"Erkundung nicht wieder aufnehmen"
Seit Freitagmittag ist es offiziell: Die Erkundung des Salzstocks Gorleben als Atommüll-Endlager wird ausgesetzt. Umweltminister Altmaier (CDU) äußerte sich in Berlin.
Video starten (02:15 min)
Umweltminister Altmaier will den Erkundungsstopp für Gorleben - vorerst bis zur Bundestagswahl im September 2013.
Keine weitere Erkundung in Gorleben: Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) will bei der Suche nach einem Endlager für Atommüll auf eine weitere Erkundung des Salzstocks in Gorleben (Landkreis Lüchow-Dannenberg) verzichten. Damit kommt der Minister Forderungen aus Niedersachsen entgegen - erst am Donnerstag hatte sich auch Ministerpräsident David McAllister (CDU) aus geologischen Gründen gegen den Salzstock in Gorleben als Endlager ausgesprochen. Der erweiterte Erkundungsstopp soll zunächst nur bis nach der Bundestagswahl 2013 gelten. "Ich hoffe, auch darüber hinaus", sagte Altmaier.
Altmaier zeigte sich am Freitag in Berlin zuversichtlich, dass es bald einen Konsens zwischen Bund und Ländern für ein Endlagersuchgesetz geben wird. Im Moment ruhen die Arbeiten in Gorleben bereits weitgehend. Die etwa 200 Bergleute, die zurzeit in Gorleben arbeiten, sollen laut Altmaier ihre Jobs behalten. Offenbar soll geprüft werden, ob ein Teil von ihnen im maroden Atommülllager Asse arbeiten kann, wo schwach- und mittelradioaktiver Müll geborgen werden soll.
Niedersachsens Ministerpräsident McAllister begrüßte am Freitag Altmaiers Plan und den Erkundungsstopp. Auch er sieht eine große Chance für ein Lösung über Parteigrenzen hinweg. Entscheidend sei jetzt, ein bundesweit wissenschaftlich basiertes und ergebnisoffenes Endlagersuchverfahren zu bekommen, betonte McAllister. "Es wäre gut, wenn wir so schnell wie möglich mit einem konkreten Gesetzentwurf auch in der Sache vorangekommen."
Entscheidende Gespräche seien für Februar geplant, noch vor Ostern könnte ein Gesetzentwurf zur Endlager-Suche in den Bundestag eingebracht werden, hofft Altmaier. Bis dahin sollen noch letzte Details auf der fachlichen Ebene geklärt werden. Auch Gespräche mit Beteiligten in Gorleben und Lüchow-Dannenberg, mit Kommunalvertretern und Bürgerinitiativen seien geplant. "Ich glaube, dass es wichtig ist, dass wir nicht nur hier in Berlin reden", sagte der Bundesumweltminister.
Bei den Atomkraftgegnern im Wendland stoßen die Neuigkeiten aus Berlin auf ein verhaltenes Echo. "Altmaier tritt auf der Stelle", sagte Wolfgang Ehmke, Sprecher der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg, NDR 1 Niedersachsen. Er fordert einen Neustart bei der Endlagersuche, da Altmaier das "Problem aussitze".
Die Anti-Atom-Organisation "ausgestrahlt" bezeichnete den Erkundungsstopp als "Mini-Moratorium". Schließlich ruhten die Maschinen in Gorleben schon seit Wochen aufgrund einer Klage von Anwohnern. Das verschweige der Minister. "Faktisch besteht also derzeit gar keine Rechtsgrundlage für den Weiterbau", so "ausgestrahlt"-Sprecher Jürgen Stay. Altmaier sei in den niedersächsischen Landtagswahlkampf eingestiegen, "weil die Gorleben-Debatte gefährlich für den um seine Wiederwahl bangenden David McAllister wird".
Am Sonnabend soll es im Wendland einen sogenannten Ratschlag geben - eine große Versammlung der Atomkraftgegner. Dort soll das weitere Vorgehen beraten werden.
Die Grünen in Niedersachsen sehen in dem befristeten Baustopp ein Wahlkampf-Manöver. Dass Altmaier die Erkundungsarbeiten nur bis nach der Bundestagswahl aussetzen wolle, sei "sehr befremdlich", sagte der Fraktionschef der niedersächsischen Grünen, Stefan Wenzel. Stephan Weil, Spitzenkandidat der SPD Niedersachsen für die Landtagswahl, äußerte sich ebenfalls skeptisch. "Ich kann hier kein strukturiertes Vorgehen erkennen. Die Knüpfung an einen Wahltermin ist für mich nicht sehr glaubwürdig", sagte er. Weils Parteichef Sigmar Gabriel hat am Freitag seine Bereitschaft zu einem Endlager-Konsens bis zur Bundestagswahl signalisiert und sprach im Hinblick auf den Erkundungsstopp von einer "guten Entscheidung".
Auch Jürgen Trittin, Fraktionschef der Grünen im Bundestag, begrüßte Altmaiers Entscheidung. Schleswig-Holsteins grüner Umweltminister Robert Habeck nannte sie einen "überfälligen Schritt", um offen Alternativen für Gorleben zu prüfen.
Die Suche nach einem Kompromiss zwischen Bund und Ländern dauert mittlerweile über ein Jahr. Bisher gibt es weltweit kein Endlager für stark strahlenden radioaktiven Müll. In Deutschland wurde Gorleben als Zwischenlager für abgebrannte Atombrennstäbe und Atommaterial aus der Wiederaufarbeitung genutzt. Allein in die Erkundung des Salzstocks sind bislang 1,6 Milliarden Euro geflossen. Bei den Transporten mit Castor-Behältern nach Gorleben kam es in den vergangenen Jahren stets zu Massenprotesten.
Darin liegt der Unterschied
Lange währt die Halbwertszeit dieser Idee bestimmt nicht, ist sie wohl spätestens nach einem CDU Wahlsieg wieder vergessen. Gedankensprung: Offshore Wind* heute, Desertec als einstiges schwarz/... [mehr]
Wer meldet sich freiwillig für ein Atommüll-Endlager vor seiner Haustüre?
Es sollte eine Volksabstimmung über den Bau eines Atommüll-Endlagers stattfinden. Jeder Deutsche sollte darüber abstimmen dürfen. Ich traue den Experten nicht. Es waren auch Experten (wie z.B. Otto... [mehr]
Menschliche Überreste in der Asse!! Soll hier ein Skandal vertuscht werden??
sodele, inzwischen kann ich mir denken, warum die da nicht ranwollen. Denn es geht darum, dass hier ganz augenscheinlich ein Skandal vertuscht werden sollte. Dazu mehr hier: ... [mehr]
In der Sache hat Altmaier recht - Termin passt überhaupt nicht!
Also meine Meinung ist: in der Sache mit einem Konsens über ein Endlagersuchgesetz hat Altmaier recht. Das geht nur parteiübergreifend und ohne Vorbedingungen. Aber wo Herr Altmaier gewaltig irrt ist... [mehr]
Reiner Populismus der CDU
Der Aufschub bei der Erkundung des potentiellen Atommüll-Lagers Gorleben bis nach den Bundestagswahlen ist reiner Populismus der CDU. Irgendwann und irgendwo kommt das Atommüll-Endlager. Aber erst... [mehr]