Ermittlungen gegen Wiesenhof eingestellt
Staatsanwaltschaft Verden kann Verfehlungen nicht eindeutig zu ordnen. (14.12.2011) mehr
Polizeieinsatz heute Mittag auf einem Bauernhof in Echem im Landkreis Lüneburg. Der Verdacht, dem die Beamten nachgehen: Tierquälerei und unsachgemäße Entsorgung von Tierkadavern. Mit dabei waren auch zwei Mitarbeiterinnen des Kreisveterinäramtes und zwei Aktivistinnen der Tierrechtsorganisation PETA. Sie hätten die ganze Aktion ausgelöst, berichtet Louisa Schlepper, eine der beiden Aktivistinnen: "Wir haben einen anonymen Hinweis bekommen, dass ein Schafhalter nicht gut mit seinen Tieren umgeht, haben uns das Ganze angeguckt und können wirklich bestätigen, dass hier massiv gegen das Tierschutzgesetz verstoßen wird."
Hier, das ist ein Nebenerwerbshof in Echem. Die Stallungen liegen hinter dem grauen, ordentlich wirkenden Wohnhaus des Besitzes versteckt. Schon auf den ersten Blick sind sie baufällig. Auf den zweiten Blick fallen Löcher in den Wänden auf, die Boxen sind teilweise verkotet. Ein Fohlen läuft frei umher, es könnte auch auf die Straße laufen. Auf einem Misthaufen liegen zwei tote Lämmer - seit vier bis fünf Tagen, gibt der Hofbesitzer zu. Das Schmallenberg-Virus habe sie dahingerafft.
Der Mann hält mit seinen 76 Jahren und einem Teilzeit-Mitarbeiter insgesamt 180 Schafe, 70 Lämmer und 20 Pferde. Nur zum Teil sieht er ein, dass hier Missstände herrschen: "Missstände sind hier, klar. Aber ob das nun gravierende sind, das ist eine andere Sache. Und mehr sage ich nicht."
Die drei Polizisten nehmen von den Tierschützerinnen eine Anzeige auf, die Tierärztin vom Kreis und ihre Mitarbeiterin inspizieren Hof und Ställe. Das Fazit von Tierärztin Charlotte Kiepker lautet: Hier muss sich vieles ändern. "Mir ist aufgefallen, dass die Stallungen nicht alle in Ordnung sind. Wir haben vorstehende Nägel gefunden, und es haben nicht alle Tiere jederzeit Zugang zu Wasser, was vor allem für die säugenden Muttertiere nicht gut ist", so Kiepker. Auch die Einstreu könnte besser sein und es liege nicht jedem Tier Futter vor. "Tote Lämmer haben auf dem Misthaufen nichts verloren. Die dürfen definitiv nicht so entsorgt werden", fügt die Tierärztin hinzu und kündigt Auflagen für den Landwirt an. Zudem könnte ein Bußgeld auf ihn zukommen.
Die beiden Tierrechtsaktivistinnen von PETA sind mit dem Einsatz zufrieden. "Die Amtstierärztin hat sich das alles ausführlich und in Ruhe angeguckt. Hat ganz viele Missstände gefunden, alles was wir gefunden hatten und noch mehr", sagt Schlepper. Beide PETA-Aktivistinnen bewerten den Ausgang als gut. Am liebsten wäre ihnen, der 76-Jährige würde seine Tiere ganz aufgeben. Der will zumindest darüber nachdenken.