Asse: Erstes Atommülllager unter der Erde
In dem ehemaligen Salzbergwerk Asse II wurden knapp 126.000 Fässer radioaktiver Müll eingelagert. Die Schachtanlage soll geschlossen werden - sie droht einzustürzen. mehr
Wolfram König (rechts), Präsident des Bundesamtes für Strahlenschutz, führte die Mitglieder des Umweltausschusses durch das Atommülllager Asse.
Der Umweltausschuss des Bundestages hat sich bei einem Besuch des maroden Atommülllagers Asse bei Remlingen (Landkreis Wolfenbüttel) überwiegend für eine beschleunigte Rückholung der radioaktiven Abfälle ausgesprochen. Der Wettlauf mit der Zeit sei an jeder Stelle spürbar, erklärte Matthias Miersch (SPD) und wünschte sich eine bessere Abstimmung der Ministerien. Vorsitzende Eva Bulling-Schröter von der Linkspartei sprach sich wie mehrere Bürgerinitiativen für eine verwaltungsrechtliche Beschleunigung aus. Die 15 Abgeordneten zeigten sich fassungslos, dass die Anlage einst als unbedenklich eingestuft werden konnte.
Das Umweltministerium hatte zuvor mitgeteilt, dass in diesem Winter die erste Einlagerungskammer der umstrittenen Schachtanlage angebohrt werden soll. Man erhofft sich dadurch, genauere Informationen für die Rückholung der radioaktiven Abfälle zu erhalten. Diese soll rund zwei Milliarden Euro kosten.
Rund 126.000 Fässer mit leicht- und mittelradioaktivem Müll müssen in den kommenden Jahren aus den Schächten geholt werden. Technologisch wird damit Neuland betreten. Schon lange wird über die Sanierung des maroden Atommülllagers gestritten. In das frühere Bergwerk dringen täglich zwölf Hektoliter Salzlauge ein. Erst im April dieses Jahres war vor der als riskant geltenden Kammer 12 eine Konzentration von radioaktivem Cäsium von 240.000 Becquerel pro Liter gemessen worden - das 24-fache des erlaubten Grenzwerts.
Umweltschutzgruppen dauert es zu lange, bis der Atommüll aus der Asse zurückgeholt wird.
Über den Fahrplan zur Sanierung gibt es immer wieder Streit. Rund zwei Dutzend Demonstranten empfingen die Parlamentarier am Eingang des Geländes. Ihr Anliegen: Sie wollen, dass die Abgeordneten beim laufenden Genehmigungsverfahren zur Rückholung des Atommülls Druck machen. Das Verfahren sei nur mit zahllosen Auflagen erteilt, alles dauere viel zu lange, sagte ein Sprecher der Gruppen. Außerdem müsse sich der Ausschuss fraktionsübergreifend für die Freigabe von Akten über den Asse-Müll einsetzen, die das Bundeskanzleramt noch immer unter Verschluss hält.