Laute Empörung im stillen Örtchen
In den Urinalen im Stones-Museum pinkeln Männer in einen geöffneten Mund. (31.01.2012) mehr
Ein Objekt von weltweitem Interesse: Das mundförmige Urinal aus Lüchow.
Ohne den Mund zu voll zu nehmen: Die knallroten Lippen im Logo der Rolling Stones bewegen mal wieder die Welt und die Stadt Lüchow im Nordosten Niedersachsens. Dänen, Vietnamesen, US-Amerikaner und selbst Pakistani - alle fragen: Darf ein Urinal so aussehen? Der laute Streit um die stillen Örtchen im Stones-Museum wurde weltweit gehört und geht nun durch die internationale Presse. Eine der schönsten Schlagzeilen lieferte der "Daily Caller" aus Washington: "Germans pissed about mouth-shaped urinals" - frei übersetzt: "Die Deutschen sind angepisst von mundförmigen Urinalen." Und wer gestern noch fragte: "Lüchow - wo ist das denn?" der ist heute schlauer. "Lüchow ist überall!" Dank dem Urinal-Streit im Stones-Museum.
Grund für den Aufruhr im Wendland waren die Urinale im Stones-Museum in Lüchow. Weit aufgerissene, rote Lippen - Knackpunkt: Die berühmte Zunge fehlt. Wäre sie vorhanden, wäre alles gut, so Frauenrechtlerin Roda Armbruster, auch wenn die Herren dann immerhin auf die Zunge von Stones-Frontmann Mick Jagger pinkeln würden. Aber keine Zunge, kein Jaggermund, sondern ein Frauenmund, also sexistisch - und das geht nicht. Die Frauenrechtlerin nimmt den Mund ziemlich voll, findet Museums-Gründer Ulli Schröder, der die Befindlichkeiten nicht nachvollziehen kann. Er findet seine Urinale weder männlich noch weiblich - aus seiner Sicht handelt es sich schlicht um Kunst. Wahrscheinlich wird die Frage nach dem wahren Geschlecht der Lüchower Urinale nicht mehr zu klären sein. Was Schröder aber auch egal sein kann. Denn durch die weltweite Werbung in internationalen Magazinen ist sein kleines Museum in Lüchow weitaus bekannter geworden, als es die übliche Mund-zu-Mund-Propaganda jemals hätte erreichen können.