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Binnenschiffer machen Auszeit wegen Eiszeit

von Dirk Plasberg, NDR 1 Niedersachsen

Nichts geht mehr auf den Wasserstraßen im Norden. Dicke Eisschollen, von den Eisbrechern zusammengeschoben, wirken auf den Betrachter rau, bizarr und unruhig. Schlittschuhlaufen? Unmöglich. Hier in Edesbüttel (Landkreis Gifhorn), wo der Elbe-Seiten-Kanal in den Mittellandkanal mündet, wirkt die Landschaft trübe und grau. Leichter Schneefall, die fünf Binnenschiffe sind im Eis festgefroren. Die Ladung reicht von Schrott bis Kohle.

Eisschicht auf dem Geländer

Minus fünf Grad sind es am Donnerstagmorgen, der Wind weht kalt über das Deck des 70 Meter langen Binnenschiffes von Regina und Jörg Borchert aus Lauenburg (Schleswig-Holstein). Eine kleine Eisschicht hat sich auf dem Geländer gebildet, auf dem Weg zur Kajüte ist es rutschig und glatt. "Ja, da müssen sie im Winter aufpassen, dass sie nicht ausrutschen", sagt Regina Borchert.

Berlin wartet auf 800 Tonnen Kohle

Ein mit Kohle beladener Kahn. © NDR Fotograf: Dirk Plasberg Detailansicht des Bildes Die 800 Tonnen Kohle werden Berlin nicht mehr rechtzeitig erreichen. Beladen ist das Schiff mit Kohle für das Kraftwerk in Berlin. Auf die 800 Tonnen Ladung müssen die Berliner noch eine Weile warten. "Es ist natürlich unangenehm, wir wollten die Ladung abliefern", sagt Jörg Borchert. Es sei aber abzusehen gewesen, dass sie wegen der Minusgrade die Ladung nicht pünktlich abliefern können. "Deshalb sind wir an der Liegestelle in Edesbüttel geblieben, weil der Standort von der Infrastruktur sehr gut ist", so Borchert. Hier gibt es viele Einkaufsmöglichkeiten, und auch Braunschweig ist nicht weit als Zentrum.

Eisgeld ist Historie

Äußerlich wirkt Jörg Borchert gelassen, doch er macht sich Sorgen. "Jeder Eistag kostet uns 1.000 Euro. Es ist beunruhigend, dass wir schon den dritten Winter in Folge nicht fahren können und im Sommer versuchen müssen, Rücklagen zu bilden, um den nächsten Winter überstehen zu können", sagt er seufzend.

Das wird immer schwieriger. Der Ertrag sinkt, die Kosten steigen. "Diesel und Öle sind in den letzten zehn Jahren um 130 Prozent gestiegen. Dagegen kann man kaum anarbeiten, zumal die Transporte immer günstiger werden sollen. Berufsgenossenschaft, Krankenkassen-Beiträge, Monteursstunden für Reparaturen und Ersatzteile - alles wird immer teurer". Eisgeld wie noch vor 20 Jahren gibt es nicht mehr, eine finanzielle Unterstützung wie Ausfallzahlungen für die Landwirte, das wünscht sich das Ehepaar auch für die Binnenschiffer.

"Die Gefrierschränke sind voll"

Frachtschiffe sind in einem Kanal festgefroren © NDR Fotograf: Dirk Plasberg Detailansicht des Bildes Tauwetter, warmen Wind oder wenigstens einen Eisbrecher wünschen sich die Binnenschiffer. Da heißt es: Kalkulieren und auch auf den Preis im Supermarkt achten. "Man muss aufpassen, dass man in dieser Liegezeit nicht zu viel Geld ausgibt. Aber die Gefrierschränke sind voll, verhungern werden wir schon nicht", sagt Regina Borchert mit einem Lächeln.

Langweilig wird es den Borcherts auf ihrem Schiff nicht. Sie haben einige Wartungsarbeiten zu erledigen und freie Zeit - zwangsweise. Ihre 50 Quadratmeter Schiffswohnung ist gemütlich eingerichtet. Das Auto ist immer dabei, so sind sie mobil.

Übers Wochenende in die Heimat

"Es ist wie ein Zwangsurlaub, wir müssen das Beste draus machen. Da nutzen wir jetzt die Zeit, weil wir im Sommer keine Zeit dafür haben", sagt Regina Borchert. "Während des Fahrtbetriebes lenken wir aus dem Steuerhaus das Schiff, jetzt sind wir viel häufiger in unserer Wohnung." Tauwetter, warmer Wind und Regen, das wünschen sich die Borcherts jetzt dringend. Und einen Eisbrecher, der die Fahrrinne wieder freischaufelt. Bis es soweit ist, wird sicherlich noch eine Woche vergehen. Deshalb gönnen sie sich jetzt eine Auszeit und fahren mit ihrem Auto übers Wochenende in ihre Heimat nach Lauenburg. In der Zeit passt der Schiffsnachbar auf Schiff und Ladung auf.

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