45 Min - Risiko Gen-Nahrung?
Gentechnik ist in Deutschland schon weit verbreitet. Sie versteckt sich in Zutaten und Zusatzstoffen. Niemand kann mehr für gentechnikfreie Nahrung garantieren. Warum ist das so? mehr
Zu ihrer jährlichen Aktionärsversammlung sind die Verantwortlichen der Einbecker KWS Saat AG am Mittwoch nur durch die Hintertür gekommen. Der Haupteingang des Saatgut-Konzerns war durch eine Sitzblockade versperrt. "Gentechnik sucht Hintertürchen", so das Motto der Demonstranten, die für eine Landwirtschaft ohne gentechnisch verändertes Saatgut eintreten.
Mit lautstarkem Protest wurde auch bei der diesjährigen Aktionärsversammlung der KWS Saat AG am Mittwoch für eine Landwirtschaft ohne Gentechnik demonstriert.
Zu der Aktion aufgerufen hatten das Bündnis "junge Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft" (jAbL) und die Initiative "Witzenhäuser Agrar-Studierende, Landwirte und Gärtner für eine gentechnikfreie Landwirtschaft". Rund 150 Menschen versammelten sich, auch einige Trecker halfen beim Versperren des Eingangs. Die Demonstranten forderten, dass der führende deutsche Saatzuchtunternehmer die Erforschung und Produktion gentechnisch veränderter Saaten beendet. Genehmigt war lediglich eine Demonstration auf der Straße vor dem Werksgelände in Einbeck.
Es gebe keine unabhängigen Prüfverfahren, die die Unbedenklichkeit genveränderten Saatguts beweise, sagte Klara Eder von der jAbL. Zwar müsse jedes gentechnisch veränderte Produkt von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) auf seine Unbedenklichkeit überprüft werden, doch bei diesen Überprüfungen würden nicht alle möglichen Risiken in Betracht gezogen.
Die Demonstration in Einbeck richtete sich in diesem Zusammenhang auch gegen den Konzern Monsanto, Weltmarktführer bei Saatgut und Wettbewerber der KWS, wegen möglicher Risiken insbesondere des Spritzmittels "Roundup". Experten haben dessen Wirkstoff unter anderem mit Geburtsfehlern in Verbindung gebracht. Um sich auch direkt auf der KWS-Hauptversammlung äußern zu können, hat das Bauern-Bündnis jABL im Vorfeld Aktien der KWS gekauft und kann somit auf der Versammlung sprechen und Gegenanträge einbringen.
Nach Angaben des Bündnisses ist die Bilanz der Agro-Gentechnik für das Jahr 2011 "vernichtend". Demnach lehnen mehr als 80 Prozent der Bevölkerung Gentechnik in ihren Lebensmitteln ab, der Anbau beschränke sich daher auf zwei Hektar und auch die Anzahl der Freilandversuche sinke stetig. "Die Gentechnik befindet sich auf dem Rückzug", so Klara Eder. Die Zukunft des Planeten hänge davon ab, ob die Politik sich "endlich gegen die Agrarindustrie durchsetzen" könne.
In Deutschland spielt die Vermarktung gentechnisch veränderten Saatguts laut KWS keine Rolle.
KWS-Vorstand Philip von dem Busche sagte vor der Hauptversammlung, in Deutschland sei die Vermarktung gentechnisch veränderter Saaten kein Thema - allerdings sei in Einbeck der zentrale Forschungsstandort für das Unternehmen. Freilandversuche seien fast unmöglich, neue Saaten würden in Gewächshäusern erprobt.
Das Unternehmen hat im vergangenen Jahr seinen Gewinn vor Steuern um 42 Prozent auf mehr als 116 Millionen Euro steigern können. Die KWS ist der viertgrößte Saatgut-Produzent weltweit. Verkaufsschlager sind nach wie vor Mais und Zuckerrübe, Getreide und spezielle Energiepflanzen ziehen nach. Ein Viertel des Umsatzes macht das Unternehmen in Deutschland, 30 Prozent in den USA - dort fast ausschließlich mit gentechnisch veränderten Sorten.