Asse: Erstes Atommülllager unter der Erde
In dem ehemaligen Salzbergwerk Asse II wurden knapp 126.000 Fässer radioaktiver Müll eingelagert. Die Schachtanlage soll geschlossen werden - sie droht einzustürzen. mehr
Für das Bundesamt für Strahlenschutz ist die Rückholung des Atommülls aus der Asse ein Wettlauf gegen die Zeit.
Der Atommüll in der Asse kann nach Angaben des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS) nicht vor dem Jahr 2021 geborgen werden. "In zehn Jahren werden wir eine Rückholung nicht abgeschlossen haben", sagte BfS-Präsident Wolfram König im niedersächsischen Remlingen und verwies auf zahlreiche Unwägbarkeiten. Das Problem: Das Bergwerk ist einsturzgefährdet, unter anderem wegen des Einbruchs von täglich 10.000 bis 12.000 Litern Salzwassers. Die Standsicherheit bis zum Jahr 2021 gilt derzeit als wahrscheinlich. Was aber danach passiert, können Experten heute noch nicht abschätzen. Die Bergung der Müllfässer könnte also zum Wettlauf mit der Zeit werden.
Möglichst noch in diesem Jahr will das Bundesamt für Strahlenschutz erste Schritte unternehmen, um den Atommüll aus der Asse zurückzuholen. Zur Vorbereitung sollen zwei Lagerkammern in 750 Metern Tiefe angebohrt werden. Dann müsse laut König geprüft werden, in welchem Zustand die Fässer mit dem radioaktiven Abfall seien und wie die Rückholung bewerkstelligt werden könne. Möglich ist, dass sich der Atommüll wegen des Einflusses durch Salz und Wasser nicht mehr in den Fässern befindet. Insgesamt müssen bis zu 100.000 Tonnen Atommüll geborgen werden, was mehrere Milliarden Euro kosten und zum Teil über die Brennelementesteuer finanziert werden soll.
Indes will sich die Bundesregierung nicht darauf festlegen, den Atommüll aus dem maroden Lager zurückzuholen. In einem Bericht des Umweltministeriums vom Mittwoch hieß es, es gebe "noch offene Punkte, die die Realisierbarkeit schwieriger als geplant gestalten und sogar infrage stellen könnten."
Die Einlagerungskammer 7 soll noch in diesem Jahr angebohrt werden.
Grund dafür seien der Zustand der Einlagerungskammern und Abfallfässer sowie die Menge und Zusammensetzung des radioaktiven und chemischen Inventars. Eine endgültige Entscheidung über die Stilllegung der Schachtanlage Asse II könne daher zurzeit noch nicht getroffen werden, hieß es in dem Bericht. Die Bergung der Abfälle erscheine zwar als die beste Lösung, dies gelte aber nur, wenn ein Großteil der Abfälle herausgeholt werden könne.
Insgesamt wurden zwischen 1967 und 1978 etwa 126.000 Fässer mit schwach- und mittelradioaktivem Atommüll in das ehemalige Salzbergwerk gekippt. Für das BfS ist die Bergung des radioaktiven Mülls ein Wettlauf mit der Zeit. Zum einen gefährdet das eindringende Wasser die Standfestigkeit des einsturzgefährdeten Bergwerks, zum anderen drückt das Gebirge massiv. "Wir wissen, dass wir eine Aktivität haben, die nicht beruhigt", sagte König. Er steht vor einer Aufgabe, für die es international kaum Vergleiche gibt.