Verkehrsmeldungen für Niedersachsen
Staus, Baustellen, Gefahrenhinweise - die aktuelle Verkehrslage mehr
Der Flyer der FWG Bad Grund hat eine Welle der Empörung in der Region verursacht.
Mancher in der kleinen Harzgemeinde Bad Grund (Landkreis Osterode) fühlt sich unvermittelt an die finstersten Zeiten der deutschen Vergangenheit erinnert. Der Grund ist ein Flugblatt, das die Freie Wählergemeinschaft (FWG) zur Kommunalwahl herausgegeben hat. Darin verlangt die FWG: "Keinen weiteren Ausbau der Bergstadt als Ort für Heimbewohner mit körperlich und seelisch behinderten Menschen" (Fehler im Original). Ein Satz, den Bürgermeister Manfred von Daak (SPD) "entsetzlich" findet: "Solch eine Äußerung widerspricht allen christlichen und humanitären Grundsätzen." Von Daak steht mit seiner Ansicht nicht allein. In der lokalen Zeitung, dem "Harzkurier", spricht man von einer "Welle der Empörung", die die Region erfasst habe. "So viele Leserbriefe haben wir selten zuvor zu einem Thema bekommen", sagt Redakteurin Natalie Bornemann. Fast alle gehen mit dem Flugblatt der FWG scharf ins Gericht.
Verantwortlich für das Flugblatt ist der FWG-Chef Jürgen Knackstädt. Er spricht von einer "politischen Kampagne", die jetzt vor der Kommunalwahl gegen die FWG losgetreten worden sei. Man habe in der Stadt ein Tabuthema angesprochen und werde dafür jetzt kritisiert. Tatsächlich habe man nichts gegen "Behinderte oder psychisch kranke Menschen", wohl aber gegen weitere Einrichtungen für solche Patienten in der 2.300-Seelen Gemeinde. In Bad Grund gibt es neben einem Seniorenheim auch dezentrale Häuser für Behinderte, sowie Patienten mit Alkohol- und Suchtproblemen. Insgesamt werden 140 Heimplätze gezählt.
"Man sei auf dem richtigen Kurs", behauptet FWG-Chef Knackstädt.
Man habe möglicherweise die falschen Worte gewählt - in der Sache aber sei man auf dem richtigen Kurs, sagt Knackstädt, der auch Vorstandsmitglied der evangelischen Kirchengemeinde in Bad Grund ist. Sollten in Bad Grund noch mehr Bettenplätze für Patienten mit problematischem Hintergrund geschaffen werden, gefährde dies den kommerziellen Kurbetrieb in der Kommune. Im Flugblatt heißt es deshalb: "Jeder 6. Grundner Einwohner ist bereits ein Heimbewohner oder psychisch kranker Mensch." Knackstädt sprach sich im Gespräch mit NDR Info für eine "zentrale Unterbringung" solcher Patienten aus.
Mittlerweile hat das Thema Wellen geschlagen bis in den Nachbarort Windhausen - schließlich tritt die FWG auf einer gemeinsamen Wahlliste mit der Wählergemeinschaft "Pro Windhausen" auch für die Wahl zum Samtgemeinderat an. Bei Windhausens Bürgermeister Burkhard Fricke (SPD) wecken die Flugblattforderungen der FWG schlimmste Assoziationen: "So etwas hatten wir in Deutschland schon einmal. Die FWG hat der Region schweren Schaden zugefügt." Sein Bürgermeisterkollege Manfred von Daak aus Bad Grund hält die "Entschuldigung" der FWG für die Wortwahl für nicht ausreichend: "Man kann Menschen nicht die Daseinsberechtigung absprechen. Die FWG müsste jetzt eigentlich zu den Mitarbeitern der Betreuungseinrichtungen gehen und sich bei denen entschuldigen. Denn auch die fühlen sich von dem Flugblatt diskriminiert."