Weitere Helferkolonnen ziehen von der Elbe ab
Kilometerlange Fahrzeugkolonnen von Feuerwehr, Technischem Hilfswerk und Rotem Kreuz schieben sich zurzeit durch die Elbtalaue. Zu Hunderten sind Hilfskräfte aus anderen Bundesländern wieder auf dem Weg in ihre Heimat. Zwar drückt das Wasser weiter mit Macht gegen die Deiche, doch die Pegel sinken kontinuierlich. Der Landkreis Lüneburg hat bereits rund 1.500 von 4.000 Helfern wieder in die Heimat entlassen. Der Nachbarkreis Lüchow-Dannenberg erwägt mittlerweile ebenfalls ihre Zahl zu reduzieren.
Elb-Flut: Zwischen Aufbruch und Anspannung
Stand: 15.06.2013 17:22 Uhr
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Das war knapp: Der Notdeich in Neu Darchau hat den Kampf gegen die Wassermassen anscheinend gewonnen. Die Flut zieht sich langsam zurück.
Am Fähranleger lässt sich beobachten, wie der Wasserstand langsam sinkt.
Der Damm hat die Anwohner vor Schlimmerem bewahrt. Auch hier geht das Wasser nun stetig zurück.
Ohne das Bollwerk hätten einige Anwohner rund 20 Zentimeter Wasser im Wohnzimmer gehabt.
Die Pumpen des THW am Kateminer Mühlenbach haben noch weiterhin viel zu tun.
Bei diesem Landhandel in Bleckede kann erst einmal noch nicht wieder gearbeitet werden.
Bei manchem Anwohner läuft das hochgedrückte Grundwasser direkt hinterm Deich aus den Garten.
Hier, ebenfalls in Bleckede, hat ein privater Notdeich der Flut nicht standgehalten.
Die Elbe hat ein Betriebsgelände samt Wohnhaus unter Wasser gesetzt.
Für sie geht es wieder Richtung Heimat: Hunderte Helfer aus anderen Bundesländern werden an der Elbe in Niedersachsen nicht mehr gebraucht.
Allmählich machen sich Feuerwehr, Technisches Hilfswerk und Rotes Kreuz deshalb in Fahrzeugkolonnen auf den Weg.
Der Elb-Pegel sinkt langsam, aber kontinuierlich.
In Hitzacker steht das Wasser noch bis zur Spundwand.
Noch ein paar Zentimeter weniger - und die Altstadtinsel wird wieder komplett freigegeben. Zurzeit lässt die Polizei nur Einwohner durch.
Die Hitzackeraner dürfte das freuen. Eisdielen-Besitzer Fabricio Constantin etwa hat in den vergangenen Woche rund 1.000 Euro Verlust pro Tag gemacht. Er hofft jetzt auf einen guten Sommer.
Im Hotel Hafen Hitzacker wartet Restaurantleiter Ronald Jatzkowski ebenfalls auf Gäste. Das Hotel hatte wegen der fast einwöchigen Evakuierung alle Buchungen absagen müssen.
Bei Geschäftsfrau Elfriede Ritz steht vor der Rückkehr der Touristen noch reichlich Arbeit an. Sie holt ihre Ware vom Dachboden, um ihren Laden auf der Stadtinsel wieder einzuräumen.
Auch Postbote Michael Heyn hat alle Hände voll zu tun. In den vergangenen Tagen war viel Post aus Hitzacker in Dannenberg liegen geblieben.
Alles zurück: Die Sandsäcke, die die Hitzackeraner vor der Evakuierung vor ihren Häusern gestapelt haben, müssen jetzt wieder weggeräumt werden.
Barbara und Hartmut Bublitz entfernen Betonreste von ihrem Haus. Sie hatten die Kellerfenster vor der Evakuierung zugemauert.
Anwohner Christoph Wieczoriek will erst in der kommenden Woche zurückräumen, er hofft auf die Hilfe von Freunden.
Seit Freitag dürfen neben Hilfskräften auch die Bewohner wieder auf die Altstadtinsel von Hitzacker.
Der Ansturm blieb nach Angaben eines Sprechers aber aus. Die Hitzackeraner kehren nach und nach zurück in ihre Stadt.
Auch Hilde Johannsmann ist nach Tagen im Exil wieder in ihrer Heimatstadt angekommen.
Unterdessen beobachten die Helfer vor Ort weiter sorgsam das Hochwasser. Der hohe Druck auf die Deiche und starke Regenfälle in der Nacht zu Freitag haben sie weiter aufweichen lassen.
Nach wie vor sind rund um die Uhr Deichläufer - oder Deichradler - unterwegs, um Schwachstellen schnell erkennen zu können.
In Neu Darchau etwa musste ein Notdeich gebaut werden, um die Gemeinde zu sichern.
Mit vereinten Kräften errichteten Helfer von Technischen Hilfswerk, Feuerwehr und Bundeswehr den zusätzlichen Wall aus Sandsäcken.
Damit die Deiche und Schutzwände nicht zusätzlich beschädigt werden, sammelten Helfer täglich Treibgut auf der Elbe ein.
Im Landkreis Lüneburg sind so mehr als 600 Kubikmeter Treibgut zusammengekommen.
In Bleckede bauen die Helfer derweil erste Deichanlagen zurück.
Es gibt nicht nur Horrorgeschichten aus dem Hochwassergebiet. Dieser Rehbock etwa wurde von Feuerwehrleuten bei Neu Bleckede aus der Elbe gefischt ...
... und anschließend "nass, aber wohlauf" in die Freiheit entlassen, schreibt die Feuerwehr in einer Mitteilung.
... und anschließend "nass, aber wohlauf" in die Freiheit entlassen, schreibt die Feuerwehr in einer Mitteilung.
Durchgeweichte Deiche größte Sorge
Der Katastrophenalarm soll nach Informationen von NDR 1 Niedersachsen noch mindestens bis Montag aufrechterhalten werden. Wird er aufgehoben, könnten weitere Hilfskräfte abziehen und die Schulen, in denen sie zurzeit untergebracht sind, wieder öffnen. Unterdessen geht es in den Überschwemmungsgebieten vor allem darum, ein Auge auf die durchgeweichten Deiche zu haben. Darum bleiben auch die Deichläufer weiterhin im Einsatz. Der Notdeich in Neu-Darchau hält den Belastungen durch das Hochwassers bislang stand. Er sei stabil, hieß es am Morgen vom Katastrophenstab Lüchow-Dannenberg.
Häuser werden leer gepumpt
In Vietze bei Gorleben, wo noch in 25 Häusern das Wasser steht, konnte die Kanalisation inzwischen wieder in Betrieb gesetzt werden, um die Keller leer zu pumpen. Ein erster Versuch war am Freitag gescheitert. Fast alle Häuser seien aber mittlerweile wieder mit Strom versorgt, wie der Katastrophenstab am Morgen mitteilte. Eine weitere gute Nachricht kommt aus Hohnstorf: Dort hat der Landkreis Lüneburg am Morgen wieder die Elbbrücke nach Lauenburg für den Verkehr freigegeben.
Rückkehr in die Altstadt von Hitzacker
Hallo Niedersachsen - 14.06.2013 19:30 Uhr
Während in Tiesmesland viele in ihren gefluteten Häusern ausharren und gegen die Wassermassen kämpfen, konnten in Hitzacker die Bewohner in ihre Häuser zurückkehren.
Menschen kehren eher zögerlich zurück
Seit gestern dürfen die Bewohner der historischen Stadtinsel von Hitzacker in ihre Häuser zurückkehren, bald schon könnte der Bereich auch für alle anderen freigegeben werden. Der dafür erforderliche Pegelstand von 7,46 Meter war am Freitagabend erreicht. Der Katastrophenstab Lüchow-Dannenberg wollte noch am Abend beraten, wann die Insel wieder betreten werden darf. Einige Läden und Hotels haben bereits wieder geöffnet und hoffen darauf, dass Anwohner und Touristen schnell zurückkehren. Denn bislang sind diese noch zurückhaltend: "Die Leute kommen eher schleppend zurück", sagte ein Stadtsprecher am Freitag.
Videos
In Dannenberg sind Panzer stationiert, die mit Wärmebildkameras nach Lecks in Deichen suchen sollen. Die Soldaten sehen einen klaren Vorteil gegenüber Luftaufnahmen.
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Ministerpräsident Weil: "Fluthilfe nicht nur über Kredite finanzieren"
Erst in einigen Tagen, wenn das große Aufräumen beginnt, wird vermutlich das ganze Ausmaß der Schäden sichtbar. Viele Betroffene sind nicht versichert. Politiker haben schnelle Hilfe versprochen. Die rot-grüne Landesregierung hat 40 Millionen Euro Soforthilfe in Aussicht gestellt. Außerdem haben sich Bund und Länder am Donnerstag auf die Eckpunkte eines Hilfsfonds geeinigt. Dieser soll bis zu acht Milliarden Euro umfassen. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hat sich heute dagegen ausgesprochen, die Fluthilfe allein durch eine höhere Neuverschuldung zu finanzieren: "Wir sind dagegen, dass die Last eins zu eins auf die nächste Generation übertragen wird", sagte er auf dem Parteitag der SPD Niedersachsen in Walsrode.
2.500 Euro Soforthilfe pro Haushalt
Mit wie viel genau die Flutopfer rechnen können, hat unterdessen der Landkreis Lüchow-Dannenberg mitgeteilt: Wer etwa in seinem Haushalt einen Schaden von mindestens 5.000 Euro erlitten hat, soll pro erwachsene Person 500 Euro aus dem Soforthilfe-Programm der Landesregierung erhalten, pro Kind sind es 250 Euro, maximal 2.500 Euro pro Haushalt. Betroffene sollen sich direkt an die Kreisverwaltung wenden.
Weitere Informationen
Wenn ein Landkreis bei Hochwasser Katastrophenalarm auslöst und einen Stab bildet, kommt sie zum Einsatz: Miriam Glinka ist Deichfachberaterin beim Technischen Hilfswerk. (14.06.2013) mehr
Deutsche Bahn rechnet mit massiven Kosten
Mit einem "hohen dreistelligen Millionenbetrag" durch die Flut rechnet auch die Deutsche Bahn, wie Bahnchef Rüdiger Grube am Freitag mitteilte. Nach dem Elb-Hochwasser 2002 hatte die Reparatur von Elektronik, Signalen, Gleisen und Bahndämmen den Konzern knapp eine Milliarde Euro gekostet. In den kommenden Wochen werde die Bahn mit den Folgen der Überschwemmung auch noch eine Menge Arbeit haben: Gesperrte Brücken und überflutete Gleise würden weiter für Sonderschichten Tausender Mitarbeiter sorgen. Die wichtige ICE-Strecke von Berlin über Hannover nach Köln wird laut Grube wegen einer überfluteten Brücke noch bis mindestens Ende kommender Woche gesperrt bleiben.
Bildergalerien
Die NDR.de Webcam liefert aktuelle Bilder von der Hochwassersituation in Hitzacker. Die Kamera steht direkt am Schöpfwerk vor der Altstadtinsel - mit Blick auf die Elbe.
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Hepatitis A - die Gefahr nach dem Hochwasser
Die sinkenden Wasserstände bringen auch Gefahren durch Keime mit sich: Der Landkreis Lüneburg warnt vor Viren im Hochwasser, die aus überfluteten Klärgruben gespült worden sind. Es bestehe die Gefahr, sich mit Hepatitis A anzustecken. Lebensmittel, die mit dem Hochwasser in Berührung gekommen sind, sollten nicht mehr gegessen werden, wenn man sie nicht abkochen oder schälen kann. Wer sich in seinem Garten oder im Keller an die Aufräumarbeiten macht, sollte wasserdichte Handschuhe und Kleidung tragen und gegen Tetanus geimpft sein. Kinder sollten nicht im Hochwasser schwimmen gehen oder im Schlamm spielen. Das Robert Koch-Institut (RKI) empfiehlt aber keine allgemeine Impfung gegen Hepatitis A.
Legende
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Hoher Pegelstand verglichen mit den mittleren höchsten Werten
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Normaler Pegelstand zwischen mittleren niedrigsten und höchsten Werten
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Niedriger Pegelstand verglichen mit den mittleren niedrigsten Werten
Hallo Petra, nicht aufregen
Vietze ist etwas besonderes, ich wohne 5 km entfernt. Am Samstag haben Vietzer Bürger zu Feuerwehrleuten gesagt, sie sollen den Notdeich nicht so hoch machen, 'Man kann ja jetzt die Elbe nicht mehr... [mehr]
Nein, in diesem Falle ist es ausnahmsweise sicher . [mehr]
Atomlager Gorleben
Wenn in Gorleben die Wohnungen unter Wasser stehen... wie sieht es dann im "Atommüll-Zwischenlager" aus? Müssen wir uns vielleicht noch mehr Sorgen, als ohnehin schon? [mehr]
darum: nachdenken!
Ein umfassendes Konzept muss viel früher ansetzen und z. B. schon das Aufkommen an Oberflächenwasser eindämmen, das direkt in Bäche und Flüsse fließt. Wenn aber quadratkilometerweise Hecken, Knicks,... [mehr]
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Tiesmesland, es geht um Tiesmesland - dort war niemand zur Hand... [mehr]