Talk aus Hannover
Ihre Gastgeber sind Bettina Tietjen und Dr. Eckart von Hirschhausen. mehr
Mediziner und Komiker: Dr. Eckart von Hirschhausen.
Er ist wohl einer der bekanntesten deutschen Ärzte. Und das obwohl, oder vielleicht gerade weil, er für seine Therapien ganz und gar ohne Skalpell, weißen Kittel und Rezeptblock auskommt: Dr. Eckart von Hirschhausen - Mediziner, Wissenschaftsjournalist, Kabarettist, Buchautor und Moderator - erhielt am Freitag den Münchhausen-Preis der Stadt Bodenwerder (Landkreis Holzminden). Und gesellt sich mit dieser Auszeichnung zu den bekanntesten Wort-Künstlern der vergangenen Jahre.
Wissenschaft, Weisheit, Witz - das sind die Zutaten, mit denen Hirschhausen sowohl die Leser seiner Bücher als auch die Besucher seiner Bühnenprogramme überzeugt. Seit Mitte der 90er-Jahre ist er als Zauberer, Stand-Up-Comedian und Moderator auf Kabarett-Bühnen und im Fernsehen zu sehen. Auch Medizin-Kolumnen in Magazinen und Zeitungen oder Wissens- und Ratgeber-Sendungen gehören zu seinem Repertoire.
der Stadt Bodenwerder wird an Menschen mit besonderer Begabung in Darstellungs- und Redekunst, Fantasie und Satire verliehen. Der mit 2.500 Euro dotierte Preis wurde im Münchhausen-Jahr 1997 aus Anlass des 200. Todestages des historischen Barons von Münchhausen gestiftet. Ausgezeichnet wurden unter anderem Dieter Hildebrandt, Norbert Blüm, Ephraim Kishon, Evelyn Hamann, Rudi Carrell und Götz Alsmann.
Hieronymus Carl Friedrich Freiherr von Münchhausen wurde am 11. Mai 1720 in Bodenwerder geboren. Ihm werden mehr als einhundert Lügengeschichten zugeschrieben.
Hirschhausen wurde 1967 in Frankfurt am Main geboren und studierte in Berlin, Heidelberg und London Medizin. Schon während des Studiums muss ihm wohl klar gewesen sein, dass auch ernsthafte Wissenschaft nicht ganz ohne Spaß auskommt: Als Medizinstudent in einer englischen Klinik habe er erprobt, wie man sich bei Laune halte im humorfreien Raum, erzählte Doktor Hirschhausen einmal in einem Zeitungsinterview. Dabei hätten er und seine Kommilitonen an einem festen Tag in der Woche darum gewetteifert, wer unter dem Kittel die hässlichste Krawatte trug. Das sei nicht nur witzig, sondern auch gemeinschaftsbildend gewesen.
Mit "Die Leber wächst mit ihren Aufgaben" (2007) verfasste Hirschhausen einen Bestseller über die Absurditäten der Medizin. Aber nicht nur der Medizin, auch Alltagsthemen nimmt sich Hirschhausen auf wissenschaftliche und humorvolle Weise an. "Stellen sie sich vor, Sie selbst wären das Glück. Würden Sie dann gerne bei sich vorbeikommen?", schreibt Hirschhausen in seinem Buch "Glück kommt selten allein ..." (2009). Darin erklärt er beispielsweise, warum Frauen so gerne Schuhe kaufen oder warum Bronze-Medaillengewinner glücklicher sind als Goldmedaillen-Gewinner. Oder er erklärt das Kommen und Gehens des Glücks einfach und lakonisch so: "Mal bist du die Taube, mal bist du das Denkmal."
Seit 2009 moderiert Hirschhausen an der Seite von Bettina Tietjen.
"Als Moderator zu arbeiten, ist die einzige Chance, einmal im Monat eingeladen zu sein", sagte Hirschhausen selbstironisch, als er 2009 die Co-Moderation der NDR Talkshow Tietjen und Hirschhausen übernahm. Das hat Hirschhausen sich offenbar zum Motto für seine TV-Arbeit gemacht: Im Mai 2010 moderierte er als Nachfolger von Jörg Pilawa erstmals die ARD Show "Frag doch mal die Maus". "Meine TV-Karriere begann vor 15 Jahren beim WDR, als Praktikant bei ,Quarks & Co'", schreibt Hirschhausen auf seiner Homepage. Mit Frag doch mal die Maus habe sich sein Wunsch erfüllt, eine spielerische Unterhaltungssendung für die ganze Familie zu moderieren. Für Praktika sei er ja inzwischen zu alt, findet Hirschhausen.
Seit 2007 war er außerdem regelmäßiger Gast bei "Schmidt & Pocher". Im vergangenen Jahr kamen außerdem die ARD Shows "Das fantastische Quiz des Menschen" und "Deutschlands größter Gedächtnistest" hinzu.
In seinem aktuellen Bühnen-Programm "Liebesbeweise" geht der Kabarettist der Frage nach, ob es die große Liebe gibt oder viele kleinere, und erklärt, was Liebeskummer und Drogenentzug gemeinsam haben.
Von der therapeutischen Wirkung des Lachens ist Hirschhausen übrigens überzeugt: 2008 gründete er die Stiftung "Humor hilft heilen", die Spenden für Clown-Auftritte in Krankenhäusern sammelt.