Erdgasförderung: Gift-Alarm in Niedersachsen
Bei Verden ist erneut Benzol nahe einer Erdgasförderung gefunden worden. (24.01.2012) mehr
Die Illustration veranschaulicht, wie das Fracking-Verfahren funktioniert.
Der Mineralölkonzern ExxonMobil erwartet, dass Erdgasgewinnung mit der umstrittenen Fracking-Methode in zwei Jahren ohne den Einsatz von Giftstoffen möglich sein könnte. Es sei gelungen, innerhalb der vergangenen zwei Jahre die Anzahl der als giftig klassifizierten Stoffe von sieben auf vier zu reduzieren, sagte Ritva Westendorf-Lahouse, Pressesprecherin von ExxonMobil gegenüber NDR.de. Deshalb sei man guten Mutes, künftig ganz auf giftige Substanzen verzichten zu können. Chemische Zusätze kämen nur zielgerichtet zum Einsatz, beispielsweise zur Verhinderung von Bakterienbildung. Hier gebe es Untersuchungen, bisher eingesetzte Biozide durch den Einsatz von UV-Licht zu ersetzen.
Im Bereich Lünne (Landkreis Emsland) befindet sich eine Erdgaslagerstätte in Schiefergestein. Hier würde ExxonMobil eigenen Angaben zufolge gerne per Fracking-Verfahren testen, ob eine Förderung möglich ist. Es gelte aber die Zusage, dass ein solcher Frac erst und nur dann beantragt werde, wenn der im Rahmen des von ExxonMobil initiierten Informations- und Dialogprozesses tätige Expertenkreis hierfür grünes Licht gibt, so die Sprecherin des Konzerns. Die Experten planen, ihre Empfehlungen im Rahmen der Abschlusskonferenz im April vorzustellen.
ExxonMobil-Chef Kalkoffen glaubt an die Fracking-Methode ohne Giftstoffe. (Archivbild)
ExxonMobil-Chef Gernot Kalkoffen hatte in der "Neuen Osnabrücker Zeitung" vom Donnerstag eingeräumt, dass ihn der massive Protest gegen das Fracking-Verfahren überrascht habe, weil das Unternehmen bereits seit Jahrzehnten in 70 Gemeinden Nordniedersachsens Erdgas unter anderem auch mit der Fracking-Methode fördere. Dennoch hätte man die Ängste der Menschen besser abschätzen müssen, so der ExxonMobil-Chef.
Die Fracking-Methode sorgt unter anderem in Damme (Landkreis Vechta) für Aufregung, weil sie das Grundwasser gefährden soll. Mitte Dezember hatte sich die Mehrheit der Ratsmitglieder im Landkreis Verden gegen die Genehmigung zum Fracking ausgesprochen. Die Lokalpolitiker forderten vom Land Niedersachsen und dem Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG), eine bereits erteilte Genehmigung zum Verpressen der Fracking-Abwässer aus der Gasförderung aufzuheben. Mitte Januar hatte der CDU-Bundestagsabgeordnete Andreas Mattfeldt die untere Wasserbehörde des Landkreises Verden aufgefordert, eine einstweilige Verfügung gegen RWE Dea zu erwirken.
Fracking ist die Kurzform von "hydraulic fracturing". Dabei werden Gesteinsschichten durch eine Mischung aus Wasser, Sand und Chemikalien aufgebrochen, die mit hohem Druck unter die Erde gepresst wird. Durch die dabei entstehenden Risse soll Erdgas aus Bodenschichten entweichen können, die an sich gasundurchlässig sind. Ein Problem sind die Stoffe, die dem Wasser dabei zugesetzt werden, darunter aggressive Säuren und giftige Korrosionsschutzmittel.
In der Gasförderung kommt Fracking weltweit seit Jahrzehnten zum Einsatz. Die Förderunternehmen selbst bezeichnen die davon ausgehenden Gefahren als gering. Wissenschaftler warnen dagegen: Vor allem die Folgen für das Grundwasser seien unkalkulierbar.
Fracking wird insbesondere bei der Erdgasförderung aus sogenannten unkonventionellen Lagerstätten - also bei Gasvorkommen in besonders tief gelegenen Gesteinsschichten - angewandt.