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Abendessen, Tür zu, schlafen - Widerrede ausgeschlossen. 126 Männer und Frauen haben in Bremervörde probeweise ihre Freiheit aufgegeben. Für eine Nacht tauschten sie ihre Wohnungen gegen zehn Quadratmeter große Zellen mit Gitterstäben und klinkenlosen Stahltüren. Ein Teil der Freiwilligen arbeitet im Justizbereich und kam auf Einladung, andere bewarben sich aus Neugier. Die JVA hatte die Aktion ins Leben gerufen, um mit negativen Gerüchten über den Strafvollzug aufzuräumen. Es sollte deutlich werden, dass die Strafe eigentlich mit einem Entzug der Freiheit besteht und nichts anderem, erklärte Anstaltsleiterin Nicola Wimmers gegenüber dem NDR.
126 Männer und Frauen haben freiwillig eine Nacht in der Justizvollzugsanstalt in Bremervörde übernachtet. Einblicke in eine verschlossene Welt.
Alle bekommen den gleichen Plastiksack, Bettwäsche und Handtücher sind darin, ein Satz Besteck. Die Kontrolle liegt nun in fremden Händen, gegessen wird in der Zelle - allein. Und die ist in warmen Tönen eingerichtet, hell und mit Fernseher. "Aber sich vorzustellen, dass man hier sein muss? Das kann man nicht", sagt Anke Detering, eine der Probe-Häftlinge für eine Nacht. "Für jemanden, der das nicht täglich erlebt, ist das schon brisant, wenn die (Tür) zugeht", so Bremervördes Bürgermeister Eduard Gummich (CDU).
Um 22 Uhr ein dumpfes Klacken - Einschluss. Die Tür ist verriegelt, nicht mal eine Klinke zum nutzlosen Rütteln ist angebracht. Gegen die Enge der Zelle hilft jetzt nur noch die Augen zu schließen und zu hoffen, erst vom Öffnen der Tür wieder geweckt zu werden. "Es soll deutlich werden, dass die eigentliche Strafe aus dem Entzug der Freiheit besteht und aus nichts anderem. Genau das können die Leute spüren, wenn sie für ein paar Stunden in der Nacht eingesperrt sind und keine Türklinke haben, sie zu öffnen", sagt Anstaltsleiterin Nicola Wimmers.
Die Probe-Häftlinge können mit einer sogenannten Exit-Karte die Reißleine ziehen. In dieser Nacht aber tut es keiner. Alle 126 treffen sich am Sonnabend zum Frühstück in der Turnhalle wieder. Die meisten berichten von einer entspannten Nacht, haben aber dennoch Respekt vor dem Vollzug. "Ich denke es ist etwas anderes, wenn man Strafgefangener ist", sagt eine Frau.
Die ersten 25 echten Häftlinge kommen Ende Januar nach Bremervörde. Insgesamt werden bis zu 300 in der Anstalt leben. Die 66 Millionen Euro teure JVA Bremervörde ist die erste teilprivatisierte Anstalt in Niedersachsen. Vor rund zwei Wochen ist sie eröffnet worden.