Dossier: Der Streit um die Atomkraft
Störfälle, Pannen, Demonstrationen - im Norden sorgt die Nutzung der Kernenergie seit mehr als 30 Jahren für Schlagzeilen. NDR.de informiert über eine umstrittene Technologie. mehr
Wie die kontaminierte Lauge entsorgt wird, bleibt unklar. (Archiv)
Das Salzbergwerk Asse bei Wolfenbüttel steht kurz vor dem Kollaps, der Atommüll muss raus - das steht fest. Die Planungen für die Rückholung der 126.000 Fässer laufen auch bereits. Doch bevor es losgehen kann, muss der Zustand der Fässer begutachtet werden. Das wird aber von einer Salzflüssigkeit erschwert, die sich in einer der Kammern des Bergwerks angesammelt hat. Die verstrahlte Lauge, rund 80.000 Liter, muss entsorgt werden. Nur wie? Ein Unternehmen in Braunschweig hat sich daran testweise versucht - und wähnt sich nun offenbar kurz vor der Genehmigung für diese Arbeiten. Doch das Umweltministerium streitet das ab.
Die Firma Eckert & Ziegler war an ihrem Standort Braunschweig beauftragt worden, einen Versuch mit 100 Litern kontaminierter Asse-Lauge durchzuführen, um eine Entsorgungsmöglichkeit aufzuzeigen. Das Umweltministerium bestätigt, dass die Tests nun abgeschlossen sind. Ergebnis: Die Kontamination der behandelten Laugen lag mit 26.000 Becquerel pro Liter nur knapp über dem Grenzwert. Eckert & Ziegler soll daraufhin laut Ministerium vermeldet haben, dass die Tests überaus erfolgreich verlaufen sind und am Standort Braunschweig die notwendige Infrastruktur, die Geräte sowie sämtliche Genehmigungen zur Beseitigung des Laugensumpfes in der Asse vorliegen. Davon will man im Ministerium nichts wissen.
Es seien noch "eine Reihe von technischen und logistischen Fragen zum Verfahren und zum Entsorgungskonzept" zu klären, sagte Ministeriumssprecherin Inka Burow am Mittwoch. Darüber hinaus habe Eckert & Ziegler keine Stellung zu den entstehenden Kosten genommen. Und die wird in Hannover auch offenbar gar nicht mehr erwartet. "Das Umweltministerium schließt eine Beauftragung der Firma Eckert & Ziegler zur Behandlung weiterer Asse-Laugen am Standort Braunschweig aus, weil die Voraussetzungen hierfür vor Ort nach Auffassung des Umweltministeriums nicht gegeben sind", so Sprecherin Burow.
Bei Eckert & Ziegler hält man die Begründung des Ministeriums nur für vorgeschoben: Das Kernproblem bestehe darin, dass in der Politik die Auffassung vorherrsche, "dass man den Bürgern nirgendwo zumuten könne, eine Aufarbeitung der eigentlich harmlosen Lauge hinzunehmen". Statt den Betroffenen offen zu sagen, "wir wollen lieber nichts machen, es könnte Ärger geben, tut man so, als ob technische Probleme die Aufreinigung verhindern", sagte eine Unternehmenssprecherin am Donnerstag.