Streit um Entsorgung der Asse-Lauge
Eine Braunschweiger Firma will die kontaminierte Lauge im maroden Bergwerk Asse reinigen. Sie sieht sich offenbar kurz vor dem Auftrags-Zuschlag. Das Ministerium widerspricht. mehr
Wann der Atommüll aus der Asse geholt wird, ist noch immer unklar. (Archivbild)
Dass der Atommüll aus der einsturzgefährdeten Asse im Kreis Wolfenbüttel raus muss, daran zweifelt wohl niemand mehr. Die Frage ist bloß wann und wie das geschehen soll. Bevor an ein Konzept für eine Rückholung überhaupt gedacht werden kann, braucht es weitere Erkenntnisse. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) arbeitet seit April daran, eine erste Probebohrung an einer der Einlagerungskammern unter Tage vorzubereiten. Sie soll wichtige Informationen darüber bringen was in der Asse eigentlich genau gelagert wird.
Eigentlich sollte die Anbohrung längst passiert sein. Eine Genehmigung der Aufsichtsbehörde, dem niedersächsischen Umweltministerium liegt zwar vor, aber die ist gekoppelt an eine Vielzahl von Auflagen und komplizierten Vorschriften - und so verzögert sich das ganze Verfahren immer weiter.
Im September besuchte Wolfram König vom BfS zusammen mit dem Umweltausschuss das marode Bergwerk. Seitdem hat sich scheinbar wenig getan. (Archivbild)
Unabhängige Gutachter, vom Umweltministerium beauftragt, müssen jeden einzelnen Schritt der Vorbereitungen zur Probebohrung absegnen. Insgesamt rund 1.400 Arbeitsschritte, sagte Werner Nording, Sprecher des BfS, dem Betreiber der Asse. Das koste einfach viel Zeit. Wenn es nach ihm ginge, würde das BfS schneller arbeiten, aber das ginge nicht. Dennoch glaube das BfS, noch in diesem Winter mit der Bohrung beginnen zu können. Die Bohranlage und verschiedene Apparaturen etwa zum Sammeln des Bohr-Staubes seien bereits installiert.
Das niedersächsische Umweltministerium sieht sich übrigens nicht in der Verantwortung für die Verzögerungen und schiebt den schwarzen Peter dem BfS zu: Die Genehmigung für die Bohrung sei erteilt, sagte eine Sprecherin dem NDR. Es sei am BfS, die daran gekoppelten 32 Auflagen einzuhalten und umzusetzen.
Die Bürgerinitiativen im Umkreis der Asse betrachten genau das kritisch. Dass bei der Probebohrung auf Sicherheit gesetzt werde sei das eine, dass alles aber so lange dauere, sei nicht akzeptabel, beklagte Heike Wiegel, vom Asse-II-Koordinationskreis. Bereits die Genehmigung zur Anbohrung habe mit sechs Monaten viel zu lange gedauert. Und Zeit sei der wichtigste Faktor, denn niemand wisse, ob das marode Bergwerk vielleicht schon morgen in sich zusammenbreche.