McAllister: "Jetzt alle an einem Strang ziehen"
Niedersachsens Ministerpräsident McAllister hat den JadeWeserPort gegen Kritik verteidigt. Es müsse endlich Schluss damit sein, den Hafen schlecht zu reden, sagte der CDU-Politiker auf NDR Info. mehr
Der Allererste: Bei der Einweihung des Hafens wurde dieser Container Nummer eins symbolisch gelöscht.
Ein bisschen Genugtuung konnte sich Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister (CDU) dann doch nicht verkneifen. "Die große Schar der Pessimisten, die Katastrophenszenarien entworfen hat, hat nicht recht behalten. Die Optimisten und die Vernünftigen haben recht behalten", sagte McAllister bei der Eröffnung des JadeWeserPorts in Wilhelmshaven. Dort wurde der erste deutsche Tiefwasserhafen am Freitag mit einer Feierstunde eingeweiht. Mehr als 1.000 Gäste waren dabei - darunter Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) sowie die Regierungschefs von Niedersachsen und Bremen, McAllister und Jens Böhrnsen (SPD). Rösler sagte, der Hafen werde sich zu einer Drehscheibe des internationalen Seeverkehrs entwickeln. "Das hilft Deutschland", so der Minister.
McAllister schwärmte von einem "neuen Tor zur Welt" und einem "großartigen Tag für die norddeutsche Küste". Trotz der Verzögerungen beim Bau bezeichnete er die Fertigstellung als Punktlandung. Bremens Bürgermeister Böhrnsen betonte, dass von dem Hafen ein "starkes Signal für den Norden, aber auch aus dem Norden an Deutschland und Europa" ausgehe. Er forderte darüber hinaus Investitionen in Straßen und Schienen für Norddeutschland. Niedersachsens Wirtschaftsminister Jörg Bode erklärte, der JadeWeserPort sei "ein Hafen, der in der ganz großen Liga der Häfen mitspielen kann" und auch für "die übernächste Generation gut aufgestellt" sei.
Bereits am Donnerstag hatte das erste Container-Linienschiff in Deutschlands einzigem Tiefwasserhafen festgemacht, in dem künftig unabhängig von Ebbe und Flut die größten Containerschiffe der Welt mit einem Tiefgang von bis zu 16,5 Meter anlegen können. Symbolisch wurde gegen 17 Uhr vom Schiff "Maersk Laguna" der erste Container gelöscht - was in dem Container steckte, wurde allerdings nicht verraten.
McAllister wies vor der Einweihung in einem Interview mit NDR Info die Kritik an den Pannen beim Bau als überzogen zurück. Die Eröffnung des JWP habe nur um sechs Wochen verschoben werden müssen. "Wir müssen jetzt endlich aufhören, den neuen Tiefwasserhafen in Deutschland so schlecht zu reden, sondern wir müssen jetzt optimistisch nach vorne schauen, damit wir ihn auch national und international vermarkten können", mahnte McAllister.
Am Montag hatte mit der "Anna Schulte" erstmals regulär ein Schiff am neuen JadeWeserPort festgemacht. Zum Löschen von 553 leeren Containern sollten alle vier neuen Containerbrücken zum Einsatz kommen, sagte ein Sprecher des Hafenbetreibers Eurogate. Mit der Entladung der "Anna Schulte" wollte Eurogate ein letztes Mal vor dem Eröffnungstag checken, ob alles reibungslos läuft. Die "Anna Schulte" gehört ebenso wie die "Maersk Laguna" zur weltgrößten Reederei Maersk, dem ersten Kunden des Tiefwasserhafens. Künftig soll jede Woche je ein Schiff der Mittelamerika- sowie der Asienroute Wilhelmshaven ansteuern.
Im Juni hatte Eurogate mit dem Probebetrieb im JadeWeserPort begonnen - einige Wochen später als ursprünglich geplant. Eine Milliarde Euro haben die Länder Niedersachsen und Bremen sowie der Hafenbetreiber Eurogate in den JWP investiert. Die Planung dauerte insgesamt 16 Jahre, die Bauzeit viereinhalb Jahre. Begleitet war die Zeit von diversen Pannen, politischen und juristischen Auseinandersetzungen. Betreiber und Planer streiten sich beispielsweise noch um die Hafengebühren.
Die ursprünglich für Anfang August geplante Eröffnung musste verschoben werden. Der Grund waren Schäden an der Spundwand. Inzwischen sind insgesamt 367 Risse gezählt worden. Die ersten 1.000 Meter Kaimauer, die am Freitag eingeweiht werden, seien aber vollständig saniert, sagte eine Sprecherin der Realisierungsgesellschaft. Noch nicht beendet seien die Reparaturen an den restlichen 725 Metern, die erst später in Betrieb gehen. Unklar ist jedoch noch, wer die Mehrkosten von insgesamt 50 Millionen Euro trägt.
Vor Kurzem wurden weitere Bauschäden am Tiefwasserhafen bekannt. Nach NDR Recherchen ist in der Entlastungskammer auf der gesamten Kajenlänge von 1.000 Metern Beton abgeplatzt. Die Entlastungskammer liegt hinter der Spundwand, unterhalb der Kaje. Sie ist zum Teil mit Wasser gefüllt und soll den Sanddruck von Landseite mildern.
Bald werden die Containerschiffe noch größer sein, sagt Eurogate-Chef Emanuel Schiffer. (Archivbild)
Am JadeWeserPort haben laut dem Hafenbetreiber gleich vier der weltgrößten Schiffe mit einer Länge von 400 Metern und einer Ladekapazität von fast 15.000 Standardcontainern gleichzeitig Platz. Auch die Schiffe der Zukunft könnten schon heute in Wilhelmshaven festmachen. "Die Entwicklung der Schiffsgrößen wird noch weiter gehen", prognostizierte Eurogate-Chef Emanuel Schiffer. 2013 wolle zum Beispiel die weltgrößte Containerreederei Maersk Vertreter der neuen Schiffsgeneration mit bis zu 18.000 Standardcontainern in Betrieb nehmen. Experten rechnen damit, dass bald die 20.000er-Grenze durchbrochen wird. "Solch einen Hafen baut man für 40 Jahre", fügte Schiffer hinzu.
Als "Heimat für die Containerschiffe der nächsten Generation" bezeichnet auch Niedersachsens Wirtschaftsminister Jörg Bode (FDP) das Prestigeobjekt. Niedersachsen und Bremen haben über 600 Millionen Euro in den JWP gesteckt, um im Wettbewerb mit Häfen wie Rotterdam und Hamburg mithalten zu können. Hamburg zeigt sich angesichts der neuen Konkurrenz gelassen. Der JadeWeserPort sei eine sinnvolle Ergänzung der Häfen Bremen und Hamburg, heißt es aus der Freien und Hansestadt. Er müsse sich zunächst bewähren und werde wegen vergleichsweise geringer Umschlagkapazitäten relativ wenig am Wettbewerb zwischen den Nordseehäfen ändern.
Das am JWP beteiligte Bundesland Bremen sah den neuen Tiefwasserhafen hingegen von vornherein nicht als Konkurrenz an, denn der schon mehrfach vergrößerte Containerterminal in Bremerhaven lässt sich nicht weiter ausbauen und ist zudem nicht mehr für die neuen riesigen Schiffe geeignet. Im ersten Jahr sollen am JWP 650.000 Standardcontainer bewegt werden. Wenn in der zweiten Phase auch die letzten 700 Meter der Kaje in Betrieb gehen, soll der Umschlag auf 2,7 Millionen Standardcontainer steigen. Zum Vergleich: In Hamburg waren es im vergangenen Jahr neun Millionen Container, in Bremerhaven 5,9 Millionen.
Baubeginn: 2008
Fläche: Terminal 130 Hektar, Güterverkehrszentrum 160 Hektar
Aufgespülter Sand: 46 Millionen Kubikmeter
Kajenlänge: in der Endstufe 1.725 Meter, Start mit 1.000 Metern
Wassertiefe: 18 Meter
Schiffe: bis 430 Meter Länge und 16,5 Meter Tiefgang
Umschlagskapazität: bis zu 2,7 Millionen Standardcontainer pro Jahr
Fertigstellung: zweite Ausbaustufe bis August 2013
Investitionen: rund eine Milliarde Euro
An alle sich hier austobenden Skeptiker
siehe hier: http://www.nwzonline.de/wilhelmshaven/weiterer-kunde-fuer_a_1,0,1378679397.html [mehr]
Wo er lebt? Na, in Niedersachsen! Geistig rege, wirtschaftlich hanseatisch denkend, sozialö umfassend und geprägt von lebendigem Humansimus. [mehr]
Geht´s noch?
Ja, wie provinziell ist das denn? Wenn der Ministerpräsident sagt: "Der Jade-Weser-Port ist die deutsche Antwort auf Rotterdam." In welcher Welt lebt der Mann? Mannomann. [mehr]
Ein steuerfinanziertes Erfolgsmodel jagt das Nächste.
Frage mich nur warum die private Wirtschaft, Investmentbanken solche Erfolgsmodelle nicht finanzieren, sondern ausschließlich immer der Steuerzahler. Warum werden solche Erfolgsmodelle nicht über... [mehr]
Oh nein, noch ein Erfolgsmodell
Ist es Ihnen mal aufgefallen? Wenn Politiker etwas als "Erfolgsmodell" bezeichnen, dann stehen die Chancen ganz gut, dass es sich dabei um ein nur unter dem massiven und langfristigen Einsatz von... [mehr]