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Ein modernes Fossil der Protestbewegung

von Lars Gröning
Ein blauer Bauwagen mit verschiedenen Anti-Atomkraft-Bannern und der Aufschrift "Presse". © NDR Fotograf: Lars Gröning In Dannenberg ist ein Presse-Camp aufgebaut, in dem auch das "Radio Freies Wendland" unterkommen ist.

Das erste "Radio Freies Wendland" ging schon Anfang der 80er-Jahre on Air. Damals wurde das Radioprogramm noch von einem Piratensender ausgestrahlt, der noch sendete, während das damalige Hüttendorf der Atomkraftgegner in Gorleben geräumt wurde. Damals wurde im Hüttendorf die "Republik Freies Wendland" ausgerufen. Das Radio trägt noch heute den Namen.

Castor-Radio für das Wendland

Ehrenamtlich betreuen 24 Hörfunkmacher das "Radio Freies Wendland". Die Protestler wissen die Informationen rund um den Castor-Transport zu schätzen.

Immer mittendrin

Egal, welches Protestcamp entlang der wendländischen Castorstrecke es ist, überall läuft irgendwo ein Radio oder ein Computer mit dem Programm von "Radio Freies Wendland". Es ist die Informationsbörse des Anti-Atom-Widerstandes schlechthin. Wo wird die Straße blockiert, wo die Schiene. Wann fahren Busse zu einer Demonstration. In welchem Protestcamp werden noch Geschirrtücher gebraucht, wo gibt es kein Brot mehr. All dies wird on Air mitgeteilt. Rund um die Uhr sind dafür rund zwei Dutzend freiwillige Radiomacher im Einsatz. Sie kommen von freien Radios wie dem Radio Dreiecksland aus Freiburg oder dem freien Senderkombinat in Hamburg.

"Wir sind keine Profis"

Der Innenraum eines Busses ist zur Radiostation ausgebaut. © NDR Fotograf: Lars Gröning Detailansicht des Bildes Die Sendestation des freien Radios ist in einem Kleinbus untergebracht. Die Moderatoren, Nachrichtensprecher und Reporter des Radios wollen sich nicht mit Journalisten vergleichen. Sie verstehen sich als ein Teil des Widerstandes. Das ist am Programm deutlich zu hören. Dennoch: Informationen werden, wo es geht, gewissenhaft geprüft, sagen die Radiomacher. Viele von ihnen sind nicht nur während des Castortransports auf Sendung. Sie reisen durch die Bundesrepublik und unterstützen ähnliche Programme. Einige engagieren sich schon seit 20 Jahren in der deutschen Protestradioszene.

Zwischen Internet und UKW

Das Programm von "Radio Freies Wendland" wird rund um die Uhr im Internet übertragen. Zeitweise können über eine Kooperation auch die Frequenzen des Bürgersenders "Radio Zusa" genutzt werden. Er erreicht eine Hörerschaft vom Süden Hamburgs bis hin ins Wendland.

Das "Wir-Gefühl" des Widerstands

Der Castortransport ist auch immer ein Wettstreit der Neuigkeiten. Wer gut informiert ist, ist beim Katz und Maus Spiel zwischen Demonstranten und Polizei im Vorteil. Aus Sicht der Atomkraftgegner ist es wichtig, schnell zu sein. Wenn an einem Ort eine Demonstration von der Polizei aufgelöst wird, reisen die Widerständler zur nächsten, meist nur ein paar Kilometer weiter. "Radio Freies Wendland" informiert, auf welchen Wegen die neuen Demonstrationen zu erreichen sind. Außerdem, sagen die Demonstranten, ist das Radio wichtig für das "Wir-Gefühl" des Anti-Atomprotestes. Da alle Kernkraftgegner immer über alle Aktionen im Wendland Bescheid wüssten, entstünde ein Gefühl der Stärke. Auch die Polizei hört vermutlich "Radio Freies Wendland". Ein deutliches "Ja" dazu gab es vom Pressebüro der Polizei nicht, aber auch kein Dementi. Im offiziellen Wortlaut heißt es: "Die Polizei verfolgt während des Castortransportes alle Medien"."Radio Freies Wendland" gehört wohl dazu.

Castor-Transport 2011
Links

Castor 2011 - News-Ticker

+++ Castor nach etwa 126 Stunden im Zwischenlager Gorleben angekommen +++ Polizei holt bei Grippel zwei Personen von Castor-Lkw herunter +++ Aktivisten: Räumung in Gorleben war "brutal", mehrere Verletzte +++ mehr

Weitere Informationen
Ein Polizist blickt auf einen Lkw, der einen Castor-Behälter ins Zwischenlager Gorleben bringt © dapd Fotograf: Nigel Treblin
 

Castor am Ziel - Streit geht weiter

Die Castoren haben das Zwischenlager erreicht. mehr


1.000 Atomkraftgegner blockieren Zufahrt zum Zwischenlager Gorleben.

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Castor-Reportagen
Ein Auto mit Anti-Atom-Aufkleber steht vor einem Trucker-Stop-Laden © NDR Fotograf: Arne Ziethen
 

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Die Wieses wohnen dicht am Zwischenlager Gorleben. mehr


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