Rainer Suttrop von der Feuerwehr Dortmund hat ein Hochwasser dieses Ausmaßes zum ersten Mal erlebt. Bei den aufgehängten Laken mit Dankesworten seien ihm die Tränen gekommen, gesteht er. "Mein Sohn wird am Wochenende elf Jahre alt", erzählt Suttrop, "aber er hat mir erlaubt, hierzubleiben. Er hat gesagt, das sei wichtiger."
Chiropraktiker Pierre-André Wedeking ist aus Bielefeld gekommen, um Helfern zu helfen, genauer gesagt: um sie wieder einzurenken. Aus übermüdeten Männern und Frauen mit schmerzenden Muskeln macht er wieder entspannte Einsatzkräfte.
Melissa Piffl musste einen Teil ihres Grundstücks in Neu Darchau dem neu gebauten Deich opfern. Und wie hat sie darauf reagiert? Sie versorgte Hunderte Helfer mit Kaffee, Obst und Eis. "Ich will nicht hilflos dabeistehen", sagt Piffl.
Seit dem 5. Juni hatten Feldwebel Sascha Hennigs (l.) und Stabsunteroffizier Matthias Hartfiel gerade mal einen freien Tag. Die beiden sind aus Munster angereist und sollten eigentlich am Freitag nach Hause fahren - nun verlängert sich ihr Aufenthalt wohl aber noch etwas.
"So anstrengend war es noch nie", berichtet Matthias Kruse von der Freiwilligen Feuerwehr Neu Darchau. Der Ingenieur wurde von seinem Arbeitgeber freigestellt und hat ordentlich zugepackt. Die Touristen seien am Anfang zum Teil im Weg gewesen, beklagt er.
Franziska Bohm, 17 Jahre alt, hat in Neu Darchau von Anfang an geholfen. Hat Sandsäcke befüllt, Bereitschaften versorgt und den Verkehr gesichert. Von der Schule hat sie sich freistellen lassen. Acht Klausuren hat sie verpasst. "Ist mir egal, das hier ist wichtiger."
Deichläufer Jago von Plato aus Jasebeck (l.) und Jochen Brilling aus Nienwedel haben gerade eine Zwölf-Stunden-Schicht hinter sich. Knapp fünf Kilometer Deich müssen sie in ihrem Bereich im Auge behalten. In zwölf Stunden laufen sie dreimal zwischen Penkefitz und Landsatz hin und her.
René Steinberg von der Feuerwehr Hitzacker erlebt das Hochwasser "relativ entspannt, weniger dramatisch als erwartet". Dabei hat er eine bedeutende Aufgabe: Steinberg koordiniert alle Hilfskräfte in Hitzacker, nicht nur die von der Feuerwehr. "Einsatzabschnittsleitung" nennt sich das dann.
Marlies Winkelmann aus Hitzacker konnte in ihrem Haus wohnen bleiben, es steht weit genug weg von der Flut. Oft war die Mitarbeiterin der Samtgemeinde Elbtalaue zuletzt aber wohl nicht daheim. Sie stellt Passierscheine für Anwohner aus, die bei ihren Häusern in der evakuierten Altstadt nach dem Rechten gucken wollen. Außerdem geht sie ans Info-Telefon der Gemeinde.
Johannes Barth vom Technischen Hilfswerk, Ortsverband Leer, ist seit Montag in Hitzacker im Einsatz. Er passt auf Deich und Schutzwände auf und fischt Treibgut aus dem Wasser. Er wohnt zurzeit in einer Polizeikaserne in Lüchow. Ist das wohl bequem? "Ich bin gerne hier", versichert der 57-Jährige. Er sei seit 40 Jahren beim THW und der Einsatz für ihn "Ehrensache".
Auch Jens Stübbecke von der Feuerwehr Hitzacker sieht nach der Schutzwand und holt Treibgut aus dem Fluss. Er ist seit mehr als einer Woche im Einsatz. Als die Altstadt von Hitzacker wegen des Hochwassers gesperrt war, wohnte er bei seinem Vater.
Baumstämme und andere größere Gegenstände sind auch das Gebiet von Helmut Ebbendorff vom Deutschen Roten Kreuz. Er kommt aus Empelde (Region Hannover) und hat erst in der Grundschule Dannenberg, dann auf einem Feldbett in einer Logistikhalle übernachtet. Seit Freitag vor einer Woche macht er diesen anstrengenden "Campingausflug" schon mit.
Ralf Hinneberg (CDU), Bürgermeister von Neu Darchau, hat richtig mit angepackt. Er sei ein Mann der Tat, loben seine Bürger. Hinneberg fuhr auch Radlader und Trecker, damit andere Pause machen konnten. Der Ehrenamtliche hat sich Urlaub genommen und rund um die Uhr gearbeitet: "Als die ersten Prognosen kamen, dachte ich, das schaffen wir nicht."
Ladenschluss gab's in Holger Hildebrandts Edeka-Markt in Neu Darchau während der Flut nicht. Er sah zu, dass die benötigten Waren in ausreichender Menge da waren - und das, obwohl er plötzlich 1.500 Kunden mehr hatte als sonst. Und zum Schichtwechsel der Einsatzkräfte um 23 Uhr stellte Hildebrandt sich in den Laden um mit Frau und Tochter Stullen für die Soldaten zu schmieren.