Rettung für Braunschweigs Stadtmauer
Die Stadt ließ die historischen Funde bergen und sicher einlagern. (18.10.2011) mehr
Kreis-Archäologin Lönne geht von Wiederholungstätern aus.
Die Diebe kamen nachts - mit Spitzhacke und Spaten. Zwei riesige Löcher hoben sie aus, jeweils zwei Meter lang und fast zwei Meter tief. Stunden müssen sie gebraucht haben, bis sie die Keramiken aus der Erde heben konnten. Kreis-Archäologin Petra Lönne steht fassungslos vor den Löchern. Sie geht davon aus, dass in dem kleinen historischen Töpferdorf Fredelsloh im Landkreis Northeim sogenannte Raubgräber zugeschlagen haben.
Zehntausende solcher Raubgräber soll es in Deutschland geben, schätzen Experten. Die Hobby-Archäologen ziehen wie in Fredelsloh meist am Wochenende los zur Schatzsuche. Waldböden, Felder und Baugruben durchwühlen sie und richten dabei nicht selten enorme Schäden an. Der als Töpferdorf Niedersachsens bekannte Ort Fredelsloh passt gut in ihr Beuteschema. Schon seit 1.000 Jahren bauen die Menschen hier in der Gegend Ton ab, das Dorf hat sich zu einem Refugium für Kunst-Handwerker entwickelt. Schätze gibt es hier zuhauf zwischen den historischen Töpferei- und Ziegelei-Standorten. Seit Jahrzehnten ist bekannt, dass hier Öfen und Keramiken aus der Anfangszeit des Töpferhandwerks, aus dem 12. Jahrhundert, im Boden liegen. Dort sollte alles bleiben - als Bodendenkmal.
Scheinbar unbrauchbare Scherben ließen die Diebe zurück.
Archäologin Lönne glaubt an Wiederholungstäter: "Das waren solche, die genau wussten, dass an diesen Stellen wertvolle Keramiken im Boden liegen." Wie viele Stücke sie erbeutet haben, sei unklar. " In der Dunkelheit haben die Diebe aber nicht einmal alles mitgenommen, was die freigelegt haben, einige Gefäße lagen noch in den Gruben", so Lönne.
Dass die Räuber ihr Diebesgut verkaufen werden, glaubt Lönne nicht. Das würde auffallen. Sie geht davon aus, dass die Raubgräber Liebhaber sind und ihre Beute in heimischen Vitrinen ausstellen wollen.