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Verwahrlost auf dem Campingplatz

von Christina Gerlach, NDR 1 Niedersachsen

Berge von Müll türmen sich vor einem kleinen Holzhaus auf einem Campingplatz. © Verlagsgesellschaft Borgardt mbH & Co. KG Fotograf: Stefan Algermissen Detailansicht des Bildes Das Haus der 75-Jährigen quoll über vor Müll, sie lebte draußen. Da haben selbst erfahrene Rettungsassistenten erst mal geschluckt. Kniehoch mussten sie durch stinkenden Müll waten, durch verdorbene Lebensmittel, gebrauchte Senioren-Windeln. Inmitten des Unrats saß eine offensichtlich stark verwahrloste 75-Jährige, die trotz des Winters schon seit Wochen auf ihrer Hollywoodschaukel vor ihrem Holzhäuschen in Eitzte (Landkreis Rotenburg) gehaust hatte. Geschützt nur durch ein Plexiglasdach und Zeltplanen.

Abfall bis unter die Decke

In der Hütte hatte die Frau keinen Platz mehr: Dort stapelte sich der Müll bis an die Decke. Augenzeugen berichten, dass die Seniorin Bisswunden von Ratten aufwies und alte Lebensmittelpackungen in ihre Haut eingewachsen waren. Das Kreisgesundheitsamt mochte das nicht bestätigen.

Zurückgezogen in die Einsamkeit

Der Campingplatz Wittenhof in Eitzte in der Samtgemeinde Selsingen war schon viele Jahre das Zuhause der 75-Jährigen. "Noch im Herbst haben wir zusammengesessen, Kaffee getrunken, an der Oste", erzählen Nachbarn. "Auch die Bankgeschäfte hat sie noch selbst erledigt und großen Wert darauf gelegt, dass ihr Auto immer wie frisch gewaschen glänzte", sagte ihr 72-jähriger Bruder dem NDR.

Aber irgendwann wollte sie mit niemandem mehr sprechen, sich nicht mehr helfen lassen. Alle hat sie brüsk zurückgewiesen, beschimpft und mit unmissverständlich klaren Worten weggeschickt. Die Nachbarn, ihren Bruder, auch den Mitarbeiter des Kreisgesundheitsamts Rotenburg, der sich ein Bild von der Lage machen wollte.

Kreisgesundheitsamt will in Zukunft schneller reagieren

Ende November hatte sich der Bruder bei der Samtgemeinde Selsingen gemeldet und auf die unhaltbaren Zustände aufmerksam gemacht. Doch bis das Kreisgesundheitsamt tatsächlich handelte, bis ein richterlicher Beschluss vorlag, die Frau in ein Krankenhaus eingewiesen wurde, hat es fast zwei Monate gedauert. "Rückblickend hätten wir schneller handeln müssen, die Eilbedürftigkeit war gegeben", sagte der Leiter des Rotenburger Kreisgesundheitsamts, Frank Stümpel.

Während die Behörde diskutiert, wie sie in einem vergleichbaren Fall in Zukunft angemessen reagieren kann, sind die Nachbarn und der Bruder der Frau damit beschäftigt, die stinkenden Müllberge zu beseitigen. Das nimmt Tage in Anspruch. Die alte Dame ist im Krankenhaus. "Es geht ihr den Umständen entsprechend gut", berichtet ihr Bruder. Und er fügt hinzu, dass sie dem Vorschlag der Psychotherapeutin nicht abgeneigt war, umzuziehen - vom Campingplatz in ein warmes, gemütliches Zuhause.

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