Universitätsstadt Göttingen
Jeder fünfte Einwohner studiert, Tausende arbeiten an der Uni. mehr
Nur fünf Minuten soll Grass (r., mit Verleger Steidl) für den Entwurf des Denkmals gebraucht haben.
Göttingen ist wohl die einzige deutsche Stadt, die ein von einem Nobelpreisträger entworfenes Denkmal vorweisen kann. Kein Geringerer als Günter Grass enthüllte am Donnerstag auf dem Campus der Georg-August-Universität sein Werk zu Ehren der "Göttinger Sieben". Mehr als 170 Jahre nach ihrer Rebellion gegen das Königreich Hannover haben die sieben Professoren um Jacob und Wilhelm Grimm damit endlich auch in ihrer Heimat ein Denkmal bekommen.
Die "Göttinger Sieben" protestierten 1837 gegen die Aufhebung der Verfassung im Königreich Hannover. Sie verfassten eine Protestschrift, die innerhalb von wenigen Tagen von ihren Studenten tausendfach abgeschrieben und in ganz Deutschland versandt wurden. Drei der sieben Professoren wurden daraufhin des Landes verwiesen. Die wohl prominentesten Vertreter der "Göttinger Sieben" sind die Brüder Wilhelm und Jakob Grimm, mit denen sich Grass auch in seinem jüngsten Buch "Grimms Wörter" beschäftigt.
Sieben mutige Professoren stellten sich gegen den König.
Göttingen und Günter Grass - diese Beziehung stand zunächst unter keinem guten Stern. Schließlich schmiss der spätere Literatur-Nobelpreisträger dort sein Abitur. Doch später kehrte er zurück in die traditionsreiche Universitätsstadt und fand den Verlag, der sein Gesamtwerk herausgeben sollte. Zusammen mit dem Verleger Gerhard Steidl hat Grass nun das Denkmal gestiftet, eine knapp drei Meter hohe Plastik.
"Die Würdigung der Wissenschaftler war mehr als überfällig", gab Oberbürgermeister Wolfgang Meyer (SPD) in seiner Dankesrede am Donnerstag unumwunden zu. Warum erläuterte der Stifter Grass so: "Die Professoren haben ein mutiges Engagement gezeigt, das zwar bitter bekämpft wurde, aber auf das später in ganz Europa gehört wurde." Man könne heute nur dazu aufrufen, diesem Beispiel bei Unrecht zu folgen.
Lange Zeit erinnerte nur Hannover an die "Göttinger Sieben".
Der Entwurf, den der ausgebildete Bildhauer und Grafiker Grass in fünf Minuten mit dünnem Filzstift aufs Blatt gebracht hat, zeigt ein G und eine 7. Aus großen Stahlplatten wurden Buchstabe und Ziffer zweifach ausgeschnitten und dann mit Metallbändern zu einer plastischen Figur verschweißt. Diese wurde dann auf einem Sandsteinsockel montiert, der mit der Protestschrift der Göttinger Professoren von damals graviert wird.
Mehr als 170 Jahre dauerte es, bis Göttingen seine berühmten Rebellen nun ehrt. Bislang erinnerte nur Hannover mit einem Bronze-Denkmal an die Professoren. 1998 wurde das Werk von dem italienischen Künstler Floriano Bodini neben dem Landtag aufgestellt.
Zum 175. Jahrestag des Protestes der "Göttinger Sieben" im kommenden Jahr soll es eine Sonderbriefmarke geben. Wie die Stadt Göttingen am Donnerstag mitteilte, werde die Briefmarke voraussichtlich im November 2012 erscheinen.