Zoogeschichten
Mit artgerechter Haltung von Eisbär, Elefant und Co. haben Zoos so ihre Probleme. mehr
Eine Zirkusvorstellung ohne Elefant, Tiger und Co.? Das könnte möglicherweise Wirklichkeit werden. Niedersachsen will die Bundesratsinitiative aus Hamburg für ein bundesweites Verbot von Wildtieren in der Manege offenbar unterstützen. Das Land werde sich dem Verbotsantrag Hamburgs im Bundesrat "nicht verschließen", sagte Landwirtschaftsminister Gert Lindemann (CDU) der "Nordwest-Zeitung" in Oldenburg (Sonnabendausgabe) einer Vorabmeldung zufolge.
Der weltbekannte Circus Krone, der gerade in Hannover gastiert, sieht dem Vorstoß aber gelassen entgegen und betont, dass Zirkusse wichtig für den Artenschutz seien. Das sieht die Tierrechteorganisation PETA ganz anders und erhebt schwere Vorwürfe gegen den Circus Krone. Und ähnlich kontrovers wird die Debatte auch zwischen der CDU und der SPD geführt.
"Der Zirkus ist eine kulturelle Bereicherung", sagte Zirkus-Sprecher Frank Keller NDR.de. Exotische Tiere könnten so vielen Menschen nähergebracht werden, ohne dass diese nach Asien oder Afrika reisen müssten. Zudem trage der Zirkus zur Arterhaltung und Zucht von Wildtieren bei: Sibirische Tiger wären zum Beispiel schon längst ausgestorben, gebe es Zoos und Zirkusse nicht, so Keller. Die Haltung der Tiere sei genau geregelt - von der Größe des Geheges, über das Futter bis hin zur tierärztlichen Versorgung. Bislang habe es keinerlei Beanstandungen gegeben: "Jeder kann herkommen und sich von der optimalen Tierhaltung überzeugen."
PETA-Wissenschaftsberater Haferbeck begrüßt die Bundesratsinitiative aus Hamburg.
Die Tierrechtsorganisation PETA hingegen attestiert den acht afrikanischen Elefanten im Circus Krone "starke Verhaltungsstörungen". Dem Wissenschaftsberater der Organisation, Edmund Haferbeck, liegt nach eigenen Angaben außerdem ein Gutachten vor, wonach fast alle Elefanten krank seien. Demnach haben die Tiere Skelettstörungen, Rüssellähmungen und auch ihre Haut zeugt von einem schlechten Pflegezustand. Haferbeck begrüßt daher die Bundesratsinitiative aus Hamburg, wonach Wildtiere im Zirkus nach dem Vorbild anderer europäischer Staaten verboten werden sollen.
"In Österreich haben wir eine Klage gegen ein solches Verbot laufen", so Circus-Krone-Sprecher Frank Keller zu NDR.de. Dabei gehe es vor allem um die Berufsfreiheit, in der sich die Zirkus-Mitarbeiter laut Keller durch ein Wildtier-Verbot eingeschränkt sehen. Die Artistenfamilien, in denen dieser Beruf seit Generationen ausgeübt wird, müssten eine Zukunft haben, pflichtete der niedersächsische Landtagsabgeordnete Helmut Dammann-Tamke (CDU) bei.
In Sachen Tierschutz sei viel passiert in den letzten Jahren, so Dammann-Tamke. Es läge ohnehin im Interesse der Zirkusmitarbeiter, ihre Tiere gut zu behandeln. Keiner wolle sich der Gefahr aussetzen, die von einer misshandelten oder gequälten Raubkatze ausgehe. "In unseren Augen ist Zirkus ein Kulturgut. Er hat nicht nur einen Unterhaltungs-, sondern auch einen Bildungsauftrag", so der Politiker: "Denn viele Kinder glauben, dass Kühe lila sind."
SPD-Politiker hingegen lehnen die Haltung von Wildtieren in Zirkussen ab. "Die Käfige sind zu eng, die Auf- und Abbauzeiten dauern zu lange und auch die Fahrzeiten sind extrem lang", kritisierte die niedersächsische SPD-Landtagsabgeordnete Andrea Schröder-Ehlers. "Es gibt ja schon viele Zirkusse, in denen es auch so gelingt, Spaß, Spannung und magische Momente zu erzeugen, ohne dass Wildtiere zum Einsatz kommen."
Ja, das ist eine richtige Forderung
Nein, das ist Unsinn
Ich weiß nicht