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ICE rauscht grußlos an Göttingen vorbei

Ein ICE am Bahnsteig © picture-alliance / Sven Simon Fotograf: Frank Hoermann/SVEN SIMON Detailansicht des Bildes Am Mittwoch fuhr ein ICE trotz geplanten Halts einfach an Göttingen vorbei. Ziemlich viele verdutzte Gesichter dürfte es am Mittwochabend am Bahnhof in Göttingen gegeben haben. Zahlreiche Reisende, die um 18.56 Uhr mit dem ICE 584 in Richtung Norden fahren wollten, mussten nämlich mit ansehen, wie ihr Zug einfach an ihnen vorbeirauschte. Der aus München kommende ICE habe erst in Hannover gestoppt, sagte ein Bahnsprecher am Donnerstag auf Anfrage von NDR.de. Grund für die Panne sei vermutlich ein "individuelles Fehlverhalten des Lokführers" gewesen. Ein technischer Defekt sei dagegen auszuschließen.

Eindrücke eines Fahrgasts

"Kurz vor Göttingen hat die Zugchefin eine Durchsage gemacht, dass der Bahnhof in Göttingen zu kurz sei und die Leute aus dem letzten Waggon dort nicht aussteigen könnten. Sie sollten bitte einen weiter vorne benutzen. Diese Info amüsierte bereits mich und einige andere Fahrgäste. Dass wir an Göttingen vorbeigefahren sind, habe ich gar nicht mitbekommen. Erst kurz danach kam die entsprechende Durchsage. Danach ging ein Gelächter durch mein Abteil. Ich selber fand es auch ziemlich amüsant, da ich ja nicht direkt betroffen war. Mein Ziel war Hamburg und wir hatten bis Göttingen bereits Verspätung.

Eine Frau, die aussteigen wollte, hat per Handy Kontakt mit Angehörigen aufgenommen, die anscheinend in Göttingen auf sie warteten. Sie wirkte aber nicht sauer, eher ratlos, wie sie jetzt nach Göttingen kommen soll. Ein anderer Fahrgast meinte, dass immer etwas ist. Wir wurden informiert, dass wir bis Hannover durchfahren müssten.

Kurz vor Hannover hat sich die Zugchefin noch einmal entschuldigt und weitere Verbindungen nach Hannover und andere Ziele durchgegeben. Zumindest sind wir pünktlich in Hannover angekommen, was sich leider bis Hamburg nicht gehalten hat, da angeblich ein Blitz in ein Stellwerk eingeschlagen war. Die Zugchefin hat sich wieder entschuldigt und gesagt, dass sie hofft, dass trotz alledem auch weiterhin mit der Bahn gereist wird.

Wie man durch einen Bahnhof am Bahnsteig vorbeifahren kann, kann ich mir nicht erklären. Der Zugführer muss ja irgendwie abgelenkt gewesen sein."

Reisende können Erstattung beantragen

Die rund 40 Fahrgäste, die statt in Göttingen erst in Hannover aussteigen konnten, wurden von der Bahn kostenlos zurückgefahren. Sie trafen nach Auskunft des Bahnsprechers mit 86-minütiger Verspätung an ihrem Zielort ein. Entsprechend der tariflichen Regelung bekommen sie auf Antrag 25 Prozent ihres Reisepreises erstattet. Die Bahn werde ihnen auf dem Wege der Kulanz im Einzelfall aber zusätzlich entgegenkommen, sagte der Sprecher gegenüber NDR.de. Vermutlich leer aus gehen dagegen die 30 Reisenden, die in Göttingen einsteigen wollten. Da der nächste ICE in Richtung Hannover bereits 16 Minuten später abfuhr, steht ihnen voraussichtlich keine Entschädigung zu. Auch hier werde die Bahn aber Beschwerden im Einzelfall prüfen.

"Der Lokführer muss ziemlich unaufmerksam gewesen sein"

Relativ gelassen nahm der Fahrgastverband Pro Bahn den Vorfall zur Kenntnis. "Es ist ja niemand wirklich zu Schaden gekommen", sagte der Regionalvorsitzende Süd-Niedersachsen, Gerd Aschoff. Nachvollziehen kann er den Fehler des Lokführers allerdings nicht. "Der muss - milde ausgedrückt - ziemlich unaufmerksam gewesen sein", so Aschoff. "Der ICE hält im Vergleich zu anderen Zügen eh schon relativ selten, da sollte man eigentlich jeden Halt auf dem Schirm haben."

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Eine Bildmontage eines ICE während der Fahrt als Poskarte. © dpa - Report Fotograf: Jürgen Lösel
 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Braunschweig | 16.05.2013 | 09:30 Uhr

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