Von Wietze bis Alt Tellin: Die umstrittensten Anlagen
Investoren setzen weiterhin auf Massentierhaltung. Vor allem in Niedersachsen sind mehrere große Hähnchenmastanlagen geplant. Die Proteste nehmen zu - und drohen zu eskalieren. mehr
In der kleinen Gemeinde Wietze bei Celle wird zurzeit Europas größter Geflügelschlachthof gebaut. Ab dem Spätsommer, wenn voraussichtlich alles fertig ist, will der Investor, die Firma Rothkötter, hier 2,6 Millionen Hähnchen pro Woche schlachten. Aber so weit will es der Naturschutzbund (Nabu) nicht kommen lassen. Er hat beim Verwaltungsgericht Lüneburg Klage gegen die Baugenehmigung eingereicht.
Die Naturschützer halten den Genehmigungsbescheid des Gewerbeaufsichtsamtes Lüneburg vom vergangenen Juli für rechtswidrig. In dem Bescheid fehlten Aussagen zu Schwebstoffen mit krankheitserregenden Keimen und Stäuben sowie ihrer Gefährdung für den Menschen. Außerdem vermisst der Nabu ausreichende Regeln für den Brandschutz sowie für den Betriebs- und Verkehrslärm. Auch soll das Gewässer in der Nähe nicht gegen Verunreinigung mit Antibiotika geschützt sein.
Seit mehr als eineinhalb Jahren laufen viele Menschen in und um Wietze Sturm gegen die Mega-Anlage. Und nicht nur gegen diese. Im Umkreis von 150 Kilometern rund um den Ort sollen bis zu 400 große Mastställe entstehen, um den Schlachthof zu beliefern. Die Anwohner fürchten den Lärm und Gestank von täglichen Lkw-Kolonnen durch ihre Gemeinde. Es gab zahlreiche Proteste - zuletzt bei einer bundesweiten Sternfahrt von Landwirten Anfang Juni.