Neue Regeln für die Organ-Spende
Das neue Transplantationsgesetz ist am Mittwoch in Kraft getreten - während der Göttinger Organ-Skandal immer weitere Kreise zieht. Erhöht das Gesetz noch wie gewünscht die Spendebereitschaft? (02.08.2012) mehr
Der Transplantations-Skandal am Uni-Klinikum Göttingen weitet sich aus. (Archivbild)
Seit Monaten zieht der Skandal um manipulierte Organtransplantationen in der Göttinger Universitätsmedizin Kreise. Zunächst standen nur zwei leitende Ärzte im Verdacht, Patientenakten gefälscht zu haben. In bis zu 60 Fällen sollen sie so dafür gesorgt haben, dass ihre Patienten - zulasten anderer - auf der Warteliste nach oben gerückt sind. Einer der beiden Mediziner wurde wegen Fluchtgefahr vor rund zwei Wochen in Untersuchungshaft genommen. Mittlerweile sind noch 24 weitere Mitarbeiter des Krankenhauses ins Visier der Staatsanwaltschaft Braunschweig geraten. Damit richten sich die Ermittlungen nun gegen insgesamt 26 Personen.
"Wir ermitteln gegen medizinisches Fachpersonal, das an den Operationen beteiligt war", sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Birgit Seel, am Montag gegenüber NDR 1 Niedersachsen. Bei 24 Beschuldigten gebe es bislang allerdings nur einen "höchst vagen Anfangsverdacht". Noch sei unklar, ob die Krankenhausmitarbeiter wussten, dass es Manipulationen gab.
Am schwersten wiegen laut Seel weiterhin die Beschuldigungen gegen den inhaftierten früheren Leiter der Transplantations-Chirurgie. Der Mann stehe unter dringendem Tatverdacht des versuchten Totschlags in neun Fällen. Zudem bestehe in jeweils einem weiteren Fall dringender Verdacht wegen schwerer Körperverletzung und Körperverletzung mit Todesfolge. Sollte der Mediziner verurteilt werden, droht ihm eine Freiheitsstrafe von mindestens drei Jahren.
Darüber hinaus wird dem Chirurgen vorgeworfen, zwei nicht notwendige Lebertransplantationen vorgenommen zu haben. Eine Patientin, die wegen massiver Vorerkrankungen nicht hätte operiert werden dürfen, sei daraufhin gestorben. Und auch ein anderer Mann soll infolge einer unnötigen Operation zu Tode gekommen sein.
Die Staatsanwaltschaft hält es für möglich, dass es sich dabei nicht um die einzigen Taten handelt und ruft Zeugen auf, sich unter der Telefonnummer (0551) 491 69 21 mit der Polizei in Göttingen in Verbindung zu setzen.