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Nur über meine Eiche - Widerstand im Gasthaus

von Vivian Münzel und Marie Elane Hansen, NDR.de

Dienstags ist Herrenabend. Für die Gedelitzer Skatrunde steht Senior Horst Wiese noch selbst hinterm Tresen und sorgt für volle Gläser. Der 75-jährige Landwirt im Ruhestand und seine Familie sind von Anfang an im Atom-Widerstand. Jetzt - zu Zeiten des 13. Castor-Transports - ist an Ruhe aber nicht zu denken. "Das geht nicht spurlos an einem vorüber. Wir müssen uns wehren." Jeden Sonntag versammeln sich auch die Teilnehmer des Gorleben-Gebets hier zu Kaffee und Kuchen. Sie beten vor dem Erkundungsbergwerk. Das alles hält zusammen und die Dorfkneipe der Wieses am Laufen. "Wirtschaftlich hätten wir das hier schon ganz aufgegeben, aber es ist unser Lebensraum", erklärt Junior Wiese Gerhard. Er ist der jüngste Sohn der Familie. Gerade hat er sich entschlossen, mehrere Zehntausend Euro in die kleine Gastwirtschaft zu investieren. "Ich habe auch darüber nachgedacht, wegzuziehen." Doch die Wieses bleiben - trotz Gorleben. "Angst ist ein schlechter Begleiter."

"Nur über meine Eiche"

Für das Endlager Gorleben verpachtete Familie Wiese aus Gedelitz in den 70er-Jahren ihr Land. Jetzt sind sie Teil des Widerstands und hoffen auf eine Wende.

Weniger als drei Kilometer vom "Atomklo" entfernt

Gekauft wurde das Gasthaus in Gedelitz von seiner Großmutter, vor 80 Jahren. Damals gab es kein Erkundungsbergwerk, das Wörtchen "Restrisiko" kannte niemand. Heute stehen 103 Castoren mit hoch radioaktivem Atommüll weniger als drei Kilometer entfernt. Von Südwesten aus ist die Kneipe der Wieses das letzte Haus vor "dem Atomklo" Gorleben. Das Vertrauen in die Politik sei weg. "Wenn das so weitergeht, dann wähle ich als Bauer noch die Linken!" sagt Horst Wiese, ein ehemaliger CDU-Wähler. Er selbst hievte Niedersachsens ehemaligen Ministerpräsidenten Ernst Albrecht mit ins Amt. Der zeigte 1978 stolz auf eine Landkarte und verkündete, wo der Atommüll der Republik gelagert werden soll: in Gorleben.

Von den ersten Traktorblockaden an mit dabei

Eine Puppe steht mit einem Kinderwagen, in dem eine gelbe Atommüll-Tonne liegt, in einem Garten. © NDR Fotograf: Marie Elane Hansen Detailansicht des Bildes Überall entlang der Castor-Strecke stehen "Stellvertreter-Puppen", die an den Widerstand erinnern sollen. Als Landwirt war Horst Wiese einer der ersten, die im Wendland Straßen mit ihren Traktoren blockierten. Sein Sohn Gerhard Wiese ist wie er in der "Bäuerlichen Notgemeinschaft": "Wir wollen zeigen, dass es nicht nur gewaltbereite Chaoten gibt, die gegen Gorleben und Atomkraft demonstrieren, sondern eben auch die ganz normale Bevölkerung hier", erklärt der Maschinenbauingenieur Wiese Junior. 2008 wurde in ihrer Kneipe der ARD-Tatort "Salzleiche" gedreht - mit Maria Furtwängler. Doch der reale Tatort liegt für sie nur wenige Gedanken entfernt. Landflächen der Familie grenzen direkt an das Erkundungsgebiet des Salzstockes, 50 Hektar liegen genau darüber. Horst Wiese stellt klar: Sollte die Bundesregierung diese Flächen haben wollen, "dann müssten die mich enteignen. Mein Land gibt es nur über meine Eiche!"

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