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Eine Gedenkstätte für "die Hölle im Moor"

Während der Eröffnungszeremonie der Gedenkstätte Esterwegen (Kreis Emsland) gratuliert Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister (CDU) dem einstigen Gefangenen des KZ Esterwegen, Hendrik Verheyen aus Belgien (r), zu seiner ergreifenden Rede. © dpa Fotograf: Ingo Wagner Detailansicht des Bildes Kulturstaatsminister Neumann, Ministerpräsident McAllister und Landrat Bröring (v.l.) dankten dem ehemaligen Häftling Hendrik Verheyen (v.l.) für seine Rede. "Die Hölle im Moor" - so nannten die Gefangenen das Konzentrationslager Esterwegen im Emsland. Errichtet wurde das Lager 1933 vorwiegend für politische Häftlinge. Zu ihnen gehörte auch der Friedensnobelpreisträger Carl von Ossietzky (1889-1938), der SPD-Fraktionsvorsitzende im preußischen Landtag, Ernst Heilmann, und der Reichstagsabgeordnete Julius Leber. Massive Schikane und Morde gehörten zum Alltag in dem KZ. Nun ist auf dem Gelände eine zentrale Gedenkstätte für die Häftlinge des KZ Esterwegen und die Gefangenen der 14 weiteren Emslandlager entstanden. Am Montag haben Ministerpräsident David McAllister (CDU) und Staatsminister Bernd Neumann (CDU) die Gedenkstätte eröffnet. "Erinnern ist wesentliche Voraussetzung für die Entwicklung der Zukunft in Frieden", sagte McAllister. Die Forschung in der Gedenkstätte reiße die Opfer aus ihrer Anonymität.

Überlebende aus ganz Europa waren bei der Feier dabei

Auch zahlreiche überlebende Häftlinge aus ganz Europa waren zu der Einweihungsfeier nach Esterwegen gekommen. "Niemand kann wieder gutmachen, was Sie erlitten haben", sagte Neumann zu ihnen. "Wir empfinden tiefe Dankbarkeit dafür, dass Sie heute hier sind."

Der hannoversche Landesbischof Ralf Meister, der Bischof Franz-Josef Bode aus Osnabrück und der jüdische Landesrabbiner Jonah Sievers aus Braunschweig verlasen Psalmen aus der Bibel; Opferverbände legten Kränze nieder.

Aus Nummern werden Namen

Während der Eröffnungszeremonie der Gedenkstätte Esterwegen (Kreis Emsland) schaut sich der ehemalige Gefangene des KZ Esterwegen, Hendrik Verheyen aus Belgien, die Dauerausstellung zur Gedenkstätte an und findet ein Foto (l untere Reihe) von sich, aufgenommen nach der Befreiung im Jahre 1945. © dpa Fotograf: Ingo Wagner Detailansicht des Bildes Hendrik Verheyen sprach bei der Eröffnungsfeier - und entdeckte auch ein Foto von sich (l., untere Reihe), das 1945 nach der Befreiung des KZ aufgenommen wurde Unter den 600 Gästen war auch der ehemalige belgische Inhaftierte Hendrik Verheyen. Er bedankte sich im Namen der Gefangenen für die Arbeit in der Gedenkstätte: "Wir waren im Dritten Reich keine Menschen, sondern nur Nummern", sagte er. Nur in den Herzen ihrer Mithäftlinge hätten die Opfer bisher einen Platz gehabt. "Nun haben ihre Namen auch einen Ort gefunden, an dem ihrer gedacht werden kann." Und: "Es gibt uns das köstliche Gefühl, dass all das Erlittene, all unsere Opfer, nicht umsonst gewesen sind."

Stahlplatten statt Nachbauten

Das durch eine durchbrochene Stahlwand stilisierte Hauptor der Gedenkstätte. © dpa Fotograf: Ingo Wagner Detailansicht des Bildes Heute symbolisieren Stahlwände die unter Starkstrom gesetzten Zäune. "Wir wollten keine originalgetreue Rekonstruktion, sondern eine künstlerische Übersetzung, die zum Nachdenken anregt", sagt die Geschäftsführerin der Gedenkstätte, Andrea Kaltofen. Denn von dem ehemaligen Lager zeugen nur noch wenige Spuren. Nun kennzeichnen große rostüberzogene Stahlplatten markante Punkte wie Lagermauern, Wachtürme und Tore. Wo einst die Baracken für die jeweils mehr als 100 Gefangenen standen, wachsen heute junge Bäume. Einzelne Schautafeln sind aufgebaut worden, sie zeigen Originalfotos und Zitate ehemaliger Häftlinge. Dort, wo der Übergang vom Strafgefangenenlager zum KZ war, ragt noch ein altes Kabel aus der Erde: "Damit wurde der Wachzaun unter Starkstrom gesetzt", erzählt Kaltofen. Immer wieder seien Gefangene in den Zaun gelaufen, um ihrem Leiden ein Ende zu setzen.

Schon 2006 war in Esterwegen der vorläufige Betrieb des Erinnerungszentrums gestartet. Vor rund zwei Jahren begannen dann die Arbeiten zur Umgestaltung des Geländes zu einer zentralen Gedenkstätte. Insgesamt wurden 5,8 Millionen Euro investiert.

Die Kommentare der NDR.de Nutzer

  • "GuH" hält Erinnerung für wichtig:

    Eine würdige Aktion. Danke an alle, die dazu beigetragen haben, diese Gedenkstätte zu realisieren. Es wurde Zeit, an die menschenverachtenden Nazigefängnisse im Nordwesten zu erinnern.

  • "Zukunft" sieht das anders:

    Reicht es nicht irgendwann? Muss man ständig daran erinnern, was in der Vergangenheit passiert ist? Ich bin doch nicht verantwortlich für das, was lange vor meiner Geburt stattfand, trotzdem werde ich dauernd mit sowas konfrontiert.

  • "Anonymous" spricht sich gegen das Vergessen aus:

    Wohl nichts aus der Vergangenheit gelernt? Das ist unser Erbe und das wird es immer bleiben. Solche Greueltaten und Verbrechen an der Menschheit dürfen nicht in Vergessenheit geraten. Außerdem ist es geradezu peinlich, dass man über 50 Jahre gebraucht hat, um solche Denkmäler zu schaffen.

  • "Don.corleone" meint:

    Wer will dauernd an die Vergangenheit erinnert werden? Andere Länder sind nicht so zimperlich, ich sehe dort keine Gedenkstätten für die deutschen Stalingradopfer, die in Gefangenschaft zu Millionen von den Russen vernichtet wurden. Oder den Bomben-Holocaust der Alliierten über Deutschlands Zivilbevölkerung?

  • "Krankenpfleger" findet, Erinnerung muss sein:

    Es ist doch gerade für die interessant, die damals nicht gelebt haben. Durch die Erinnerungen und Aufarbeitung fühle ich mich als Nachkriegsdeutscher nicht diffamiert.

  • "DiBa" kommentiert:

    Hätte die damalige Bundesregierung gleich nach Kriegsende mit der Aufarbeitung der Nazidiktatur begonnen, hätten wir heute keine Diskussionen mehr. Aber leider wollten die Konservativen und Ewiggestrigen es nicht anders. Und das sind die Menschen, die heute nach einem Ende der Aufarbeitung rufen.

  • "Gast" hat kein Verständnis für ein Gutmenschentum:

    Dieses Gutmenschentum und ständig gebückte Gehabe sind unerträglich. Denkmäler sind keine Lehrer. Im Übrigen ist es unverständlich, warum die Nachkommen der "kollektivschuldigen Deutschen" aus ihren Fehlern lernen sollen, die sie nicht begangen haben, und die Nachkommen der Opfer aus ihrem "Kollektivleid" fast 70 Jahre Gewinn ziehen.

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Für die Nazis war Esterwegen ein Musterlager

Carl von Ossietzky im Konzentrationslager um 1935. © picture-alliance/akg-images Fotograf: akg-images Detailansicht des Bildes Im KZ Esterwegen wurde auch der Publizist Carl von Ossietzky gefangen gehalten. Zwischen Juni und August 1933 entstand im nördlichen Emsland in Börgermoor und Esterwegen das erste Doppellager des Deutschen Reiches. Die Häftlinge waren vor allem politische Gefangene aus Deutschland, später kamen auch Widerstandskämpfer aus verschiedenen europäischen Ländern hinzu. Über die Jahre waren in den Emslandlagern rund 80.000 KZ-Häftlinge und Strafgefangene und bis zu 180.000 Kriegsgefangene inhaftiert. Etwa 30.000 Menschen, überwiegend sowjetische Kriegsgefangene, wurden hier durch die harte Arbeit oder auch schlichte Gewalt ermordet.

Nach 1945 waren in Esterwegen einige Zeit Kriegsverbrecher untergebracht. Ab 1953 lebten dort Flüchtlinge aus der sowjetisch besetzten Zone. Zwischen 1959 und 1961 wurde das Gelände auch zur Unterbringung von Justizbediensteten genutzt, bevor es der Bundeswehr bis 2001 als Nachschubdepot diente.

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NDR-Kameramann Holger Hänsel (re.) und Tonmann Norbert Lanfer (m.) mit Gerhard Kromschröder (li.) am Eingang des ehemaligen Konzentrationslagers Börgermoor. © NDR Fotograf: Ruth Hunfeld
 

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Inschrift "Lager VII Esterwege" in einer Stahlwand  KZ-Gedenkstätte Esterwegen. © NDR Fotograf: Hedwig Ahrens
 
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Die Tore öffnen sich für die Besucher der Gedenkstätte Esterwegen.

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Ehemalige Lagerstraße in der KZ-Gedenkstätte Esterwegen. © NDR Fotograf: Hedwig Ahrens
 

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