Auf Messers Schneide: Uslars Klinik ohne Chirurg
Ein Nachfolger für den Chefarzt ist bisher nicht in Sicht. mehr
Im Uslarer Krankenhaus ruht ab Donnerstag das OP-Besteck.
In ländlichen Gebieten wird es zunehmend schwieriger, flächendeckend eine gute ärztliche Versorgung aufrecht zu erhalten. Das bekommt man auch am Krankenhaus in Uslar im Solling zu spüren. Dort hat nach dem Fortgang des Oberarztes nun auch der Chefarzt der chirurgischen Abteilung fristlos gekündigt. Die Folgen: Die Chirurgie wird zumindest vorübergehend geschlossen, die Patienten müssen in anderen Kliniken der Umgebung operiert werden. Am Mittwochabend hat ein Uslarer Aktionsbündnis vor dem Alten Rathaus für den Erhalt des Krankenhauses demonstriert.
Rund 500 Menschen sind für den Erhalt "ihres" Krankenhauses auf die Straße gegangen. Das teilte Uslars Bürgermeisterin Martina Daske (parteilos) mit. Im Anschluss an die Kundgebung stimmten die Demostranten für eine Resolution. Darin fordert ein Aktionsbündnis unter anderem die Neueinstellung eines Chirurgen und eine Krisensitzung des Aufsichtsrates der Klinik. Die Suche nach neuen Ärzten gestaltet sich nach Angaben des Geschäftsführers Wilfried Gründel jedoch schwierig. Als Gründe nannte er den generellen Ärztemangel, außerdem sei das Uslarer Krankenhaus wenig attraktiv.
Das Uslarer Krankenhaus kämpft seit vielen Jahren ums Überleben, inzwischen gehört es zum hessischen Klinik- und Rehazentrum Lippoldsberg. Inzwischen soll es in der Uslarer Klinik laut Medienberichten nur noch einen Arzt geben, Assistenzärzte fehlen und die Bettenzahl soll auf 38 gesunken sein. Eine Grund- und Akutversorgung der Patienten ist so kaum möglich. Genau die sei aber in Uslar wichtig, sagt Bürgermeisterin Martina Daske (parteilos): "Sie brauchen eine Dreiviertelstunde bis zum nächsten Krankenhaus. Das ist viel zu lang." Auch die Rettungsdienste könnten dies nicht ausgleichen.
Große Sorge bereitet Bürgermeisterin Daske auch die fehlende Unterstützung vom Landkreis Northeim und dem Land. Dort sei das Krankenhaus bereits totgesagt. Das sei ihr in persönlichen Gesprächen mitgeteilt worden.