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Wasserverband wehrt sich gegen Erdgassuche

Ein Arbeiter arbeitet in Jemgum auf dem Gelände der EWE an einem Bohrturm. © dpa Fotograf: Carmen Jaspersen Detailansicht des Bildes Europaweit steigt der Bedarf an Erdgas: In Jemgum (Landkreis Leer) befindet sich Deutschlands zweitgrößter Erdgasspeicher. (Archivbild) Der Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband OOWV wehrt sich gegen die Erdgassuche mithilfe von Chemikalien. In Trinkwasser-Gewinnungsgebieten sollte die umstrittene Methode nicht angewandt werden, erklärte am Montag ein Verbandssprecher nach einem Treffen mit Vertretern des Gaskonzerns ExxonMobil. Der Sprecher des Wasserverbands bezog sich ausdrücklich auch auf Probebohrungen zwischen Damme und dem Wasserwerk Holdorf im Landkreis Vechta. Die Schutzzonen rund um das Wasserwerk sollten bei den Bohrungen gemieden werden, so die Forderung. OOWV und Exxon einigten sich darauf, sich künftig abstimmen zu wollen. Offiziell kann der Wasserverband keinen Einfluss auf die Bohrungen nehmen. Bei der als "Fracing" bezeichneten Technik wird mit Chemikalien versetztes Wasser unter hohem Druck in tiefe Schichten gepresst, um Gestein aufzubrechen und so eingelagertes Gas herauszuholen. Auch in anderen Wasserschutz-Gebieten, etwa bei Vechta, setzt Exxon diese Technik ein.

"Fracing" sorgt für Schlagzeilen

Anfang November hatten Berichte für Aufregung gesorgt, denen zufolge der amerikanische Konzern ExxonMobil bei der Gassuche und -förderung große Mengen giftiger Chemikalien einsetzt, unter anderem in Damme. Mittlerweile ist bekannt, dass das Fracing-Verfahren auch an anderen Orten wie Goldenstedt und Cappeln angewandt wird - außerdem auch in Vechta, mitten im Wasserschutzgebiet.

Niedersachsen reich an Erdgas

In Niedersachsen liegen 90 Prozent der konventionellen Erdgas-Vorräte in Deutschland. Rund zehn Millionen Haushalte können damit versorgt werden. Bei den vermuteten zusätzlichen Vorkommen handelt es sich um sogenanntes unkonventionelles Gas. Dieses befindet sich in besonders kleinporigem Gestein und ist deshalb schwer zu erschließen. Die konventionellen Vorräte werden in 20 bis 30 Jahren erschöpft sein. Mit der Erschließung der unkonventionellen Gas-Vorkommen könnte sich laut ExxonMobil die Verfügbarkeit des fossilen Brennstoffs um 30 bis 50 Jahre verlängern. Der US-Konzern prüft derzeit mithilfe von Probebohrungen, ob es die vermuteten Vorkommen im sogenannten Niedersächsischen Becken tatsächlich gibt. Sollte sich der Gas-Abbau als lohnend erweisen, soll Hannover das europäische Zentrum für die Förderung und Versorgung mit unkonventionellem Gas werden.

Keine Bürgerbeteiligung

Vechtaer Kommunalpolitiker und interessierte Bürger trafen Ende November mit Vertretern von Exxon und dem zuständigen Bergamt zusammen. Und dabei hatten sie offenbar Glück, denn schließlich sei in diesem Verfahren eigentlich keine Bürgerbeteiligung vorgesehen, so Klaus Sönkerath, Abteilungsleiter des Bergamtes in Meppen. Seine Behörde genehmigt die Gassuche und -förderung weitgehend allein: "Das Verfahren wird seit mehr als 30 Jahren angewandt. Es ist auch von uns immer wieder kontrolliert und geprüft worden. Man muss sich der Gefahren bewusst sein, aber es ist ein beherrschbares Verfahren."

Bohrung in 4.000 Meter Tiefe

Doch vielen Bürgern und auch Politikern ist unwohl bei dem Gedanken, dass große Mengen hochgiftiger Chemikalien in den Boden gepresst werden. ExxonMobil-Sprecher Norbert Stahlhut erklärte, er könne die Bedenken nachvollziehen: "Die gesamte Produktion von Erdgas ist ein komplexer Prozess. Insofern muss man den Menschen erklären, was da passiert. Die Technologie, über die hier gesprochen wird, wenden wir seit Jahrzehnten in Niedersachsen an. Bis heute gab es keine einzige Beeinträchtigung von Grundwasser." Allerdings räumten Exxon-Vertreter in Vechta ein, dass sich das Verfahren über die Jahre auch ständig ändere. Stand der Technik sei, dass mehrere Rohre teils ineinander mehr als 4.000 Meter tief in die Erde getrieben werden. Über sie werde das Wasser-Chemie-Gemisch eingeleitet: "Durch die Verrohrung des Bohrlochs in unterschiedlichen Abschnitten schaffen sie mehrere Barrieren, die dafür Sorge tragen, dass keine Berührungen zwischen den injizierten Flüssigkeiten und den Grundwasserschichten vorkommen können."

Behörde sieht keine realistische Gefahr

Ein Teil der Flüssigkeit kommt wieder an die Oberfläche, der Rest stellt laut Bergamt keine Gefahr dar. "Die Flüssigkeit verbleibt in der Lagerstätte. Man kann eigentlich davon ausgehen, dass, wenn sie überhaupt einmal nach oben kommt, das schon einige Millionen Jahren dauern müsste. Das Gas, das sich da unten befindet, ist dort gefangen seit 300 Millionen Jahren", so ein Behördensprecher.

Doch auch im Golf von Mexiko sei bis zur Explosion einer Öl-Plattform von sicherer Technik gesprochen worden. "Was ist, wenn doch einmal etwas geschehen sollte?", machten Bürger ihrer Sorge Luft. "Sollte dieser völlig unwahrscheinliche Fall eintreten und es einen Schaden geben, haften wir als Bergbau-Unternehmen natürlich nach Bergschadensgesetz", so Exxon-Sprecher Stahlhut.

Ein Restrisiko bleibt

Nach der Diskussionsrunde im Vechtaer Rathaus blieben einigen Teilnehmern angesichts möglicher Tücken der Technik Zweifel. SPD-Politiker Hartmut Koch brachte es auf den Punkt: "Es werden eine Reihe von Chemikalien verwendet, die zum Teil der Wassergefährdungsklasse 3 angehören. Die werden unter Druck in die Tiefe gepumpt. Da kann kein Mensch garantieren, dass nicht in 100 Meter Tiefe, wo wir das Trinkwasser entnehmen, gerade das Rohr platzt. Dann ist das Jammern groß. Wenn alles immer nur gut ginge, dann würde die "Titanic" heute noch über die Weltmeere schippern."

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Erdgasleitungen © dpa Fotograf: Sergey Dolzhenko
 

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