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Pannen bei Fahndung nach "Maskenmann"

von Martin Munz

Martin N. © dapd Fotograf: Frank Brandel Detailansicht des Bildes Lange blieb Martin N. unentdeckt, nun beginnt gegen den "Maskenmann" der Prozess. Trotz Fahndungspannen bei den Ermittlungen gegen den mutmaßlichen Kindermörder Martin N. fühlt sich die Staatsanwaltschaft Stade gut auf den heute beginnenden Prozess vorbereitet. Sollten tatsächlich Akten nicht mehr vorhanden sein, sei das "völlig nebensächlich", sagte Behördensprecher Kai Thomas Breas. Die Staatsanwaltschaft zeigte sich zuversichtlich, dem Angeklagten drei Morde und zahlreiche Missbrauchsfälle nachweisen zu können.

Nach Informationen des NDR hatten Polizei und Staatsanwaltschaft Ermittlungsakten vernichtet, obwohl die entsprechenden Taten nicht verjährt waren. Außerdem wurde eine von Eltern der Opfer angeregte öffentliche Warnung abgelehnt, weil sie die Bevölkerung hätte verunsichern können. Das berichtet das NDR Fernsehen in der Dokumentation "Der schwarze Maskenmann", die heute um 21.00 Uhr als Sondersendung zum Prozessauftakt zu sehen ist.

"Nicht mehr existent"

Die vorzeitige Aktenvernichtung betrifft mindestens zwei Fälle. Ein Zehnjähriger war im Jahr 1992 im Schullandheim Zeven-Badenstedt vom "Schwarzen Mann" missbraucht worden. Ermittelt hatte damals das Polizeikommissariat Bremervörde. Als die Soko "Dennis" im Jahr 2001 die Akten anforderte, bekamen die Beamten zu hören, dass der Vorgang "nicht mehr existent" sei. Nicht einmal das Aktenzeichen der zuständigen Staatsanwaltschaft Stade konnte ausfindig gemacht werden, da die Unterlagen angeblich "mittlerweile vernichtet" worden waren.

Ähnlich erging es der Soko in einem Bremer Fall. Dort war ein Junge zu Hause in seinem Kinderzimmer mehrfach missbraucht worden. Als die Soko "Dennis" einige Jahre später die Akten einsehen wollte, war es zu spät: Der damalige Leitende Oberstaatsanwalt Jan Frischmuth persönlich musste 2001 in einem Brief an die Soko zerknirscht zu "meinem Bedauern" die Vernichtung bestätigen. Die Inhalte mussten aufwändig aus anderen Polizeiakten rekonstruiert werden.

Auch Beweisstücke verschwanden

Auch die Kripo Bremen zeigte sich wenig zimperlich. Die Beamten hatten die Schuhe eines Opfers als Beweisstücke beschlagnahmt. Als der Vater des Opfers die Schuhe zwei Jahre später zurückforderte, waren sie verschwunden. Für den zuständigen Beamten war diese Panne offenbar kein Problem. Er notierte, dass "die Schuhe dem jetzt 13-jährigen Sebastian längst zu klein geworden" sein dürften.

Derselbe Beamte reagierte ablehnend auf den Wunsch zweier Opferfamilien, mit einer Presseveröffentlichung Eltern mit Kindern in ihrem Bremer Wohngebiet Horn-Lehe zu warnen. Dort waren innerhalb von zwei Jahren sieben Mal Jungen missbraucht worden. Doch das Polizeipräsidium lehnte ab. Unter anderem mit der Begründung, die Information der Öffentlichkeit dürfte "eine nicht zu verantwortende Verunsicherung in der Bevölkerung" verursachen.

Chronologie
Ein Kreuz erinnert an den ermordeten Dennis.
 
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Jahrelang fahndete die Polizei nach dem Kindermörder.

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Programmhinweis
Die Phantomskizze zeigt den gesuchten Sexualstraftäter im Mordfall Dennis K. © dpa - Bildfunk Fotograf: dpa
 

Sondersendung zum Fall des "Maskenmanns"

10.10.2011 | 21:00 Uhr
NDR Fernsehen

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