Vater plante Kindesentzug schon länger
Eigentlich wollte der Mann mit seinen vier Kindern nach Griechenland flüchten. mehr
Jonas (8), Benjamin (7), Miriam (5) und Lisa (4) wurden von ihrem Vater zu Ostern aus Hermannsburg (Landkreis Celle) verschleppt. Der Mann gilt als christlicher Fundamentalist und hat kein Sorgerecht für die Kinder. Der Fall beschäftigt die deutsche Spitzenpolitik. Nun sind sie wieder bei ihrer Mutter.
25. April: Der 37 Jahre alte arbeitslose Vater holt die vier Kinder am Ostermontag bei seiner von ihm getrennt lebenden Frau in Hermannsburg unter dem Vorwand ab, eine Fahrradtour machen zu wollen. Er verschleppt die Kinder nach Nordafrika. Kurz darauf läuft eine internationale Fahndung.
9. Mai: Nach einem später veröffentlichten Bericht eines Leser-Reporters der "Bild"-Zeitung reist der Vater mit seinen Kindern mit einer Fähre von Ägypten in den Sudan. Nach Angaben des Reporters will er mit dem Bus in die sudanesische Hauptstadt Khartum fahren.
19. Mai: Nach Erkenntnissen der Ermittler ist der Mann mit den Kindern über Assuan wieder nach Ägypten eingereist.
15. Juni: Ein Fahndungsaufruf in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY...ungelöst" bringt zunächst keine weitere Spur. Die Bundesregierung bemüht sich intensiv um die Aufklärung der Vorgänge. "Unser Ziel ist es, dass die Kinder so schnell wie möglich zu ihrer Mutter zurückkehren können", heißt es im Auswärtigen Amt.
21. Juni: Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) telefoniert mit der Mutter und verspricht ihr Hilfe bei der Suche nach ihren vier verschleppten Kindern. Zuvor hatte die Mutter bereits ihr Vertrauen in die deutsche Außenpolitik bekundet. "Ich habe großes Vertrauen in Bundesaußenminister Guido Westerwelle, dass er sich auf diplomatischer Ebene intensiv für meine entführten Kinder Miriam, Lisa, Jonas und Benjamin einsetzt", teilt sie auf dpa-Anfrage mit.
4. Juli: Die Ermittler berichten über neue Zeugen, die die Kinder in Süddeutschland gesehen haben wollen. Nähere Angaben machen die Fahnder zunächst nicht.
8. Juli: Nach Zeugenangaben sollen die Kinder in der Nähe von Füssen im Allgäu gesehen worden sein. Sie sollen sich mit dem Vater im Feriendorf Lechbruck aufgehalten haben.
7. September: Die vier Kinder sind nach Angaben von Polizei und Staatsanwaltschaft Celle in der Obhut ägyptischer Behörden. Nach ersten Informationen gehe es ihnen gut. Ihre Rückkehr nach Deutschland wird vorbereitet.
9. September: Die entführten Kinder sind wieder bei ihrer Mutter. Auch der Vater der Kinder ist freiwillig nach Deutschland gereist und befindet sich in Untersuchungshaft.
15. September: Katja H. bittet die Medienvertreter auf einer Pressekonferenz in Hannover, fortan die Privatsphäre der Familie zu respektieren.
23. September: In seiner ersten Vernehmung gibt der Vater an, dass er die Entführung schon länger geplant hatte. Als Motiv gab er unter anderem an, er sei mit dem Lebensstil seiner Ehefrau nicht einverstanden.
24. Januar 2012: Vor dem Landgericht Lüneburg beginnt der Prozess gegen den Familienvater. Axel H. räumt die Vorwürfe gegen ihn ein und sagt: "Grundsätzlich stehe ich zu dem, was ich gemacht habe."
7. Februar: Ein psychiatrischer Gutachter erklärt Axel H. vor dem Landgericht Lüneburg für schuldfähig. Trotz seiner extremen Beschäftigung mit Religion leide der 38-Jährige nicht an einer Wahn-Erkrankung oder Psychose, so der Gutachter.
9. Februar: Die Staatsanwaltschaft fordert für Axel H. eine Haftstrafe von zweieinhalb Jahren. Nach Ansicht der Anklage besteht Flucht- und Wiederholungsgefahr.
(Quelle: dpa)