Die Verkehrsminister der Länder haben sich bei ihrer Konferenz in Potsdam auf die Wahlfreiheit bei Autokennzeichen verständigt.
ALF, SY und DUD oder auch BU und RIN - das sind keine Aliens aus US-amerikanischen Serien. Hinter den Kürzeln verstecken sich die ehemaligen Autokennzeichen für Alfeld, Syke, Duderstadt, Burgdorf und Rinteln aus der Zeit vor der Gebietsreform 1977. Damals fassten die Behörden Kennzeichen zusammen und reduzierten deren Anzahl. Nun soll dies wieder rückgängig gemacht werden.
Der niedersächsische Landkreistag übt Kritik an der Wiedereinführung der alten Autokennzeichen. "Wer keine Probleme hat, der schafft sich welche", erklärte der Geschäftsführer des Landkreistages, Hubert Meyer, am Donnerstag. "Statt die dringenden verkehrspolitischen Herausforderungen von heute zu lösen, flüchtet sich die Verkehrsministerkonferenz in Sandkastenspiele von gestern."
Die Verkehrsminister der Länder haben sich am Mittwoch auf einer Konferenz in Potsdam dafür ausgesprochen, dass Autofahrer künftig selber entscheiden können, ob sie die neuen oder die alten Kennzeichen nutzen wollen. Jetzt müsste noch der Bundesrat einer entsprechenden Änderung der Kfz-Zulassungsordnung zustimmen.
Rund 300 Kommunen in Deutschland möchten ihre alten Kfz-Kennzeichen zurück haben. "Wenn der sehnlichste Wunsch besteht, werden wir uns nicht dagegen stellen", hatte Christian Budde vom niedersächsischen Verkehrsministerium zuvor NDR 1 Niedersachsen gesagt. "Wir wollen niemandem den Spaß am Nummernschild nehmen." Viele Gemeinden liebäugelten damit, sich wieder mit Buchstaben auf dem Kennzeichen zu schmücken, die genauer zeigen, wo der Fahrer herkommt. So hätten Einwohner aus Norden signalisiert, künftig lieber das Zeichen "NOR" statt "AUR" für den Landkreis Aurich an ihrem Auto sehen zu wollen.
Anfang März hatte die Fachhochschule Heilbronn erste Ergebnisse einer bundesweiten Befragung zur Kennzeichenliberalisierung bekannt gegeben. In Niedersachsen war die Umfrage unter anderem in Syke (Landkreis Diepholz), Einbeck, Neustadt am Rübenberge (Region Hannover) und Alfeld (Landkreis Hildesheim) durchgeführt worden. Generationenübergreifend wünsche sich die Mehrheit eine Rückkehr zu den alten Kennzeichen, wie die FH Heilbronn mitteilte. In Alfeld hatten sich 80 Prozent der Bürger dafür ausgesprochen.
Aus Sicht des Alfelder Bürgermeisters, Bernd Beusmann (SPD), hat dieser Wunsch etwas "mit der Identifikation nach innen" zu tun. Darüber hinaus habe ein eindeutiges Kennzeichen auch einen Werbeeffekt. "Es ist die Wortmarke, die durch die Buchstaben" ausgedrückt werde, so Beusmann.
Das Verkehrsministerium unterstützt diese Argumente. Sprecher Budde wies im Gespräch mit NDR 1 Niedersachsen aber auch auf die Mehrkosten einer Rückkehr zu den alten Zeichen hin. Wer dann innerhalb des Landkreises umziehe, müsse sein Kennzeichen gegebenenfalls ändern. Kostenfaktor: 60 Euro.
Es gebe aber auch Regionen, die sehr zufrieden mit ihren derzeitigen Kennzeichen seien. In Springe wollten die Menschen ihre Nähe zu Hannover demonstrieren und das H behalten, so Budde.
Der Landkreis Friesland will zunächst abwarten. Sollte zum Beispiel aus der Stadt Jever der Wunsch kommen, wieder die Buchstaben JEV auf dem Kennzeichen einzuführen, werde man sich dem nicht verschließen, so Landkreis-Sprecher Sönke Klug gegenüber NDR1 Niedersachsen. Er sei jedoch davon überzeugt, dass sich viele Autofahrer auch mit dem jetzigen Kennzeichen FRI für Friesland identifizieren könnten, so Klug weiter.