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Asse: Atommüll-Kammer verschwunden?

Aufbau des 20 Meter langen Verschlussbauwerkes vor der Einlagerungskammer (Grafik). © Bundesamt für Strahlenschutz Ein schematischer Blick in die Asse: Im roten Bereich links soll sich die Einlagerungskammer 7 mit 4.356 Atommüll-Fässern befinden. Von rechts kommend soll sich der Bohrer den Weg über mehr als 25 Meter bahnen. (Grafik: Bundesamt für Strahlenschutz)

Schon der allererste Schritt zur möglichen Entsorgung des in der Asse gelagerten Atommülls sorgt für erhebliche Probleme. Eine Probebohrung sollte Aufschluss darüber geben, in welchem Zustand sich die verschlossene Einlagerungskammer 7 des ehemaligen Bergwerks befindet. Dort wurden in den 1970er-Jahren 4.356 Atommüllfässer abgekippt. Bei einem Besuch von Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) wurde die Bohrung am 1. Juni gestartet. Sie sollte zunächst sechs Wochen dauern. Der Bohrkopf wurde aber immer wieder von einer sogenannten Bitumenschicht verklebt. Nun steht der Betreiber Asse-GmbH vor einem weiteren Problem: Er findet die Kammer 7 nicht.

Lage nicht exakt dokumentiert

Eigentlich hätte der Bohrkopf bei etwa 24,50 Meter auf einen Hohlraum und damit auf die Einlagerungskammer stoßen müssen. Das ist bislang nicht geschehen. Der Betreiber will nun bis etwa 28 Meter weiterbohren und dann eine Radarsonde in das Bohrloch schieben, um die Kammer aufzuspüren. Die tatsächliche Lage der Einlagerungskammer sei in den 1980er-Jahren "nicht so exakt dokumentiert worden, wie das heute üblich wäre", teilte der Technische Geschäftsführer der Asse-GmbH, Jens Köhler, am Mittwoch mit. Außerdem könnte der Gebirgsdruck Hohlräume in der Kammer zugedrückt haben. Was das für die dort gelagerten Atommüllfässer heißt, ist unklar.

Höhe der Kammer in der Mitte gemessen

750 Meter unter der Erde sind im Endlager Asse die Vorbereitungen zum Anbohren der Einlagerungskammer 7 in vollem Gang. © BfS 2011 Fotograf: Bundesamt für Strahlenschutz Detailansicht des Bildes Die Probebohrung in der Asse wird sich weiter verzögern. (Archivbild) Aktuell habe der Bohrkopf eine Tiefe von 25,40 Metern erreicht, sagte Köhler am Mittwochabend gegenüber NDR.de. Sowohl eine Kamera als auch eine Metall-Messsonde, die in das Bohrloch geführt wurden, hätten noch keinen Hohlraum angezeigt. Die ungenaue Dokumentation der Lage der Kammer sei zum einen dadurch zu erklären, dass der Betreiber damals nur die Höhe in der Mitte der Kammer gemessen hätte. Zum anderen "gab es damals nicht die hochgenauen Vermessungsinstrumente, die heute eingesetzt werden, um ein Raumvolumen millimetergenau zu erfassen", so Köhler. "Es war auch nicht erforderlich. Damals hätte wohl auch keiner gedacht, dass dies jemand nach 30 Jahren wissen will."

20 bis 40 Zentimeter pro Tag

Wenn der Bohrer die Mitte der Kammer angepeilt hätte, hätte man die Kammer vielleicht schon erreicht. Geplant war aber laut Köhler, mit der Probebohrung genau den oberen Randbereich der Kammer 7 zu treffen, "wo man sich sicher war, dass dort keine Fässer mit Atommüll lagern". Das sei auch ein Grund dafür gewesen, warum man die Bohrung leicht nach oben ansteigend durchgeführt habe. Wann genau die 28 Meter Bohrtiefe für die Radarsonde erreicht wird, sei noch nicht klar. "Wir schaffen zurzeit etwa 20 bis 40 Zentimeter pro Tag", sagte Köhler.

Bergung möglich?

Die Probebohrung in der Asse ist Teil der sogenannten Faktenerhebung. Experten wollen so herausfinden, in welcher Konzentration sich in der Kammerluft radioaktive Stoffe und Gase wie Methan oder Wasserstoff befinden. Zudem muss geklärt werden, wie stabil die Kammer ist. Anschließend soll die Kammer geöffnet und erste Abfälle teilweise geborgen werden. Nach der Faktenerhebung soll entschieden werden, ob der Atommüll wie angekündigt aus der Asse geholt werden kann.

In dem ehemaligen Bergwerk lagern insgesamt etwa 126.000 Fässer mit Atommüll. Die Asse droht vollzulaufen und einzustürzen. Zudem gehen Experten davon aus, dass ein großer Teil der Behälter inzwischen durchgerostet und zerstört ist.

Hintergrund
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