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Rechtsanwalt Boris von dem Bussche kandidiert für den Kreistag Lüchow-Dannenberg.
Am 11. September werden in Niedersachsen die Kreistage gewählt. Die Stadt- und Gemeinderäte. Überall bewerben sich Menschen, die sich für das Gemeinwohl engagieren wollen. Warum eigentlich? Kann man was bewirken in der Kommunalpolitik? Einer, der das bejaht, ist der FDP-Politiker Boris Freiherr von dem Bussche aus dem Kreis Lüchow-Dannenberg. Kreisvorsitzender und Fraktionschef im Kreistag. Wenn die Bundes-FDP neuerdings fordert, auch alternative Standorte zu einem Atommüll-Endlager in Gorleben zu prüfen, dann liegt sie jetzt auf der Linie, die von dem Bussche schon seit vielen Jahren vertritt.
Der mit dem Zollstock. So wird Boris von dem Bussche wohl bei Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) im Gedächtnis bleiben. Als Röttgen im Februar den Kreistag von Lüchow-Dannenberg besucht, um über Gorleben zu diskutieren, da zieht von dem Bussche plötzlich einen Zollstock aus der Tasche und erklärt dem Minister mal was. Die Zeit seit Christi Geburt: Zwei Millimeter. Der Zeitraum, in dem der strahlende Atommüll sicher verwahrt werden muss: Ein voller Meter. Eine Million Jahre. "Das ist ein Zeitraum, den man eigentlich gar nicht fassen kann. Und wir maßen uns an, darüber eine Entscheidung zu fällen. Ja, ja, für eine Million Jahre ist das schon sicher verwahrt. Nein. Das wissen wir gar nicht."
Seit vierzehn Jahren macht der Rechtsanwalt Boris von dem Bussche Kommunalpolitik - die im Falle Gorleben auch Bundespolitik ist. Er fordert seitdem: "Es müssen auch andere Standorte geprüft werden. Man kann nicht den besten Standort ermitteln, wenn man gar nicht vergleicht. Wie wollen Sie, wenn Sie ein Fahrzeug haben, sagen: Dies ist das beste Fahrzeug. Sie brauchen einen Vergleich. Sie müssen wenigstens ein Fahrrad daneben stellen. Selbst das ist nicht passiert. Wir haben gar keinen Vergleich gehabt."
So sieht es jetzt auch die Bundes-FDP. Jahrelang waren die Liberalen aus Lüchow-Dannenberg mit ihren Anträgen stets gescheitert. "Es war nicht ganz einfach, muss ich sagen, besonders bei den Parteiführungen Gehör zu finden. Insbesondere auf Bundes- und Landesebene. Aber bei den unteren Gremien gab es durchaus schon Zuspruch. Der eine oder andere, der auf die Schulter klopfte, wenn man vom Podium stieg, und sagte: Gut gemacht, weiter so. Das gab es auf jeden Fall. Und das ist mit der Zeit gewachsen."
Die FDP Lüchow-Dannenberg habe was bewegt, sagt Boris von dem Bussche. Nicht nur in puncto Gorleben. Sie habe überall mitgemischt in der Kommunalpolitik, habe sich beispielsweise stark gemacht für Überholzonen auf den Bundesstraßen im Kreisgebiet, damit nicht zwei Trecker den ganzen Verkehr über Kilometer ausbremsen. Kommunalpolitik ist ein spannendes Feld, sagt von dem Bussche. "Da kann man in der Tat viel bewegen. Und da kann ich jedem, der nur einen Hauch Zeit hat, sagen: Werde aktiv, beteilige Dich irgendwo, wo Du meinst, dass Du gut aufgehoben bist. Dann kannst Du innerhalb Deiner politischen Gruppierung was bewegen. Man kann Sachen gestalten, Mehrheiten schaffen. In diesem Spiel, habe ich die Erfahrung gemacht, dass es Sinn macht, sich zu engagieren." Wofür Gorleben wiederum das beste Beispiel sei. Allerdings: In Wählerstimmen drückt sich das nicht unbedingt aus. Wer gegen ein Endlager in Gorleben sei, sagt von dem Bussche, der wähle deshalb nicht automatisch FDP. Der wähle gleich die Grünen.