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Am 11. September sind Kommunalwahlen in Niedersachsen. Und ein Mann kann sich eigentlich beruhigt zurücklehnen, denn er tritt nicht mehr an. Emdens Oberbürgermeister Alwin Brinkmann (SPD) nimmt nach 25 Jahren als dienstältester OB Niedersachsens Ende Oktober seinen Hut.
Alwin Brinkmann, Oberbürgermeister der Stadt Emden, wird geehrt: Er ist seit 25 Jahren im Amt. Zu den Gratulanten gehörte auch Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister.
Er hätte die ganz große Karriere machen können im Landtag. Alwin Brinkmann saß von 1994 bis 1998 als SPD-Abgeordneter unter Gerhard Schröder in Hannover. Dann aber wurde der hauptamtliche Oberbürgermeister in Niedersachsen eingeführt, die Doppelspitze Oberbürgermeister und Oberstadtdirektor abgeschafft: "Damals war ich schon zwölf Jahre als ehrenamtlicher OB aktiv. Aber ich hatte immer den Oberstadtdirektor, mit dem ich zusammen arbeiten musste. Und jetzt konnte ich plötzlich selber bestimmen. Das war der Grund, warum ich gesagt habe: Jetzt willst du es auch selber machen. Es ist ein Unterschied, ob ich vielleicht als Minister durch Niedersachsen toure und zu nichts eine richtige Beziehung habe oder hier durch Emden gehe und sage: Da bin ich dabei gewesen."
Der 65-Jährige hat sein kommunales Feld bestellt und weiß: "Nirgendwo kann man so mitbestimmen, was passiert, wie in einer Kommune." Mit ausgezeichneten Kontakten zur roten Landesregierung konnte Brinkmann in Emden zahlreiche Projekte anschieben: die Johannes-a-Lasco-Bibliothek aus Ruinen der Großen Kirche aufbauen, den Binnenhafen umgestalten, einen Industriepark für Volkswagen-Zulieferer bauen, das Landesmuseum und die Kunsthalle erweitern.
Zuletzt gelang es ihm, die seit Jahren leer stehende Kaufhalle zu erwerben, die nun in ein Einkaufszentrum umgebaut werden soll, eine Promenade am Roten Siel zu bauen - und das wohl wichtigste Projekt in Gang zu bringen: Nach dem Scheitern der Projekte Dollart-Hafen und Vorhafen soll am Rysumer Nacken ein neuer Hafen für die ganz großen Schiffe gebaut werden, als Basis-Hafen für Offshore.
Gerade auch die regenerativen Energien hat Brinkmann in Emden mit initiiert - schon vor 20 Jahren. "In dieser Zeit haben wir Stück für Stück erkannt: Das ist ja nicht nur das Windrad, was sich dreht, da kann man auch Arbeitsplätze mit erzeugen."
1.500 Arbeitsplätze sind es bislang. Viele Tausend werden in den kommenden Jahren dazukommen, meint Brinkmann. Hundertprozentige Zufriedenheit gibt es aber auch bei Niedersachsens dienstältestem Oberbürgermeister nicht. Alles ist ihm schließlich auch nicht gelungen, obwohl er 25 Jahre Zeit hatte: "Schule ist was, da bin ich mit meinen Vorstellungen gescheitert. Da waren die Ideologien der Parteien stärker. Ich glaube, niemand schafft das."
Auch, wenn die Schulpolitik weiterhin wie in vielen Kommunen eine Baustelle bleibt: Brinkmann hat sein Feld bestellt - und das konnte er so aktiv nur in einer Kommune erreichen, sagt er. Nun sei ein anderer dran. Großen Dank erwartet er nicht: "Wenn ich durch die Stadt gehe, heißt es in 90 Prozent der Fälle nicht: Guten Tag, sondern Hallo Alwin. Und das ist Dank genug. Mehr will ich auch nicht. Und wenn ich dann weggehe, wäre es das Höchste, wenn man sagt: Er ist einer von uns. Oder auf plattdeutsch: He eis een van uns, mit humm kannst proten."