"Ein großer Eingriff ins Ökosystem Ems"
Hajo Rutenberg von der Bürgerinitiative "Rettet die Ems" kritisiert das Aufstauen der Ems für Schiffsüberführungen. Er fordert, dass die Meyer Werft an die Küste umzieht.
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Die riesigen Kreuzfahrtschiffe der Meyer Werft müssen immer wieder über die Ems Richtung Meer.
Viele Schiffsfans waren von der Emsüberführung des neuen Kreuzfahrtriesen der Papenburger Meyer Werft begeistert - Hajo Rutenberg mag sich nicht so recht freuen. Er ist Sprecher der Bürgerinitiative "Rettet die Ems" und kritisiert die Fahrt der "Norwegian Breakaway" Richtung Eemshaven. "Überführungen bedeuten immer mehr Salz und mehr Schlick für den Fluss", so Rutenberg. Am Emssperrwerk wird der Fluss regelmäßig für die Überführungen aufgestaut, damit die Kreuzfahrtriesen auch genügend Wasser unterm Kiel haben. Das sei nicht nur schädlich für die Ems, auch die Kosten dafür würden ständig steigen. Sein Vorschlag: Die Meyer Werft soll an die nahe Küste umziehen, dann könne sie derartige Fahrten jeden Tag machen.
Achim Stolz, Sprecher des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN), kann die Sorgen der Umweltschützer verstehen: "Selbstverständlich ist jeder Staufall ein Eingriff in die natürlichen Abläufe der Ems." Wirtschaftliche Interessen und die Belange des Naturschutzes müssten ausgeglichen werden, daher gebe es für die Stauzeiten der Ems und die Stauhöhe auch feste Obergrenzen.
Nachdem die "Norwegian Breakaway" am Donnerstagmorgen einige Runden mit Meerwasser unterm Kiel drehen durfte, hat der Luxusliner in Eemshaven festgemacht. Zuvor hatte das Schiff den letzten Abschnitt der Emsüberführung vom Emssperrwerk in Gandersum in die Nordsee ohne Probleme absolviert. Am Mittwoch hatten Hunderte Schaulustige die Überführung des größten bislang in Deutschland gebauten Kreuzfahrtschiffs mit neugierigen Blicken begleitet. Viele von ihnen hatten die Nacht zum Mittwoch in ihren Campingmobilen am Papenburger Werfthafen verbracht, um nichts zu verpassen.
Im Schlepptau zweier Lotsenschiffe hatte das Kreuzfahrtschiff am Mittwochvormittag die enge Dockschleuse der Meyer Werft passiert. Nach dem ersten Nadelöhr an der Dockschleuse wartete in Weener der zweite Engpass auf den Luxusliner: Die Durchfahrt an der Friesenbrücke misst nur 48 Meter - wenig Platz also für die "Norwegian Breakaway". Doch dank des Fingerspitzengefühls der Lotsen ging auch hier alles gut, genauso an der Jann-Berghaus-Brücke in Leer. Nach neun Stunden - eine Stunde schneller als geplant - erreichte das Schiff am Mittwochabend das Emssperrwerk bei Gandersum. Noch in der Nacht setzte die "Breakaway" ihre Fahrt Richtung Emsmündung fort und erreichte Donnerstagfrüh die Nordsee.
Sehr weit sollen auch die nächsten Fahrten der "Norwegian Breakaway" nicht gehen. Zunächst wird der Luxusdampfer nur einige Einstellungsfahrten auf der Nordsee unternehmen. Dabei sollen die technischen Systeme geprüft und eingestellt und letzte Arbeiten erledigt werden bevor das Schiff für einige Zeit an der Columbus Kaje in Bremerhaven festmachen wird. Hier soll es dann am 25. April offiziell an die amerikanische Reederei "Norwegian Cruise Line" übergeben werden.
Der Schlepper am Heck bestimmt die Geschwindigkeit des Schiffsverbandes.
Die Überführung des Schiffs wurde vom erfahrenen Team der Lotsenbrüderschaft Emden durchgeführt. Zur Vorbereitung hatte die Crew die Fahrt in Richtung Nordsee an einem computergesteuerten Simulator in Wageningen (Niederlande) trainiert. Wegen der besseren Manövrierfähigkeit legte die "Norwegian Breakaway" die Emspassage in Begleitung von zwei Schleppern rückwärts zurück. Erstmals wurden die Schlepper dabei über einen Ponton am Bug sowie einen Adapter am Heck fest mit dem Luxusliner verbunden. Dadurch konnten die beiden Schlepper die Manöver der "Breakaway" effektiver unterstützen. Eine Technik, die sich bewährt hat und auch bei künftigen Emsüberführungen eingesetzt werden soll, wie die Meyer Werft am Donnerstag mitteilte. Zur reibungslosen Überführung musste das Wasser in der Ems nach Angaben des NLWKN 24 Stunden lang aufgestaut werden.
Mit der Bruttoraumzahl (BRZ) wird seit 1994 international die Größe von Schiffen angegeben (früher: Bruttoregistertonne). Die BRZ berechnet sich aus Gesamtvolumen und nutzbarem Rauminhalt eines Schiffes. Von der BRZ hängt unter anderem die Höhe von Hafen- und Schleusengebühren für ein Schiff ab.
Mit 146.600 BRZ (Bruttoraumzahl) ist die "Norwegian Breakaway" das größte jemals in Deutschland gebaute Kreuzfahrtschiff. Sie ist 324 Meter lang, 39,7 Meter breit und hat einen Tiefgang von 8 Metern. In den 2.014 Kabinen ist Platz für fast 4.000 Passagiere. Ein besonderer Höhepunkt an Bord ist der Kletterwald auf dem Oberdeck. Das zuvor größte Schiff aus der Meyer Werft ist die "Disney Dream" mit 129.690 BRZ und einer Länge von 339,50 Metern bei 36,80 Metern Breite. Die "Disney Dream" wurde 2010 an die Reederei Disney Cruise Line ausgeliefert.
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