Netz-Gesellschaft des Bundes kräftig in Offshore-Parks investieren.

Stichwort Offshore

Die Unternehmen rund um Bau und Betrieb von Windenergieanlagen auf hoher See werden unter dem Begriff Offshore-Industrie zusammengefasst. Besonders sichtbar ist diese Industrie in norddeutschen Küstenstädten wie Emden, Bremerhaven oder Cuxhaven. An den küstennahen Standorten werden die Anlagen gebaut und auf Spezialschiffe verladen. In Cuxhaven ist bereits eine Offshore-Basis entstanden, in Bremerhaven steht der Bau noch bevor.Einen großen Anteil an der Produktion haben aber auch Standorte im Binnenland. Allerdings hat die Verunsicherung über den weiteren Verlauf der Energiewende zum Stopp vieler Investitionen geführt. Mehrere Firmen zum Beispiel in Emden und Cuxhaven stellten die Produktion wegen fehlender Aufträge bereits wieder ein. Die erhoffte Zahl von Arbeitsplätzen - allein in Bremerhaven sollten es nach Gutachten bis zu 14.000 werden - ist bisher nicht entstanden.

Windenergie-Agentur: Offshore ist Onshore überlegen

Der Geschäftsführer der Windenergie-Agentur (WAB), Ronny Meyer, erklärte nach der Appell-Unterzeichnung, mit rund 4.500 Stunden voller Stromproduktion im Jahr seien Offshore-Windmühlen den Anlagen an Land überlegen, die im Durchschnitt auf 2.000 Stunden kämen. Rund 18.000 Beschäftigte habe die Branche. Bis zu 33.000 wären möglich. 35 Prozent des Umsatzes werde im Süden Deutschlands erwirtschaftet.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 26.08.2013 | 16:00 Uhr

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