Erinnern op platt geht leichter
Mitarbeiter des Demenzzentrums Molbergen versuchen, auf Plattdeutsch mehr Zugang zu den Bewohnern zu finden. Patienten in ländlichen Regionen fällt das Erinnern dadurch leichter.
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Das Eis ist schnell gebrochen, wenn Plattdeutsch im Spiel ist - vor allem auf der Pflegestation.
Hanne Richter hat einen Türöffner. Die Krankenschwester arbeitet im Nordwestkrankenhaus in Sanderbusch (Landkreis Friesland). Viele ihrer Patienten dort sind schon etwas älter. Und die spricht sie oft auf Plattdeutsch an. Die Reaktionen: "Du schnackst ja platt. Wor kummst du her?", wollen die Patienten wissen. Und schon ist das Eis oft gebrochen. Vor allem bei dementen Patienten ein großer Vorteil. Denn viele sind mit Plattdeutsch aufgewachsen und können sich durch die Krankheit manchmal gar nicht mehr auf Hochdeutsch ausdrücken.
Heinrich Siefer kennt dieses Problem. Er bietet Sprachkurse für Menschen in Pflegeberufen an. "Im Alter kehrt man häufig zu seinen Wurzeln zurück. Da gibt die Begegnung mit Niederdeutsch oft Sicherheit und Vertrauen", sagte er NDR 1 Niedersachsen. Ein Vorreiter für Plattdeutsch in der Pflege ist die Berufsschule Wildeshausen (Landkreis Oldenburg). Hier lernen angehende Altenpfleger seit mehr als zwei Jahren Plattdeutsch - als Pflichtfach. Der Zugang zu den Patienten sei dadurch wesentlich besser, heißt es von der Schule. Das kann Hanne Richter nur bestätigen.
Wie lange die Ausbildung auf Platt noch Sinn macht, ist allerdings absehbar. Denn die meisten Menschen, die diese Sprache noch beherrschen, sind eben schon ziemlich alt - es handelt sich im wahrsten Sinne des Wortes um eine aussterbende Gattung.