Die Institution Kirche ist am Zug
Ein katholischer Pfarrer aus Salzgitter ist wegen sexuellen Kindesmissbrauchs in 250 Fällen zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt worden. Florian Breitmeier kommentiert. mehr
Urteilsverkündung im Landgericht Braunschweig: Der Pfarrer aus Salzgitter muss für sechs Jahre ins Gefängnis.
Ein katholischer Pfarrer aus Salzgitter, der zwischen 2004 und 2011 drei Jungen im Alter von neun bis 15 Jahren missbraucht hat, muss für sechs Jahre ins Gefängnis. Das Landgericht Braunschweig hat am Donnerstag das Urteil verkündet. Das Gericht legt dem Mann 214 Fälle von schwerem sexuellen Missbrauch und 36 Fälle von einfachem Missbrauch zur Last. Der 46-Jährige hatte erst einen Teil der Taten, später dann alle Vorwürfe gestanden.
Eines der Opfer hat der Pfarrer - hier mit seinem Anwalt Andreas Zott - mehr als 200-mal missbraucht.
Nach Angaben des Vorsitzenden Richters Manfred Teiwes gründet sich das Urteil vor allem auf das Geständnis des Pfarrers, das durch Zeugenaussagen untermauert wurde. "Der Angeklagte hat bei allen Opfern und ihren Eltern einen besonderen Vertrauensvorschuss missbraucht, der auch in seinem Priesteramt begründet lag", sagte Teiwes. Die Staatsanwaltschaft hatte in ihrem Plädoyer sechseinhalb Jahre Haft gefordert, die Verteidigung sechs Jahre. Um den Prozess nicht zu verlängern und um den Opfern weitere Aussagen zu ersparen, wurden von den anfangs 280 Fällen 30 nicht weiter verfolgt. In diesen Fällen fiel den Ermittlern die zeitliche Einordnung schwer.
Mehr als 200 der letztlich 250 Einzeltaten richteten sich dabei gegen ein einziges Opfer. Bei gemeinsamen Urlauben im Disneyland Paris, auf Usedom und in Salzburg hatte der Geistliche die Kinder laut Staatsanwältin Ute Lindemann missbraucht. Auch bei Übernachtungen im Pfarrhaus in Salzgitter-Lebenstedt sowie vor der Messe sollen sich die Taten ereignet haben. Der Priester hatte ab 2004 die Freundschaft zu einem damals neunjährigen Jungen gesucht. Als der Mutter des ersten Opfers die Bindung zwischen ihrem Sohn und dem Geistlichen zu eng wurde, freundete sich der 46-Jährige mit einer anderen Familie mit zwei Söhnen an. Diese missbrauchte er ebenfalls.
Nach dem Urteil des Landgerichts kommt auf den Pfarrer nun auch ein kirchenrechtliches Verfahren zu: Das Bistum Hildesheim will die Glaubenskongregation in Rom einschalten. Der 46-Jährige müsse damit rechnen, aus dem Priesterdienst entlassen zu werden, erklärte Bistumssprecher Michael Lukas. "Entweder wird das Verfahren in Rom entschieden oder an das Bistum zurückverwiesen", sagte Lukas.