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Organspendeskandal: Prozess erst im August

Eine Box mit einem menschlichen Organ. © DSO Fotograf: J. Rey Detailansicht des Bildes Bei der Organ-Vergabe soll es unter anderem in Göttingen zu Manipulationen gekommen sein. (Themenbild) Das Fazit der Braunschweiger Ankläger ist eindeutig: "Wir gehen davon aus, dass der Beschuldigte Patienten bevorzugt mit Spenderorganen versorgt hat. Das heißt: Andere Patienten in anderen Kliniken, denen es in Wahrheit sehr viel schlechter ging, haben ihr Spenderorgan nicht erhalten und sind dadurch möglicherweise verstorben." Das sagte Klaus Ziehe, Sprecher der Staatsanwaltschaft Braunschweig, dem NDR Magazin Panorama 3. Am Mittwoch hatte die Staatsanwaltschaft mitgeteilt, dass sie Anklage erhoben hat. Ein Prozess wird aber wohl frühestens im August beginnen, teilte das Landgericht Göttingen am Donnerstag mit.

Rückgang bei Organspenden

Oberstaatsanwalt Ziehe ist sicher: Der 46-jährige Arzt, der im Göttinger Transplantations-Skandal jetzt angeklagt ist, hat den Tod anderer Patienten billigend in Kauf genommen. Der Skandal hatte im vergangenen Jahr in den Transplantationszentren Göttingen, Regensburg, München und Leipzig für Schlagzeilen gesorgt. Durch ihn wurde die ganze Transplantationsmedizin in Verruf gebracht. Die Bereitschaft, Organe zu spenden, hat seitdem rapide abgenommen. Aufgeflogen war das mögliche Vergehen gegen die Regeln der Organvergabe in Göttingen: Eineinhalb Jahre lang ermittelte daraufhin die Staatsanwaltschaft Braunschweig gegen den früheren Leiter der Transplantationschirurgie an der Uniklinik.

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Patientin Ute Alms im Gespräch mit Panorama 3 Redakteurin Jasmin Klofta. © NDR
 
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"Mir bleibt nur Hoffnung"

18.06.2013 | 21:15 Uhr
NDR Fernsehen: Panorama 3

Ute Alms hat Leberkrebs, der nicht operiert werden kann. Die einzige Chance ist eine Lebertransplantation. Ein Gespräch über das Warten auf die Spenderleber. mehr

Vorwurf: Andere Patienten mussten sterben

Schild im Göttinger Klinikum © dpa - Bildfunk Fotograf: Julian Stratenschulte dpa/lsw Detailansicht des Bildes Einem 46-jährigen Mediziner werden elf Fälle von versuchtem Totschlag sowie drei Fälle von Körperverletzung mit Todesfolge vorgeworfen. (Themenbild) Im Einzelnen wirft die Staatsanwaltschaft dem 46-jährigen Mediziner versuchten Totschlag in elf Fällen vor. Hinzu kommen drei Fälle von Körperverletzung mit Todesfolge. Der frühere Leiter der Göttinger Transplantationschirurgie soll von 2009 bis 2011 Patientendaten manipuliert und bewusst falsch an die zentrale Vergabestelle von Eurotransplant gemeldet haben. Dadurch seien Patienten so weit auf der Warteliste nach oben gerutscht, dass sie innerhalb kürzester Zeit eine Spenderleber erhielten. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass durch dieses Vorgehen andere Patienten nicht mit den lebenswichtigen Organen versorgt werden konnten und sterben mussten.

Keine Angaben vom Angeklagten

Sollte das Landgericht Göttingen die Anklage zulassen, muss ein Zusammenhang zwischen Manipulationen und möglichen Todesfällen nachgewiesen werden. Gelingt das nicht, könnte es sein, dass das Verhalten des Transplantations-Mediziners als nicht strafrechtlich relevant gewertet wird. Der 46-Jährige sitzt seit Mitte Januar in Untersuchungshaft und weist den Vorwurf der Manipulation zurück. Gegenüber Panorama 3 wollte er sich nicht äußern.

Ermittlungen gegen weiteren Arzt und Fachpersonal

Gegen vier weitere Mediziner der Göttinger Universitätsmedizin wird gesondert ermittelt. Die Ermittlungen gegen medizinisches Fachpersonal wurden hingegen eingestellt. Der Verdacht, dass Geld an die Ärzte geflossen ist, hat sich zudem nicht bestätigt. Deshalb wurden die Ermittlungen gegen Patienten eingestellt.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 19.06.2013 | 08:00 Uhr

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