Im Takt der Gezeiten: Welterbe Wattenmeer
Die einzigartige Landschaft ist überwiegend Weltnaturerbe und Nationalpark. Urlauber finden im Wattenmeer dennoch viele Möglichkeiten, die Natur zu genießen oder Sport zu treiben. mehr
Auf Langeoog geht die Angst um: Wird die Nordsee ein gigantischer Kohlendioxid-Speicher?
Mit Mahnwachen auf den ostfriesischen Inseln und an der Küste wollen Anwohner am Donnerstag gegen die unterirdische Speicherung von CO2 protestieren. Und auch wenn sie weit weg sind, von Berlin, wollen sie doch, dass ihre Aktion dort Eindruck macht. Denn am Freitag wird dort der Bundesrat über das notwendige Gesetz beraten. Die Insulaner sehen für ihre Region ein großes Risiko bei dem bislang unerforschten Verfahren, das es ermöglichen soll, das Treibhausgas 1.000 Meter tief in den Meeresboden zu pressen. Die Insulaner wehren sich, vor allem auf Langeoog.
Er ist frisch gewählt, noch nicht im Amt und hat schon große Sorgen, der neue Bürgermeister von Langeoog, Uwe Garrels. Den Blick auf das weite Meer kann er nicht mehr so unbeschwert genießen wie noch vor ein paar Wochen. Wenn die unterirdische CO2-Speicherung kommt, fürchtet er um das sensible Ökosystem und um das Hauptgeschäft der Insulaner, den Tourismus. "Auf den ostfriesischen Inseln sind jedes Jahr Millionen Menschen, die hier Urlaub machen", sagt Garrels und fragt zornig: "Was glauben Sie, was das für Auswirkungen hat, wenn hier an irgendeiner Stelle CO2 an der Küste auftaucht? Die Antwort gibt er selbst: "Dann ist unser Urlaubsgebiet im Eimer, unser Lebensgebiet im Eimer und das Naturerbe-Gebiet im Eimer. Und das werden wir nicht akzeptieren."
Die Insulaner fürchten um die unberührte Natur auf Langeoog - und um den Tourismus.
Die Angst ist nicht unberechtigt. Die Feriengäste kommen schließlich wegen der unberührten Natur auf die autofreie Insel und wegen der frischen Luft. Wenn sich erst einmal herumspricht, dass aus der Nordsee ein gigantischer CO-2-Speicher werden könnte, wird mancher Stammgast abspringen. Ein paar Urlauber aus Nordrhein-Westfalen, die dick eingemummelt im Strandkorb sitzen, sind skeptisch. "Ich glaube, ich würde dann nicht mehr hierher kommen", sagt eine Dame nachdenklich. Eine andere pflichtet ihr bei. "Ich würde auch sagen, solange man noch nicht weiß, was es bringt, ist es bedrohlich."
Erforscht ist die Technologie noch nicht. Erforscht ist nichts. Funktionieren soll es folgendermaßen: Giftiges Kohlendioxid aus Kohlekraftwerken wird verflüssigt und per Pipeline an Lagerstätten, zum Beispiel im Nordwesten Niedersachsens, transportiert und dort rund 1.000 Meter tief in die Erde gepresst. Umweltschützer warnen vor einem großen Risiko.
Die Langeooger sehen das genauso und so verteilt ein kleiner Trupp von Insulanern zurzeit Protestplakate auf der Insel. Als Hinweis auf die Mahnwache am Donnerstag. Die Fotomontage ist ein echter Blickfang: ein kleiner Heuler, die dunklen Kulleraugen hinter einer Gasmaske. Ganz schön drastisch, könnte man denken, aber das passe zur Situation auf der Insel, sagt Friseur Michael Gebauer, der natürlich den Protest-Heuler ins Schaufenster gehängt hat. "Wer hat schon Lust auf so einer tickenden Zeitbombe Urlaub zu machen?", fragt er. "Wenn das die Leute erfahren, was hier im Untergrund passieren soll, ist das ein Grund, nicht mehr herzufahren und das kann natürlich kein Unternehmer hier auf der Insel gut heißen."
Keine Frage, der Friseur wird natürlich an der Mahnwache teilnehmen. Mit Fackeln und Musik. Nach Sonnenuntergang im Langeooger Hafen. Mehrere hundert Insulaner und Feriengäste werden erwartet. Langeoog macht mobil gegen die CO2-Speicherung. Und hofft, dass die ganze Küste mitzieht.