Castor am Ziel - Streit geht weiter
Die Castoren haben das Zwischenlager erreicht. mehr
Im Wendland nennen sie alle nur "Vokü-Gabi": Gabriele Winiatowski sorgt für eine warme Mahlzeit auf jeder Demo.
Es riecht einfach immer und überall ein bisschen nach Holzofen im zentralen Versorgungskamp. Kein Wunder, denn in der "VolXküche" dampfen die Kessel ununterbrochen. Gerade der Nachschub an heißem Wasser ist unerlässlich - die freiwilligen Helfer in der "VolXküche" brauchen es zum Abwaschen, Gemüse garen, Kaffee aufgießen. "Ohne Mampf kein Kampf", so lautet das Motto von Gabriele Winiatowski, der guten Seele der "VolXküche". Ihren richtigen Namen kennt im Wendland eigentlich kaum jemand. Hier nennen sie alle schlicht und ergreifend "VoKü-Gabi". Sie ist eine Institution. Schon seit 2001 organisiert Gabi gemeinsam mit rund zehn Helferinnen aus der Region warmes Essen und Getränke für die Atomkraftgegner im Einsatz.
Gabriele Winiatowski, "VoKü-Gabi" genannt, ist die gute Seele der VolXküche. Tagtäglich versorgt sie die Demonstranten des Castor-Transports mit warmen Mahlzeiten.
Gabi koordiniert und verteilt alle Lebensmittelspenden an insgesamt sechs Großküchen und rund 25 kleine Küchen. Sie sind überall an der Castor-Strecke verteilt. Damit die Atomkraftgegner in der Kälte durchhalten, wird täglich gekocht. Bis zum bitteren Ende. Ein warmes Essen im Bauch motiviert ungemein zum Widerstand - gerade dann, wenn die Kälte unerträglich wird, ist Gabi überzeugt. "Diese Form der Unterstützung ist meine Art, mich gegen Atomkraft zu engagieren", sagt die Hobbyköchin.
Um die Mahlzeiten in den riesigen Kochtöpfen zuzubereiten, ist viel Holz nötig.
Eigentlich ist sie Nachtwächterin in einem Heim für behinderte Kinder. Doch sechs Wochen vor dem Castor-Transport ist die "VolXküche" ihr Fulltime-Job. Sie startet unter anderem Spendenaufrufe über Internet-Portale, die Lokalzeitung und einen privaten E-Mail-Verteiler. Deutschlandweit haben Gabi und ihre Helfer rund 150 Kontakte. Die wiederum informieren ihre potenziellen Spender.
Es sind Tausende, die mitmachen. Gerade die Biobauern aus dem Wendland sind immer wieder verlässliche Nahrungsmittel-Lieferanten. Am Ende sind es dann Tonnen von Kartoffeln, Kohl, Kürbissen, Rote Beete und mehr, die an die Küchen gehen.
Gelagert werden die Lebensmittel-Spenden in eigens aufgestellten Lagerzelten. Immer wieder checkt Gabi, was inzwischen alles eingetroffen ist. Palettenweise stapeln sich Orangen-, Tomaten- und Reismilch-Kartons in den Zelten. Gekocht wird dann das, was da ist. Mal ist es die Kürbissuppe, dann wieder der Haferbrei mit Apfelmus oder die Kartoffelsuppe. "Aber alles vegan, das ist uns wichtig", sagt Gabi. Denn es gibt viele Atomkraftgegner, die sich vegetarisch oder vegan ernähren. Und auch sie sollen nicht hungrig bleiben, nur weil Würstchen in der Kartoffelsuppe sind. Die Atomkraftgegner danken es der "VolXküche". Es ist schon lange kein Geheimnis mehr, dass die Versorgung durch Gabi und ihre Helfer eine verlässliche Größe während des Castor-Transports ist.
Die "Volxküche" bereitet nur veganes Essen zu - damit sich auch alle Protestler stärken können.
Das hat sich inzwischen auch bei der Polizei herumgesprochen. "Dabei darf die Polizei gar nichts von uns annehmen", sagt Gabi. Doch beim letzten Castor-Transport seien die Versorgungswege der Polizei so sehr blockiert worden, dass manch ein Polizist dankbar für eine warme Suppe gewesen sei. Gabi bleibt allerdings eisern, wenn es um die Dienstwaffen der Polizei geht. Nur unbewaffnete Beamte bekommen bei ihr eine warme Mahlzeit. Hungrig muss keiner bleiben. Und egal wie lange es in diesem Jahr dauern wird, bis der Castor im Zwischenlager ankommt: Das Essen für den Protest sollte reichen. Denn die Spendenbereitschaft ist wieder groß. Und wenn am Ende dann sogar noch Essen übrig ist, profitieren die Tafeln aus der Region.